Mut zur Natur statt Mut zur Lücke
Am 1. September hat Österreich seinen ersten Entwurf für den Nationalen Wiederherstellungsplan an die Europäische Kommission übermittelt. Der Plan soll festlegen, wie Österreich die Vorgaben der EU-Wiederherstellungsverordnung umsetzt. Aus Sicht der Umweltverbände enthält der Entwurf zwar wichtige Ansätze, bleibt bei zentralen Verpflichtungen jedoch deutlich hinter den bisherigen fachlichen Arbeiten zurück.
Besonders kritisch sehen BirdLife Österreich, Naturschutzbund Österreich und Umweltdachverband, dass wesentliche Inhalte zur Wiederherstellung von Lebensräumen und Arten, insbesondere im Rahmen von Artikel 4 der EU-Verordnung – bislang nur unzureichend abgebildet sind.
„Gerade jetzt braucht es einen ambitionierten Wiederherstellungsplan statt weiterer Verzögerungen und Leerstellen“, betont Christof Kuhn, Koordinator für Naturschutzpolitik bei BirdLife Österreich. Rekordtemperaturen und extreme Trockenheit in diesem Sommer, aber auch die Überschwemmungen der vergangenen Jahre zeigten deutlich, welche Bedeutung widerstandsfähige Ökosysteme haben. Intakte Böden und Auen, mehr Grün in Städten und vielfältige Landschaften könnten wesentlich dazu beitragen, Österreich widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
Besonders enttäuscht zeigen sich die Umweltverbände darüber, dass die Ergebnisse eines umfangreichen Beteiligungsprozesses im aktuellen Entwurf aus ihrer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Fast zwei Jahre lang arbeiteten Expert:innen von Bund und Ländern, Wissenschaft, Grundeigentümer:innen und Interessenvertretungen gemeinsam mit Naturschutzorganisationen in zahlreichen Arbeitsgruppen an den fachlichen Grundlagen.
„Wesentliche Ergebnisse dieser Arbeit wurden im nun übermittelten Entwurf nur unvollständig berücksichtigt, ohne die Arbeitsgruppen darüber zu informieren“, kritisiert Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes.
Auch die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen ist für die Verbände ein zentraler Punkt. Die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme sei keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in die natürlichen Lebensgrundlagen und damit auch in die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft.
„Bund, Länder und EU müssen dafür gemeinsam Verantwortung übernehmen und die notwendigen Mittel langfristig absichern“, fordert Thomas Wrbka vom Naturschutzbund Österreich.
Nun wird die Europäische Kommission den österreichischen Entwurf prüfen. Danach soll der Plan weiterentwickelt und finalisiert werden. Die Umweltorganisationen erwarten dabei, dass fachliche Lücken geschlossen und die bisherigen Ergebnisse der Beteiligung tatsächlich berücksichtigt werden. Wesentliche Änderungen müssten zudem transparent nachvollziehbar sein.
Der derzeit noch unvollständige Wiederherstellungsplan kann bis mindestens 15. Oktober 2026 im Rahmen einer öffentlichen Konsultation kommentiert werden. BirdLife Österreich, Naturschutzbund und Umweltdachverband rufen dazu auf, sich einzubringen und die Bedeutung von Renaturierung für Natur, Klimaresilienz und Lebensqualität deutlich zu machen.