Modellrechnungen belegen zentrale Rolle von Windkraft für Thüringens Energiezukunft
Grundlage der Studie ist ein detailliertes Energiesystemmodell, das die regionale Energieversorgung stundenweise abbildet und sowohl technische Potenziale als auch künftige Energiebedarfe berücksichtigt. In den Modellrechnungen wurde das verfügbare Windkraftpotenzial stark variiert – von einem Ausbau auf 2,2 Prozent der Landesfläche, wie er derzeit in der Regionalplanung vorgesehen ist, bis hin zu einem vollständigen Verzicht auf Windkraftanlagen.
Das Ergebnis ist eindeutig: Je geringer die verfügbare Windkraft, desto höher fallen die Gesamtkosten des Energiesystems aus. Das kostenoptimale Szenario entspricht dem geplanten Ausbau auf rund 2,2 Prozent der Landesfläche. Ein vollständiger Verzicht auf Windkraft würde die Energieversorgung Thüringens hingegen um rund 45 Prozent verteuern. Wird der Ausbau erneuerbarer Energien stärker an den regionalen Bedarfen orientiert, zeigt sich, dass etwa zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft benötigt werden. Sinkt das Potenzial unter 0,8 Prozent, kann sich Thüringen bilanziell nicht mehr selbst mit Energie versorgen und wird zum Energieimportland.
Ein geringerer Windkraftanteil lässt sich nur begrenzt durch Photovoltaik ausgleichen. Während Solaranlagen vor allem im Sommer Strom liefern, produzieren Windkraftanlagen ihre höchsten Erträge im Winter. Fehlt diese Winterproduktion, entsteht eine Stromlücke, die durch den Import vergleichsweise teuren Stroms geschlossen werden muss. Das Modell zeigt ein Kostenoptimum bei einem Verhältnis von Wind- zu Photovoltaikleistung von etwa 1:1,4. Abweichungen davon – insbesondere zulasten der Windkraft – führen zu steigenden Gesamtkosten.
„Die Ergebnisse bestätigen, dass eine Diskussion über Technologieoffenheit zwingend eine Kostentransparenz erfordert. Technologien können nur seriös miteinander verglichen werden, wenn ein Preisschild dranhängt“, betont Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak von der Hochschule Nordhausen.
Darüber hinaus berücksichtigen die Modellrechnungen auch die Kopplung der Stromversorgung mit anderen Energiesektoren. Bei ausreichendem Windstrom können Power-to-Heat-Anlagen und Wärmespeicher sinnvoll zur Fernwärmeversorgung eingesetzt werden. Die Biomassepotenziale in Thüringen sind hingegen bereits heute weitgehend ausgeschöpft. Für bestehende Biogasanlagen zeigt das Modell Vorteile bei einer Umstellung auf Biomethan, da dieses auch langfristig zur Deckung des verbleibenden Brenngasbedarfs beitragen kann.
Die Studie unterstreicht die zentrale Bedeutung von Windkraft für eine bezahlbare, sichere und klimafreundliche Energieversorgung Thüringens.