Mit dem E-Auto durch Europa: So gelingt die Urlaubsreise ohne Ladefrust
Der ACE Auto Club Europa empfiehlt deshalb , vor Reiseantritt nicht nur die Fahrstrecke, sondern auch geeignete Ladepunkte entlang der Route zu planen. Besonders bei längeren Fahrten Richtung Süd- und Südosteuropa sollte ausreichend Reichweitenreserve eingeplant werden.
Ladeinfrastruktur: Große Unterschiede innerhalb Europas
Entlang der wichtigsten Verkehrsachsen in Mittel- und Westeuropa ist die Versorgung mit öffentlichen Ladestationen inzwischen meist gut. Auch Großbritannien verfügt über ein dichtes Netz.
In Italien und Spanien ist das Laden auf den großen Fernverkehrsrouten grundsätzlich gut möglich. Abseits der Hauptachsen sowie in ländlichen und südlichen Regionen kann die Zahl der Ladepunkte jedoch deutlich abnehmen. Auf Inseln ist die Situation teilweise noch schwieriger.
Ähnlich ist die Lage in Skandinavien. Städte und wichtige Fernstraßen sind gut erschlossen. Wer allerdings weit nach Norden fährt, muss wegen der großen Entfernungen zwischen den Ladepunkten etwas genauer planen.
Auch in Polen, Slowenien und Kroatien gibt es teilweise größere Abstände. Noch wichtiger wird die Planung auf Routen Richtung Griechenland oder Türkei sowie in Teilen Südosteuropas.
Ein einzelner defekter oder belegter Schnelllader kann dort schnell zum Problem werden. Wer keine Alternative in Reichweite hat, riskiert lange Wartezeiten oder einen erheblichen Umweg.
Tipp: Für längere Etappen sollten daher nicht nur die geplanten Ladepunkte, sondern auch mögliche Ausweichstationen bekannt sein.
Nicht nur auf eine Ladekarte verlassen
Wer mit einem Elektroauto ins Ausland fährt, sollte sich außerdem nicht ausschließlich auf die heimische Ladekarte verlassen. Viele Anbieter ermöglichen zwar das sogenannte Roaming und damit das Laden bei ausländischen Betreibern. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Ladesäule in Europa abgedeckt ist.
Je nach Anbieter können beispielsweise in Norwegen, Großbritannien, Ungarn oder Südosteuropa Lücken bestehen. Manche Ladesäulen akzeptieren zudem weiterhin nur bestimmte physische Ladekarten.
Der ACE empfiehlt deshalb, zwei bis drei Ladekarten beziehungsweise Apps verschiedener Anbieter dabeizuhaben und vor der Abfahrt deren jeweilige Länderabdeckung zu überprüfen.
Auch ein Blick auf die Tarife kann sich lohnen. Bei einzelnen Urlaubsreisen kann eine Karte mit monatlicher Grundgebühr günstiger sein, wenn dadurch im Reiseland eine größere Netzabdeckung oder ein niedrigerer Ladetarif erreicht wird.
Kreditkarte gehört ins Reisegepäck
Bei der Bezahlung sollten E-Auto-Reisende ebenfalls flexibel bleiben. Eine Kreditkarte ist im Ausland meist die zuverlässigste Option. Die in Deutschland weit verbreitete Girokarte wird an europäischen Ladesäulen deutlich seltener akzeptiert. Auch Debitkarten funktionieren nicht zwangsläufig an jedem Terminal.
Zusätzlich kann eine digitale Zahlungsmöglichkeit wie PayPal hilfreich sein.
Besonders wichtig: Vor dem Einstecken des Ladekabels sollte der Preis kontrolliert werden.
Denn die Nutzung einer deutschen Roamingkarte ist im Ausland nicht automatisch die günstigste Variante. Je nach Anbieter können erhebliche Aufschläge anfallen – laut ACE teilweise bis zu 100 Prozent.
Ad-hoc-Laden kann günstiger sein
Eine Alternative zur Ladekarte kann das sogenannte Ad-hoc-Laden sein. Dabei wird ohne langfristigen Vertrag direkt an der Ladesäule bezahlt, beispielsweise mit Kreditkarte oder Smartphone.
Seit 2024 muss das Ad-hoc-Laden an neu errichteten öffentlichen Schnellladepunkten in der EU ermöglicht werden. In Deutschland wird diese Möglichkeit laut ACE inzwischen an einem großen Teil der öffentlichen Ladepunkte angeboten.
Gerade im Ausland lohnt sich deshalb ein Preisvergleich: Unter Umständen ist die direkte Zahlung an der Ladesäule günstiger als das Laden über die eigene Roamingkarte.
Ein Beispiel liefert Litauen. Dort kostet Normalladen laut ACE-Übersicht durchschnittlich 28,7 Cent pro Kilowattstunde und damit ungefähr halb so viel wie in Deutschland.
Vorsicht bei Minutenpreisen
Beim Preisvergleich sollte allerdings nicht nur auf den Kilowattstundenpreis geschaut werden. In einigen europäischen Ländern sind auch Zeittarife verbreitet.
Wird nach Minuten abgerechnet, kann das für Fahrzeuge mit vergleichsweise geringer Ladeleistung teuer werden. Wer beispielsweise lange an einer Ladesäule steht, aber nur langsam Strom aufnimmt, zahlt unter Umständen deutlich mehr als bei einer Abrechnung nach Kilowattstunden.
Bei Zahlungen in Fremdwährung gilt außerdem: Wird am Terminal eine sofortige Umrechnung in Euro angeboten, ist es häufig günstiger, direkt in der Landeswährung abzurechnen.
Technisch sind E-Auto-Reisende in Europa meist gut vorbereitet. An öffentlichen Ladepunkten sind die aus Deutschland oder Österreich bekannten Standards weit verbreitet.
Für Wechselstrom kommt überwiegend Typ 2 zum Einsatz, beim Gleichstrom-Schnellladen ist CCS der gängige Standard.
Das eigene Typ-2-Kabel sollte trotzdem ins Auto gehören. Während es an Schnellladesäulen üblicherweise fest installiert ist, muss es an vielen normalen AC-Ladepunkten selbst mitgebracht werden.
Außerhalb der EU können zusätzliche Standards vorkommen. In Albanien beispielsweise sind teilweise chinesische GB/T-Anschlüsse zu finden. Je nach Fahrzeug kann dafür ein entsprechender Adapter notwendig sein. Die OEKONEWS-Redaktion, in der alle Fahrten mit Elektroautos erfolgen und in der es einige passionierte Langstreckenfahrer und -fahrerinnen gibt, empfiehlt ein mobilies Ladekabel mit Adapter, beispielsweise die österreichischen Produkte NRG-Kick oder den Go-E-Charger.
In Italien wiederum gibt es öffentliche Starkstromanschlüsse, die sich mit einer mobilen Wallbox und passenden Steckeraufsätzen nutzen lassen können.
Auch die Fähre will geplant sein
Wer mit dem E-Auto eine Fähre nutzen möchte, sollte sich vor der Buchung über die Regeln der jeweiligen Reederei informieren. Denn für Elektroautos gelten auf manchen Fähren besondere Vorgaben zum Ladezustand der Batterie.
Auf griechischen Fähren darf die Batterie beispielsweise häufig nur bis zu 40 Prozent geladen sein. Andere Reedereien bieten dagegen spezielle Ladeplätze an Bord an.
Solche Ladeplätze müssen in der Regel bereits bei der Buchung reserviert werden. Bei einem großen, weitgehend entladenen Akku kann sich das Angebot unter Umständen sogar finanziell lohnen, wenn der Pauschalpreis für das Laden an Bord günstiger ist als eine Ladung an Land.
Schweiz: Kartenmaterial besser vorher herunterladen
Auch bei der Fahrt durch die Schweiz ist etwas Vorbereitung sinnvoll. Viele deutsche oder öaserreichische Mobilfunktarife beinhalten dort kein kostenloses Datenroaming. Ähnliches gilt in Norwegen. Wer erst unterwegs nach Ladestationen sucht oder große Datenmengen für die Navigation verwendet, kann deshalb zusätzliche Kosten verursachen.
Eine einfache Lösung: Kartenmaterial und Informationen zu den benötigten Ladestationen bereits vor der Abfahrt herunterladen.
Die wichtigsten Tipps für die E-Auto-Reise
Wer mit dem Elektroauto durch Europa fährt, sollte vor allem diese Punkte beachten:
- Ladepunkte entlang der gesamten Route prüfen und bei längeren Etappen Alternativen einplanen.
- Reichweitenreserve einplanen, besonders in dünn besiedelten Regionen.
- Zwei bis drei Ladekarten beziehungsweise Apps verschiedener Anbieter mitnehmen.
- Kreditkarte einpacken, da Giro- und Debitkarten nicht überall akzeptiert werden.
- Ladepreise vergleichen – Roaming ist nicht automatisch die günstigste Variante.
- Ad-hoc-Tarife prüfen, bevor eine teure Roaming-Abrechnung gewählt wird.
- Auf Minutenpreise achten, da langsames Laden dadurch teuer werden kann.
- Typ-2-Kabel mitführen.
- Bei Fährreisen Ladezustand und Ladevorschriften der Reederei vorab prüfen.
- Für Länder mit teurem oder eingeschränktem Mobilfunk Kartenmaterial offline speichern.
Ein wenig Planung statt Reichweitenangst
Die Zeiten, in denen eine Europareise mit dem Elektroauto zwangsläufig zum Abenteuer wurde, sind vorbei. Auf den wichtigsten Reiserouten ist die Ladeinfrastruktur inzwischen vielerorts gut ausgebaut.
Dennoch bleibt die Situation regional sehr unterschiedlich. Wer abseits der großen Verkehrsachsen unterwegs ist oder nach Süd- und Südosteuropa fährt, sollte Ladepausen und Alternativen genauer planen.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Reichweite des Autos. Auch Ladekarten, Bezahlmöglichkeiten, Preise und die Verfügbarkeit einzelner Stationen können über eine entspannte Urlaubsfahrt oder unnötigen Ladefrust entscheiden.
Mit etwas Vorbereitung spricht daher wenig gegen den Urlaub mit dem E-Auto und vieles dafür. Wir in der Redaktion könnten uns nicht mehr vorstellen, mit einem Benziner oder Diesel zu fahren - wir nutzen aber sehr oft auch den Zug anstelle der E-Autos!