Michael Succow: "Zur Resignation habe ich keine Zeit"
Eine einzigartige Flusslandschaft in Mitteleuropa an der Donau ist Schutzgebiet und Rückzugsraum für seltene Arten, dutzende Säugetier- und Brutvogelarten, Fische und tausende Insektenarten. Eisvögel, Seeadler, Biber und die Europäische Sumpfschildkröte zählen zu den geschützten Tieren des Nationalparks. Die echte Wilde Weinrebe, Stammform aller Kulturreben, Schwarzpappel und zahlreiche Orchideenspezies findet man hier neben anderem Auwaldbewuchs. Die Donau darf frei fließen und ist Lebensader des Augebiets. Nährstoffbringendes Hochwasser und gesunkende Pegel mit gedeihender Pflanzen- und Tierwelt lösen einander ab.
DI Edith Klauser, Direktorin des Nationalpark Donau-Auen, lud Prof. em. Dr. Michael Succow am Samstag den 19.10.2024 in diese Landschaft ein. Er nahm die Einladung nach Österreich gerne an, um gleichzeitig sein inspirierendes Lebenswerk noch publiker zu machen, wozu seine Vorträge beitragen, bei denen er außerdem andere dazu anregt, selbst aktiv zu werden und nicht aufzugeben.
Zwei Tage vor dem Treffen in den Donauauen hielt er im Hörsaal des Departments für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien einen spannenden Vortrag zur „Zukunft unserer Kulturlandschaft im Spannungsfeld von Agrarindustrie und Wildnis“.
Michael Succow wuchs in einer ländlichen Umgebung als Sohn eines Bauern auf. Nach dem Biologiestudium in Greifswald, Ostdeutschland, damals noch DDR, war er 1974 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften tätig.
Das Sympathisieren mit der „Prager Frühling“-Bewegung beendete seine universitäre Laufbahn. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bodenkunde in Eberswald. Moore und Landschaftsökologie sind für ihn dort wichtige Themenbereiche. Er wird später unter anderem Forschungsgruppenleiter im Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit Müncheberg und ist als Berater auch in Äthiopien tätig. Seit mehr als 50 Jahren setzt er sich für Natur- und Umweltschutz ein. Bekannt ist er außerdem als einer der profundesten Moorforscher weltweit.
„Die Schwierigkeiten in der Landwirtschaft,“ so Succow bei seinem Vortrag, „besteht u.a. darin, schwere Maschinen zu verwenden, einer Trennung von Land- und Viehwirtschaft (Viehmast und Gülle-Teiche) und starker intensiver Nutzung statt besonnener Weidenutzung mit kleinerem Viehbestand, dem Einsatz von Pestiziden (resistenten eingeführten Pflanzen, Verdrängung der ursprünglichen Arten) und Düngemitteln, die letztendlich eine landwirtschaftliche Nutzung sogar verhindern können. Flusslauf-Einsenkungen, Vernichtung von tausenden Hektar Wald durch Rodung für Horchposten und Truppenübungsplätze führten zur DDR-Zeit, aber auch heutzutage und andernorts, immer wieder zur Vertrocknung, Kontaminierung des Bodens und Verringerung der Biodiversität oder Verschmutzung der Grundwasserquellen.“
Sein Engagement, vor allem ehrenamtlich, unter anderem im Natur- und Umweltschutz im Rahmen des Kulturbundes der DDR, ist wesentlicher Teil seines Lebens. Als Folge wurde er im Januar 1990 im neu strukturierten Ministerium zum Stellvertretenden Minister für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR, nachdem die Bürgerbewegungen schon im Herbst 1989 die Schaffung eines eigenen Ministeriums für Naturschutz, also „neue Natur- und Umweltschutz Planstellen“, gefordert hatten.
Michael Succow war für den Naturressourcenschutz und die Landnutzungsplanung zuständig, Felder, die es davor so nicht gab. Zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung gelang es ihm und seinen Mitstreiter*innen das sogenannte "Nationalparkprogramm" zu initiieren.
Rund 12% des DDR-Territoriums konnten dadurch einstweilig durch den Ministerrat als Großschutzgebiete ausgewiesen werden. Es waren insbesondere bisherige Staatsjagdgebiete, Grenzsicherungsräume und Truppenübungsplätze, so seine Angaben. Bis zur Wiedervereinigung gelang es davon fast die Hälfte als Biosphärenreservate, Nationalparke und Naturparke neuer Prägung mit eigenen Verwaltungen in den Einigungsvertrag einzubringen und damit endgültig zu sichern. In den neu entstandenen Bundesländern schafften es die Regierungen in den folgenden Jahren, auch die restlichen einstweilig gesicherten Flächen in Großschutzgebiete überzuführen.
Die Succow Stiftung feiert dieses Jahr in Greifswald in Ostdeutschland ihr 25-jähriges Bestehen. Gegründet würde sie mit dem Preisgeld des 1997 an Michael Succow verliehenen „Right Livelihood Award“ (auch bekannt als der „Alternative Nobelpreis“, gegründet von Jakob von Uexküll). Die Stiftung hat das klare Ziel die Vielfalt der Natur zu erhalten, mit ihren Ressourcen zu haushalten und ihre Ökosysteme wert zu halten.
„Von weiten Wäldern bis zu schützenswerten Feuchtgebieten – der Einsatz der Stiftung erstreckt sich über verschiedenste Ökosysteme in Deutschland und auf der ganzen Welt“, sagt Kathrin Succow, die ihren Vater bei der Österreich-Reise begleitet. Die Projekte reichen von der Restaurierung von Mooren bis zur Schaffung von Schutzgebieten für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Michael Succow berichtet im Hörsaal des Departments für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien von Projekten in Mecklenburg-Vorpommern, Polen, Aserbaidschan, Kaliningrad/Russland, Inseln im Kaspischen Meer, Iran, Usbekistan und Kirgistan, von der Anerkennung des äthiopischen Tanasee als UNESCO-Biosphärenreservat, von der „Central Asian Desert Initiative“ (CADI) und vielen weiteren bereits umgesetzten Projekten.
„Es braucht unter anderem ein verstärktes Verbraucherbewusstsein, mehr Öko-Dörfer." Es geht um weitere internationale Projekte, in Grenzräumen, mit kleinen Ethnien, um ein „Welterbe der Menschheit“ zu schaffen und um „Räume zu sichern“ für den Tier- und Naturschutz. Dazu gehört bewusster wohlüberlegter Umgang mit erneuerbarer Energie und deren Standorten und eine ökologische Landwirtschaft. "Nur eine gesunde Humusschicht mit mikrobieller Vielfalt sichert unsere Lebensgrundlage.“ Das alles möge gelingen, hofft Succow für die Zukunft, denn: „zur Resignation hat er keine Zeit“.
"Gewähren wir der Natur Raum, geben wir ihr Zeit. Üben wir uns im Erhalten und Haushalten - um unserer eigenen Zukunft willen."
DI Edith Klauser, Direktorin des Nationalpark Donau-Auen, lud Prof. em. Dr. Michael Succow am Samstag den 19.10.2024 in diese Landschaft ein. Er nahm die Einladung nach Österreich gerne an, um gleichzeitig sein inspirierendes Lebenswerk noch publiker zu machen, wozu seine Vorträge beitragen, bei denen er außerdem andere dazu anregt, selbst aktiv zu werden und nicht aufzugeben.
Zwei Tage vor dem Treffen in den Donauauen hielt er im Hörsaal des Departments für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien einen spannenden Vortrag zur „Zukunft unserer Kulturlandschaft im Spannungsfeld von Agrarindustrie und Wildnis“.
Michael Succow wuchs in einer ländlichen Umgebung als Sohn eines Bauern auf. Nach dem Biologiestudium in Greifswald, Ostdeutschland, damals noch DDR, war er 1974 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften tätig.
Das Sympathisieren mit der „Prager Frühling“-Bewegung beendete seine universitäre Laufbahn. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bodenkunde in Eberswald. Moore und Landschaftsökologie sind für ihn dort wichtige Themenbereiche. Er wird später unter anderem Forschungsgruppenleiter im Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit Müncheberg und ist als Berater auch in Äthiopien tätig. Seit mehr als 50 Jahren setzt er sich für Natur- und Umweltschutz ein. Bekannt ist er außerdem als einer der profundesten Moorforscher weltweit.
„Die Schwierigkeiten in der Landwirtschaft,“ so Succow bei seinem Vortrag, „besteht u.a. darin, schwere Maschinen zu verwenden, einer Trennung von Land- und Viehwirtschaft (Viehmast und Gülle-Teiche) und starker intensiver Nutzung statt besonnener Weidenutzung mit kleinerem Viehbestand, dem Einsatz von Pestiziden (resistenten eingeführten Pflanzen, Verdrängung der ursprünglichen Arten) und Düngemitteln, die letztendlich eine landwirtschaftliche Nutzung sogar verhindern können. Flusslauf-Einsenkungen, Vernichtung von tausenden Hektar Wald durch Rodung für Horchposten und Truppenübungsplätze führten zur DDR-Zeit, aber auch heutzutage und andernorts, immer wieder zur Vertrocknung, Kontaminierung des Bodens und Verringerung der Biodiversität oder Verschmutzung der Grundwasserquellen.“
Sein Engagement, vor allem ehrenamtlich, unter anderem im Natur- und Umweltschutz im Rahmen des Kulturbundes der DDR, ist wesentlicher Teil seines Lebens. Als Folge wurde er im Januar 1990 im neu strukturierten Ministerium zum Stellvertretenden Minister für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR, nachdem die Bürgerbewegungen schon im Herbst 1989 die Schaffung eines eigenen Ministeriums für Naturschutz, also „neue Natur- und Umweltschutz Planstellen“, gefordert hatten.
Michael Succow war für den Naturressourcenschutz und die Landnutzungsplanung zuständig, Felder, die es davor so nicht gab. Zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung gelang es ihm und seinen Mitstreiter*innen das sogenannte "Nationalparkprogramm" zu initiieren.
Rund 12% des DDR-Territoriums konnten dadurch einstweilig durch den Ministerrat als Großschutzgebiete ausgewiesen werden. Es waren insbesondere bisherige Staatsjagdgebiete, Grenzsicherungsräume und Truppenübungsplätze, so seine Angaben. Bis zur Wiedervereinigung gelang es davon fast die Hälfte als Biosphärenreservate, Nationalparke und Naturparke neuer Prägung mit eigenen Verwaltungen in den Einigungsvertrag einzubringen und damit endgültig zu sichern. In den neu entstandenen Bundesländern schafften es die Regierungen in den folgenden Jahren, auch die restlichen einstweilig gesicherten Flächen in Großschutzgebiete überzuführen.
Die Succow Stiftung feiert dieses Jahr in Greifswald in Ostdeutschland ihr 25-jähriges Bestehen. Gegründet würde sie mit dem Preisgeld des 1997 an Michael Succow verliehenen „Right Livelihood Award“ (auch bekannt als der „Alternative Nobelpreis“, gegründet von Jakob von Uexküll). Die Stiftung hat das klare Ziel die Vielfalt der Natur zu erhalten, mit ihren Ressourcen zu haushalten und ihre Ökosysteme wert zu halten.
„Von weiten Wäldern bis zu schützenswerten Feuchtgebieten – der Einsatz der Stiftung erstreckt sich über verschiedenste Ökosysteme in Deutschland und auf der ganzen Welt“, sagt Kathrin Succow, die ihren Vater bei der Österreich-Reise begleitet. Die Projekte reichen von der Restaurierung von Mooren bis zur Schaffung von Schutzgebieten für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Michael Succow berichtet im Hörsaal des Departments für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien von Projekten in Mecklenburg-Vorpommern, Polen, Aserbaidschan, Kaliningrad/Russland, Inseln im Kaspischen Meer, Iran, Usbekistan und Kirgistan, von der Anerkennung des äthiopischen Tanasee als UNESCO-Biosphärenreservat, von der „Central Asian Desert Initiative“ (CADI) und vielen weiteren bereits umgesetzten Projekten.
„Es braucht unter anderem ein verstärktes Verbraucherbewusstsein, mehr Öko-Dörfer." Es geht um weitere internationale Projekte, in Grenzräumen, mit kleinen Ethnien, um ein „Welterbe der Menschheit“ zu schaffen und um „Räume zu sichern“ für den Tier- und Naturschutz. Dazu gehört bewusster wohlüberlegter Umgang mit erneuerbarer Energie und deren Standorten und eine ökologische Landwirtschaft. "Nur eine gesunde Humusschicht mit mikrobieller Vielfalt sichert unsere Lebensgrundlage.“ Das alles möge gelingen, hofft Succow für die Zukunft, denn: „zur Resignation hat er keine Zeit“.
"Gewähren wir der Natur Raum, geben wir ihr Zeit. Üben wir uns im Erhalten und Haushalten - um unserer eigenen Zukunft willen."