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Mein Wunschzettel für den Weihnachtsmann

09.12.2004

Mein Name ist Xie Guofeng und ich arbeite in einer Firma die Spielzeug herstellt

ja © www.alpha.co.at
ja © www.alpha.co.at
Guten Tag. Mein Name ist Xie Guofeng. Ich lebe in China und arbeite in einer der 8000 Spielzeugfabriken in der Provinz Guangdong, nahe Hongkong an der Küste. Ich bin 16 Jahre alt und komme eigentlich aus der Provinz Szetschuan im Landesinnern, aber dort gibt es für viele keine Arbeit mehr. Deshalb haben meine Eltern mich in die Fabrik nach Guangdong geschickt.

Ich habe auch Wünsche an den Weihnachtsmann

Lieber Weihnachtsmann, ich möchte nicht mehr als 10 Stunden am Tag arbeiten (Zur Zeit sind es im Durchschnitt 16 Stunden)
Lieber Weihnachtsmann, ich möchte einen Tag in der Woche frei haben
(Wir haben seit 4 Monaten keinen freien Tag mehr gehabt)
Lieber Weihnachtsmann, ich möchte wenigstens einen menschenwürdigen Monatslohn von 150 Euro verdienen
(Im Moment bekomme ich etwa 40 Euro im Monat)
Lieber Weihnachtsmann, ich möchte das Recht haben, mich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen
(Freie Gewerkschaften sind bei uns verboten)
Lieber Weihnachtsmann, ich möchte mich endlich einmal richtig ausruhen
(Manche meiner Kolleginnen sind schon gestorben an „Guolaosi„ – das ist ein neues Wort in unserer Sprache und bedeutet „Erschöpfungstod„)
Zwischen 60 und 70 Prozent aller in Deutschland bzw. Österreich verkauften Spielwaren werden in der Volksrepublik China gefertigt. Fast alle großen Hersteller lassen dort produzieren. Vor allem, weil die Lohnkosten extrem niedrig sind, sie machen nur ca. 1 bis 2 Prozent vom Verkaufspreis aus. Das bedeutet, wird ein Spielzeug bei uns für 20 Euro verkauft, so bekommen die produzierenden ArbeiterInnen davon nur 20 bis 40 Cent.

Arbeitsbedingungen in den Spielzeug–Fabriken

Sie arbeiten im Akkord an den Fließbändern der Spielzeugfabriken – oft bis zu 16 Stunden an 7 Tagen die Woche: Überwiegend junge Wanderarbeiterinnen aus den Hinterlandprovinzen schuften für den Export. Dafür wird meist nicht einmal der gesetzliche Mindestlohn von ca. 70 Euro gezahlt, der für eine menschenwürdige Existenz allerdings auch nicht ausreichen würde. Hinzu kommt oft eine gesundheitsgefährdende Produktionsweise mit giftigen Dämpfen von Chemikalien. Meist gibt es weder Atemschutzmasken, noch Ohrstöpsel gegen den ohrenbetäubenden Lärm der Maschinen.
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt nach solchen Arbeitstagen nicht. ArbeiterInnen berichten, dass sie über lange Zeiträume mit nur 3 bis 4 Stunden Schlaf in streng reglementierten firmeneigenen Wohnheimen auskommen müssen. Und so gehört chronische Erschöpfung zum Alltag: „Wir haben gesehen, wie Leute bei der Arbeit ohnmächtig werden. Damit muss man rechnen,„ so eine Montage–Arbeiterin. Können die Arbeiterinnen dem Druck nach einigen Jahren nicht mehr standhalten, werden sie entlassen und durch jüngere Frauen und Mädchen ersetzt.
(Das Zitat stammt aus: Hong Kong Christian Industrial Committee (2001) – How Hasbro, McDonald‚s, Mattel and Disney manufacture their toys, Hong Kong)

Was hat das mit uns zu tun?

Es ist kein Zufall, dass im Zuge der verschärften Liberalisierung der letzten 20 Jahre sich auch in der Spielzeug–Produktion der Konkurrenzkampf zuspitzt und die großen westlichen Konzerne über die von Ihnen dominierten internationalen Organisationen (WTO, IWF und Weltbank) auch in dieser Branche den Verdrängungswettbewerb anheizen . „Geiz ist geil„, wenn man zur Profitmaximierung nur Hungerlöhne zahlen braucht. Dabei reicht der Kreis der Betroffenen längst über China und andere „Billiglohnländer„ hinaus. Auch in der Spielwarenindustrie hierzulande werden immer mehr Arbeitsplätze abgebaut mit dem dezenten Hinweis auf niedrige Lohnkosten dort.
Und so zieht das „Sozialdumping„ immer weitere Kreise. Dagegen gilt es die Kernarbeitsnormen und Sozialstandards der internationalen Arbeitsorganisation ILO zur menschenwürdigen Arbeit für alle weltweit einzufordern und sie auch als wichtigen Teil in sanktionierbaren, internationalen Handelsabkommen zu verankern. Bessere Arbeitsbedingungen in China und allen anderen „Billiglohnländern„ sind im Interesse aller Arbeitnehmer weltweit.

Was können wir tun?

Fragen Sie beim Kauf ihres Spielzeugs im Geschäft oder direkt beim Hersteller, wo und unter Welchen Bedingungen das Spielzeug produziert wurde:
Wie sind die Arbeitszeiten in der Produktion?
Verdienen die Arbeiter/Innen so viel, dass sie in China ein menschenwürdiges Leben führen können?
Gibt es gesundheitsgefährdende Produktionsbedingungen?
Sind freie Gewerkschaften zugelassen?
Versuchen Sie einen Euro oder fünf Prozent des Preises zusätzlich zu zahlen und fordern sie, dass dieser Betrag direkt den produzierenden Arbeitskräften zugute kommt. Verlangen sie einen Nachweis darüber. Oft verweisen die um ihren Ruf besorgten Hersteller darauf, dass sie von ihren chinesischen Zulieferern die Einhaltung bestimmter „Sozialstandards„ verlangen. Dabei gibt es zwei Probleme: Zum einen wird das nur sehr selten unabhängig kontrolliert und zum anderen zahlen die Hersteller so geringe Preise, dass die Zulieferer sich gar nicht an die Standards halten können.
oekonews.at dankt attac Köln für die Kooperation.
Weitere Informationen www.attac.de und www.woek.de/fairspielt
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09.12.2004 | Autor*in: willfurth
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