Mehr Kurzurlaube, mehr Verkehr: VCÖ fordert stärkeres Mobilitätsmanagement im Tourismus
Laut Statistik Austria hat sich die Zahl der Urlaubsreisen seit 2004 von 13,2 auf 27,5 Millionen mehr als verdoppelt. Besonders auffällig ist der Boom bei Kurzreisen mit ein bis drei Übernachtungen, die sich im selben Zeitraum von 5,36 auf 14,43 Millionen fast verdreifachten.
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für die Verkehrssituation, wie der VCÖ bei einer Fachkonferenz betonte. „Mehr und kürzere Urlaube bedeuten mehr Verkehr an Wochenenden, mehr Belastungen für Anrainerinnen und Anrainer sowie längere Staus auf den Straßen“, erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Eine aktuelle Analyse zeigt: Während werktags auf Autobahnen und Schnellstraßen weniger Pkw unterwegs sind als 2019, ist das Verkehrsaufkommen an Wochenenden und Feiertagen gestiegen.
Auto dominiert weiterhin die Anreise
Noch immer reisen die meisten Urlaubsgäste mit dem Auto an: 2023 lag der Anteil bei 78 Prozent. Bahnreisen machten elf Prozent aus, Flugreisen sieben Prozent und Busreisen zwei Prozent. Der VCÖ sieht darin eine große Herausforderung, aber auch eine Chance. Gelinge es, den Anteil der Gäste, die mit Bahn oder Bus anreisen, zu erhöhen, könnten nicht nur Staus reduziert, sondern auch die Lebensqualität in den Regionen verbessert werden.
Tourismus als Mitfinanzierer gefragt
Um die öffentliche Anreise attraktiver zu machen, brauche es bessere Angebote - sowohl in den Urlaubsregionen selbst als auch bei der Anbindung aus europäischen Metropolen. Ein Beispiel sei das im Mai 2025 eingeführte Guest Mobility Ticket in Salzburg: Pro Nächtigung wird ein Mobilitätsbeitrag von 50 Cent eingehoben, dafür können Gäste den gesamten öffentlichen Verkehr im Bundesland nutzen. Bereits 1,9 Millionen Tickets wurden ausgegeben.
Auch internationale Verbindungen legen zu: Laut Salzburg Land Tourismus stieg der Tagesverkehr zwischen Deutschland und Österreich seit 2018 um 57 Prozent. Shuttle-Dienste von Bahnhöfen zu Hotels, wie sie die ÖBB in Kärnten und Salzburg anbieten, oder gezielte Angebote in Südtirol zeigen, wie eine Umstellung auf klimafreundliche Mobilität gelingen kann.
Neue Zielgruppen ohne Auto
Hinzu kommt, dass in vielen europäischen Städten immer mehr Haushalte ohne Auto leben – in Berlin sind es bereits 46 Prozent, im Schnitt der deutschen Großstädte 40 Prozent. Damit Österreich für diese Zielgruppe attraktiv bleibt, brauche es, so Schwendinger, „gute Bahn- und Busverbindungen sowie ein dichtes Netz an Mobilitätsangeboten vor Ort“.
Gesundheit und Lebensqualität profitieren
Neben der Anreise steht auch die Mobilität in den Urlaubsorten im Fokus. Verkehrsberuhigung, Begrünung und der Ausbau von Rad- und Fußwegen würden nicht nur die Belastung für die Bevölkerung senken, sondern auch den Aufenthalt für Gäste angenehmer machen, betonten Expertinnen und Experten der FH Joanneum. Gleichzeitig steigere aktive Mobilität wie Gehen oder Radfahren die Fitness und das Wohlbefinden der Reisenden.