MCI Forschung zeigt Risiken von Gesundheitstipps durch Influencer
Innsbruck - Medizinische Ratschläge von „Social Media Influencers“ sind in der Gesellschaft zu einer zentralen Quelle für Gesundheitsinformation geworden – häufig jedoch mit gravierenden Risiken. Dies zeigen aktuelle Forschungsergebnisse am MCI, die in den renommierten Fachzeitschriften "The British Medical Journal" und "JAMA Network Open" erschienen sind.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, nennt das Forschungsteam mehrere Lösungsansätze. Das Problem sei komplex, weshalb einzelne Maßnahmen jeweils nur begrenzt wirken. Entscheidend sei daher ein Bündel an Interventionen, das sowohl Politik als auch Plattformen und deren User in die Verantwortung nimmt.
Konkrete Beispiele mit drastischen Folgen
Als konkrete Beispiele von folgenreichem „Health Influencing“ mit drastischen Risiken nennen die Autor:innen Social Media Kampagnen prominenter Persönlichkeiten, die trotz mangelnder Expertise ihren Abermillionen Followern Ganzkörper-MRT-Screenings empfehlen, die zu Überdiagnosen, unnötigen Eingriffen und hohen Kosten führen können, oder Nahrungsergänzungsmittel mit fragwürdigen Versprechen, überhöhten Dosierungen und bedenklichen Inhaltsstoffen bewerben.
Darüber hinaus verweisen die Ergebnisse auf Fälle, in denen Influencer verschreibungspflichtige Medikamente in persönliche Krankheitsgeschichten einbetten. Gerade diese Verbindung von Storytelling, Nähe und Werbung erschwert es den Usern, die Inhalte kritisch einzuordnen.
Österreichische Daten zeigen besondere Relevanz
In Österreich konsumieren 83% der 15- bis 25-Jährigen Gesundheitsinhalte von Influencern. 31% haben aufgrund solcher Inhalte bereits Nahrungsergänzungsmittel, 13% Medikamente und 11% medizinische Selbsttests gekauft. Diese hohe Reichweite mache Jugendliche besonders anfällig für irreführende Empfehlungen.
Regulierungsbedarf auf europäischer Ebene
Auf EU-Ebene geschieht dies bereits durch den Digital Services Act, der große Plattformen stärker in die Pflicht nimmt, systemische Gesundheitsrisiken zu erkennen und zu reduzieren. Doch auch nationale Regierungen können aktiv werden – etwa indem sie Influencern mehr redaktionelle Verantwortung auferlegen oder bestimmte Formen gesundheitsbezogener Werbung einschränken.
„Influencer zählen insbesondere für junge Menschen zu den wichtigsten Informationsquellen im Bereich Gesundheit, aber ihr Rat ist oft interessengeleitet, verzerrt oder schlichtweg sogar falsch“, erklärt Hauptautor Dr. Raffael Heiss, Forscher am Center for Social & Health Innovation des MCI. „Ohne klare Regeln riskieren wir Fehlbehandlungen, unnötige Ausgaben und eine steigende Skepsis gegenüber evidenzbasierter Medizin.“
Neben regulatorischen Maßnahmen ist es ebenso wichtig, die Gesundheits- und Digitalkompetenz junger Menschen zu stärken, damit sie medizinische Ratschläge im Netz kritischer einordnen können. „Wir brauchen ein Update des Gesundheitsschutzes für das digitale Zeitalter“, betont Heiss. „Dafür sind eine konsequentere Regulierung und die gezielte Aufklärung der User zentral.“
Über das Forschungsteam
Die Forschungsergebnisse wurden von einem internationalen Team aus Forschung, Medizin und Patientenvertretung unter Koordination des MCI erstellt: Raffael Heiss (MCI, Hauptautor), Elena Engel (MCI & Universität Wien), Sascha Gell (MCI & Universität Wien), Steven Woloshin (Dartmouth College), Erin Willis (University of Colorado Boulder), Sneha Dave (Generation Patient) und Elaina J. Vitale (Dartmouth College).