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Lostag für EU-Landwirtschaft und unser Saatgut

15.06.2026

Heutige Gentechnik‑Abstimmung und neues EU-Saatgutrecht entscheiden über Wettbewerb, Unabhängigkeit und Vielfalt

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© oleg_mit auf pixabay
Straßburg, Wien, Schiltern – In Straßburg fallen heute zwei wesentliche Entscheidungen über die Zukunft der Landwirtschaft in Österreich und Europa. Zwischen 18 und 22 Uhr findet die abschließende Trilog-Verhandlung zum neuen EU-Saatgutrecht statt. Und ab 19 Uhr stimmt der Umweltausschuss des EU-Parlaments über einen Freibrief für die Neue Gentechnik (NGT) ab. „Während die EU-Landwirtschaftsminister:innen beim neuen Saatgutrecht auf möglichst strenge Auflagen für Bäuer:innen und andere kleine und mittelständische Produzent:innen von vielfältigem Saatgut setzen, wollen sie Konzernen einen Freibrief für Pflanzen-Patente und die Freisetzung von gentechnisch manipuliertem Saatgut erteilen“, kritisiert Katherine Dolan, Expertin für Saatgutpolitik bei ARCHE NOAH, der österreichischen Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.
 

Das EU-Saatgutrecht ist ausschlaggebend dafür, ob Europas Bäuer:innen künftig auf die Anpassungsfähigkeit traditioneller Sorten und die Potenziale vielfältiger Neuzüchtungen setzen können, um trotz Klimakrise gute Ernten zu produzieren. Im heutigen abschließenden Trilog wird sowohl über überbordende Auflagen entschieden, die kleinstrukturierte Saatgutproduzent:innen aus dem Markt drängen könnten, als auch über das Recht von Bäuer:innen, ihr eigenes Saat- und Pflanzgut zu tauschen und zu verkaufen. „Angesichts der Klimakrise müssen wir die lokale Saatgutproduktion stärken und das bäuerliche Recht auf Saatgut uneingeschränkt garantieren“, so ARCHE NOAH.
 
Zur neuen Gentechnik-Verordnung wurden in einem außergewöhnlichen Schritt 37 Abänderungsanträge für die Abstimmung im EU-Umweltausschuss eingereicht. Die Sorgen der Landwirtschaft wegen der Auswirkungen von patentiertem Saatgut sind so groß, dass sich sogar der Deutsche Bauernverband, der in Grunde der Neuen Gentechnik positiv gegenübersteht, für Abänderungsanträge einsetzt. „Mit der neuen NGT-Verordnung würde patentiertes Saatgut in Europa zur Regel – mit gravierenden Folgen für Wettbewerb, unsere Unabhängigkeit und Vielfalt“, warnt Katherine Dolan von ARCHE NOAH. Sämtliche Regeln zum Schutz vor Gentechnik-Kontamination würden mit der neuen Verordnung gestrichen, NGT-Pflanzen könnten ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung auf unseren Tellern landen.
 
„Wer nicht abstimmt, stimmt zu“: 20.000 Unterschriften in nur 4 Tagen
 
Der Ball liegt nun beim EU-Parlament. „Wir rufen alle EU-Abgeordneten dringend auf, an den Abstimmungen zur Neuen Gentechnik teilzunehmen – für Wahlfreiheit und gegen Patente auf Saatgut“, fordert ARCHE NOAH. Einer entsprechenden Petition unter dem Motto „Wer nicht abstimmt, stimmt zu!“ haben sich innerhalb von nur 4 Tagen über 20.000 Menschen angeschlossen.
 
Beim neuen EU-Saatgutrecht muss der Chefverhandler des EU-Parlaments, Herbert Dorfmann (Europäische Volkspartei), auf die Rechte der Bäuer:innen sowie auf eine vernünftige Begrenzung bürokratischer Auflagen für kleine Saatgutproduzent:innen bestehen. Auch Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig darf im Rat keine Verordnung akzeptieren, die beispielsweise den Tausch von Saatkartoffeln und Weinreben zwischen Landwirt:innen verbietet oder die lokale Saatgutproduktion erschwert. „Der Einfluss der Agrochemie-Lobby ist enorm. Unsere Politiker:innen müssen diesem Druck standhalten und klar für bäuerliche Rechte, Unabhängigkeit und Vielfalt eintreten“, so Katherine Dolan von ARCHE NOAH.
 

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