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Live-Messungen zeigen Hitze-Falle in Wohnungen von armutsbetroffenen Senior:innen

08.08.2026

Wohnungen über sieben Stunden am Tag heißer als Außentemperatur – Greenpeace und Volkshilfe fordern von Klimaminister Totschnig und Vizekanzler Babler Sanierungsoffensive und Hitzeschutz im Mietrecht

© Greenpeace - Lea Scharl-9 (1).jpg
Hitzeschutz jetzt! © Greenpeace Lea Scharl
Wien - Die aktuelle Hitzewelle sorgt schon nach wenigen Tagen für unerträgliche Temperaturen in den Wohnungen von armutsbetroffenen Senior:innen. Das zeigen laufende Temperaturmessungen der Universität für Bodenkultur (BOKU), die gemeinsam mit Greenpeace und der Volkshilfe seit Juni bei älteren Menschen in Wien durchgeführt werden. Insgesamt werden in diesem Sommer zwölf Wohnungen untersucht – darunter auch jene von armutsbetroffenen Senior:innen. Besonders sie haben mit großen Herausforderungen zu kämpfen: Hier kletterten die Temperaturen in den eigenen vier Wänden schon nach kurzer Zeit sogar auf bis zu 30 Grad. Hitze ist eine reale Gesundheitsgefahr: Allein bei der letzten Hitzewelle im Juni sind laut einer Greenpeace-Berechnung auf Basis von Statistik-Austria-Daten rund 300 Menschen in Österreich an den Folgen der extremen Temperaturen gestorben. Greenpeace und Volkshilfe fordern von Klimaminister Norbert Totschnig eine Sanierungsoffensive sowie von Vizekanzler und Wohnminister Andreas Babler Hitzeschutz im Mietrecht zu verankern.


Wohnungen selbst Nachts bei über 27 Grad 


Die Ergebnisse der Temperaturmessungen in den Wiener Altbauten sind alarmierend: Schon kurz nach dem Start der aktuellen Hitzewelle, schnellten die Temperaturen in sechs der zwölf Altbauwohnungen auf über 28 Grad Celsius. Das Zuhause eines armutsbetroffenen Pensionisten, eine Einzimmerwohnung mit 33 Quadratmeter, erhitzte sich sogar auf bis zu 30 Grad. Zwischen gestern 8.00 Uhr und heute 8.00 Uhr Früh war es in allen zwölf Wohnungen mindestens sieben Stunden wärmer als draußen. In der armutsbetroffenen Wohnung waren es knapp 13 Stunden. Auch in der Nacht kühlten sieben Wohnungen nie unter 27 Grad. Dadurch entsteht eine Dauerbelastung, die besonders für den geschwächten Körper älterer Menschen lebensbedrohlich sein kann. 

Marc Dengler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace Österreich: “Die Hitzewelle hat erst kürzlich an Fahrt aufgenommen, doch schon jetzt glüht es in den Wohnungen wie in einem Backofen. Wenn die Temperaturen im Wohnzimmer auf über 30 Grad schnellen, dann wird das eigene Zuhause zur Hitzefalle. Besonders armutsbetroffene ältere Menschen haben oft keine Möglichkeiten, um das eigene Zuhause abzukühlen. Das hat nichts mit Schicksal zu tun, sondern ist das bittere Ergebnis einer versäumten Wohnpolitik. Statt beim Klimaschutz zu kürzen, müssen Klimaminister Totschnig und Vizekanzler Babler die Wohnungen hitzefit machen und Mieterinnen und Mieter wirksam vor den extremen Temperaturen schützen. Erst im Juni sind an den Folgen der letzten Hitzewelle rund 300 Menschen in Österreich gestorben.”

Altersarmut verstärkt das Hitzerisiko


“Armutsbetroffene Menschen sind der Hitze stärker ausgesetzt. Viele leben in engen, schlecht sanierten Wohnungen ohne Sonnenschutz, die wiederum in heißen Wohnvierteln mit weniger Grün liegen. Betroffene haben schlichtweg nicht das Geld für den Kauf von Jalousien, die Anschaffung und das Betreiben von Kühlgeräten, oder auch nur einen kühlenden Besuch im Schwimmbad. Bei älteren Menschen kommt erschwerend hinzu, dass sie häufig nicht mehr mobil genug sind, um kühlere Orte aufzusuchen. Dadurch sind sie den extremen Temperaturen in ihren eigenen vier Wänden schutzlos ausgeliefert“, so Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.


Daniela Haluza, Umweltmedizinerin und Professorin an der Medizinischen Universität Wien: “Hitze ist das tödlichste Wetterextrem in Österreich und betrifft insbesondere ältere Menschen, deren Körper hohe Temperaturen weniger gut kompensieren kann. Anhaltend überhitzte Wohnungen erhöhen das Risiko für Kreislaufprobleme, Schwindel, Stürze und Verwirrtheitszustände. Wir sprechen hier von Menschen, die tagelang nicht schlafen können, weil ihre Wohnung auch nachts nicht unter 30 Grad abkühlt, oder die an Hitzetagen plötzlich verwirrt werden und als Notfall im Krankenhaus landen.” 


Greenpeace und Volkshilfe fordern von Klimaminister Norbert Totschnig und Vizekanzler Andreas Babler konkrete Schutzmaßnahmen: Neben begrünten Wohnvierteln und einer Sanierungsoffensive braucht es auch Notfallpläne für Hitzewellen. Diese müssen gemeinsam mit älteren Menschen, Personen mit Pflegebedarf und anderen vulnerablen Gruppen erarbeitet werden. Die Volkshilfe fordert außerdem die Verbesserung der finanziellen Situation Altersarmutsbetroffener, etwa durch die Anhebung des Ausgleichszulagenrichtsatzes.

Hitze-Dashboard: Wie akut die Situation in den untersuchten Wohnräumen ist, lässt sich in Echtzeit mitverfolgen: Die Messdaten können unter  dem "HITZE-Dashboard" über den Sommer hinweg live abgerufen werden. Die Sensoren der BOKU erfassen dabei kontinuierlich sowohl die Innenraumtemperatur als auch die Luftfeuchtigkeit, um die oft unsichtbare Belastung hinter verschlossenen Türen greifbar zu machen.
 
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Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Samstag, 12. September 2026, 70.128 Artikel Online

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