Leuchtturmprojekt für die Energiewende: Größte Agri-PV-Anlage Süddeutschlands in Betrieb
In Zeiten steigender Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten und wachsender Belastungen für die Landwirtschaft rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie kann die Energiewende gelingen, ohne neue Flächenkonflikte zu schaffen? Eine mögliche Antwort liefert ein neues Großprojekt im bayerischen Oberndorf am Lech.
Dort wurde nun die größte Agri-Photovoltaik-Anlage Süddeutschlands offiziell in Betrieb genommen. Auf rund 28 Hektar erzeugt die Anlage mit einer Leistung von etwa 17 Megawatt Strom für rund 5.000 Haushalte – und ermöglicht gleichzeitig weiterhin eine intensive landwirtschaftliche Nutzung der Fläche. Etwa 90 Prozent des Areals bleiben für den Anbau nutzbar.
Entwickelt wurde das Projekt vom Münchner Startup Feldwerke, das auf die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen setzt: Energieproduktion und Landwirtschaft sollen nicht länger in Konkurrenz stehen, sondern sich ergänzen. Moderne Tracking-Systeme richten die Solarmodule im Tagesverlauf nach der Sonne aus und steigern so die Effizienz, während großzügige Abstände zwischen den Reihen die Bewirtschaftung erleichtern.
Bemerkenswert ist auch die schnelle Umsetzung: Vom Projektstart bis zur Fertigstellung verging nur rund ein Jahr, das Genehmigungsverfahren dauerte lediglich sechs Monate – deutlich kürzer als bei herkömmlichen Freiflächenanlagen. Ein Grund dafür ist die hohe Akzeptanz vor Ort, da keine zusätzlichen Ausgleichsflächen benötigt wurden.
Auch politisch wird das Projekt als richtungsweisend bewertet. Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Energiewirtschaft würdigten die Anlage als Modell für eine nachhaltige Energiezukunft. Bayerns Wirtschaftsminister betonte die Vorteile der Agri-PV: Neben Stromproduktion und landwirtschaftlicher Nutzung entstünden auch neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Das Projekt in Oberndorf zeigt exemplarisch, wie sich erneuerbare Energien schneller ausbauen lassen, wenn sie im Einklang mit bestehenden Nutzungen gedacht werden. Agri-PV könnte damit zu einem zentralen Baustein der europäischen Energiezukunft werden – effizient, akzeptiert und nachhaltig zugleich.