Klimawandel raubt uns den Schlaf
- In Städten des Nahen Ostens wurden zwischen 2020 und 2025 die höchsten durch den Klimawandel bedingten Schlafstörungen verzeichnet.
- In fast allen untersuchten Städten hat sich der durch den Klimawandel bedingte Schlafverlust aufgrund von Temperaturschwankungen seit den frühen 1970er Jahren mindestens verdoppelt.
- Klimaanlagen können dazu beitragen, Menschen vor heißen Nächten zu schützen, aber der Zugang zu Kühlung ist oft an das Einkommen gekoppelt, und hohe Temperaturen können den Schlaf auch dann beeinträchtigen, wenn Kühlung verfügbar ist.
Nicht nur die Hitze am Tag macht dem Körper zu schaffen. Auch zunehmend warme Nächte beeinträchtigen die Gesundheit, denn der Körper ist im Schlaf auf ausreichende Abkühlung angewiesen. Steigende Nachttemperaturen führen laut einer aktuellen Analyse von Climate Central zu kürzerem und weniger erholsamem Schlaf.
Weltweit verlor der Durchschnittsmensch zwischen 2020 und 2025 jährlich fast 56 Stunden Schlaf aufgrund nächtlicher Hitze. Rund sechs Stunden davon, das sind mehr als zehn Prozent, werden dem durch den Menschen verursachten Klimawandel zugerechnet. Das entspricht insgesamt fast sieben Nächten Schlafverlust pro Jahr, davon etwa eine Nacht allein aufgrund der klimabedingten Erwärmung.
Besonders stark betroffen sind Städte im Nahen Osten. In Saudi-Arabien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten verloren Menschen jährlich schätzungsweise 55 bis 87 Stunden Schlaf durch hohe Nachttemperaturen. Bis zu 16 Stunden davon gingen auf den Klimawandel zurück. Auch in Teilen Südasiens, Südostasiens und Westafrikas ist die Belastung besonders hoch.
Die Entwicklung zeigt einen klaren Trend: Seit den frühen 1970er-Jahren hat sich der klimabedingte Anteil am temperaturbedingten Schlafverlust weltweit ungefähr verdoppelt. In fast allen untersuchten Städten trägt der Klimawandel heute stärker zu Schlafproblemen durch Hitze bei als vor rund 50 Jahren.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Frauen und Personen in ärmeren Ländern mit begrenztem Zugang zu Kühlung. Auch Menschen, die bereits in heißen Regionen leben, sind stärker betroffen. Klimaanlagen können zwar helfen, sind weltweit aber längst nicht für alle Haushalte verfügbar.
Die Folgen von Schlafmangel reichen weit über Müdigkeit hinaus. Zu wenig und schlechter Schlaf kann Stimmung, Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und steht mit gesundheitlichen Problemen unter anderem des Herz-Kreislauf- und Immunsystems in Verbindung.
Mit weiter steigenden Temperaturen könnte daher auch die Nacht zu einem immer größeren Gesundheitsrisiko werden. Der Klimawandel nimmt den Menschen nicht nur die kühlen Tage - sondern zunehmend auch die erholsamen Nächte.