Klimaschutz wirkt am besten im Paket
Klimaschutz braucht keinen einzelnen Königsweg, sondern ein klug abgestimmtes Maßnahmenbündel. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die Klimapolitik in 40 Ländern über mehr als drei Jahrzehnte untersucht hat. Die Forschung wurde von einem Team der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Barcelona, Lausanne und Oslo durchgeführt und kürzlich in der Fachzeitschrift Climate Policy veröffentlicht.
Analysiert wurden politische Klimaschutzmaßnahmen zwischen 1990 und 2022 – insgesamt 1.737 einzelne Regelungen. Mithilfe einer neu entwickelten statistischen Methode konnten die Forschenden erstmals systematisch bewerten, wie wirksam unterschiedliche Instrumente im Zusammenspiel sind. Das zentrale Ergebnis: Länder erzielen deutlich bessere Effekte beim Senken von Treibhausgasemissionen, wenn sie verschiedene Maßnahmen langfristig kombinieren, statt auf isolierte Einzelinstrumente zu setzen.
„Regierungen haben ihre klimapolitischen Anstrengungen in den letzten Jahren stark ausgeweitet“, erklärt Studienautor Professor Christoph Knill, Leiter des Lehrstuhls für Empirische Theorien der Politik an der LMU. „Doch je mehr Instrumente parallel eingesetzt werden, desto schwieriger wird es, den Effekt einzelner Maßnahmen eindeutig zu bestimmen.“ Genau hier setzt die Studie an: Ziel war eine länderspezifische Bewertung, die zeigt, welche Strategien unter realen politischen Bedingungen tatsächlich wirken.
Die neue Methodik erlaubt es, mehrere Parameter gleichzeitig zu berücksichtigen und nur solche Maßnahmen einzubeziehen, für die eine ausreichende empirische Evidenz vorliegt. Auf diese Weise konnten Verzerrungen vermieden werden, die frühere Studien oft begleiteten.
Besonders erfolgreich schneiden Länder ab, die über Jahre hinweg auf ein breites Instrumentarium gesetzt haben. Schweden und Norwegen gelten in der Studie als Beispiele für wirksamen Klimaschutz: Beide Länder kombinieren CO₂-Bepreisung, steuerliche Anreize, Investitionen in erneuerbare Energien sowie eine aktive Forschungs- und Innovationspolitik – und das über lange Zeiträume hinweg.
„Effektiver Klimaschutz hängt nicht davon ab, eine einzige optimale Maßnahme zu finden“, so Knill. „Er entsteht dann, wenn verschiedene Instrumente gut aufeinander abgestimmt und konsequent umgesetzt werden.“
Über Länder- und Zeitgrenzen hinweg erwiesen sich einige Instrumente als besonders effektiv – vor allem im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen:
CO₂-Bepreisung
Mineralöl- und Energiesteuern
staatliche Investitionen in erneuerbare Energien
Förderung wissenschaftlicher Klimaforschung
Die Studie zeigt außerdem, dass Länder wie Australien, Kanada oder Japan ihre Emissionen deutlich senken könnten, wenn sie bestehende Instrumente – etwa die Mineralölsteuer – konsequenter nutzen oder ausbauen würden.
Die Autorinnen und Autoren sehen ihre Ergebnisse vor allem als praktische Entscheidungshilfe für Politik und Verwaltung. Anstatt internationale „Best Practices“ unkritisch zu übernehmen, könnten Regierungen gezielt jene Maßnahmen identifizieren, die im eigenen nationalen Kontext die größte Wirkung entfalten.
Darüber hinaus lässt sich das neu entwickelte statistische Modell auch auf andere dynamische Politikfelder anwenden – etwa in der Energie-, Gesundheits- oder Technologiepolitik –, um die Wirksamkeit staatlicher Regelungen systematisch zu überprüfen.
Publikation:
Xavier Fernández-i-Marín, Markus Hinterleitner, Christoph Knill, Yves Steinebach:
Effective Climate Policies for "All Seasons": Novel Evidence from 40 Countries,
Climate Policy, 2026
DOI: 10.1080/14693062.2025.2598684