„Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“
Die doppelte Bedrohung: Klima und Gesundheit
Schon der Ort seiner Rede verdeutlichte Stiells Anliegen. In Belém, umgeben von einem der wichtigsten Ökosysteme der Erde, den Amazonswäldern, werde unmittelbar erfahrbar, wie eng die Gesundheit des Planeten und die der Menschen verflochten sind. Extreme Wetterereignisse, zunehmende Hitze und der Verlust natürlicher Ressourcen bedrohten nicht nur Lebensgrundlagen, sondern führten bereits heute zu gravierenden gesundheitlichen Folgen, so Stiell.
Der jüngste Lancet Countdown Report zeigt eine alarmierende Entwicklung: hitzebedingte Todesfälle sind seit den 1990er-Jahren um 23 Prozent gestiegen – mehr als eine halbe Million Menschen sterben jährlich an den Folgen extremer Temperaturen. Besonders gefährdet seien Kleinkinder, ältere Menschen und chronisch Kranke.
„Diese Zahlen sind nicht abstrakt“, betonte Stiell. „Es sind Familien, Nachbarn und ganze Zukunftsperspektiven, die schon heute den Preis der globalen Erwärmung zahlen.“
Stiell erinnerte daran, dass jede Maßnahme zur Emissionsreduktion oder zum Schutz von Ökosystemen zugleich ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit sei: saubere Luft, sauberes Wasser, nachhaltige Ernährungssysteme und widerstandsfähige Infrastruktur führten zu gesünderen Gemeinschaften - und damit zu einem dreifachen Gewinn für Gesundheit, Wirtschaft und Klima.
Im Rahmen des Pariser Abkommens haben sich die Staaten verpflichtet, klimabedingte Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Der jüngste Synthesebericht des UN-Klimasekretariats für 2025 zeigt immerhin Fortschritte: Über 90 Prozent der nationalen Klimapläne berücksichtigen mittlerweile gesundheitliche Aspekte, und alle seit 2024 eingereichten Anpassungspläne gehen explizit auf Gesundheitsrisiken ein.
Doch trotz dieser Entwicklung seien die Herausforderungen enorm. In vielen Ländern fehlten robuste Gesundheitssysteme, geschultes Personal und widerstandsfähige Infrastruktur. Naturkatastrophen verwüsteten immer wieder Krankenhäuser und Gesundheitsstationen.
Einen wichtigen Schritt sieht Stiell im neuen Belém-Gesundheitsaktionsplan, der von der brasilianischen Regierung gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation vorgestellt wurde. Er verknüpft Anpassungsstrategien, Gleichstellung und Klimagerechtigkeit und schafft damit eine umfassende Grundlage für widerstandsfähige Gesundheitssysteme.
Nun gehe es darum, diesen Fahrplan mit Leben zu füllen: „Was wir brauchen, sind nachhaltige, koordinierte und ausreichend finanzierte Maßnahmen“, so Stiell.
Partnerschaften seien „der entscheidende Hebel“, um die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels abzufedern. Auf der COP30 wurde eine neue Koalition aus Klima- und Gesundheitsorganisationen vorgestellt, die 300 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellt, um Maßnahmen an den besonders betroffenen Orten zu beschleunigen.
Auch das UN-Klimasekretariat selbst setzt auf Kooperationen. Eine neue dreijährige Zusammenarbeit mit dem Wellcome Trust soll sicherstellen, dass wissenschaftlich fundierte Gesundheitsdaten konsequent in die Klimapolitik einfließen – etwa zu den Themen Hitze, Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten, psychische Belastungen und Ernährungsunsicherheit.
Zum Abschluss seiner Rede machte Stiell unmissverständlich klar, worauf es in den kommenden Jahren ankommt: Die Menschheit werde den Kampf gegen den Klimawandel nur gewinnen, wenn Klimaschutzmaßnahmen konsequent mit den alltäglichen Lebensrealitäten der Menschen verknüpft werden.
„Es gibt kaum eine höhere Priorität als unsere Gesundheit“, sagte Stiell. „Darum ist die Arbeit an der Schnittstelle von Klima und Gesundheit so entscheidend.“