Klimaschutz als Erfolgsfaktor in unsicheren Zeiten: Warum sich nachhaltiges Wirtschaften gerade jetzt auszahlt
European Climate Pact Roundtable zeigt konkrete Erfolgsbeispiele aus der Praxis
Angesichts des eskalierenden Konflikts in Nahost, volatiler Energiepreise, und wachsender regulatorischer Anforderungen gewinnt Klimaschutz noch mehr an wirtschaftlicher Relevanz. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit zu treffen und erkennen dabei: Klimaschutz ist nicht nur eine ökologische Verantwortung, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit.
Zu diesem Befund kamen Expertinnen und Experten beim Roundtable des European Climate Pact in Wien zum Thema „Klimaschutz als Erfolgsfaktor“.
„Klimaschutz wird noch immer zu oft als Kostenfaktor gesehen. Dabei ist er in Wahrheit eine Investition in wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit“, sagte Elke Kastner, Geschäftsführerin von Klimabündnis Österreich und Climate Pact Ambassador, in ihrer Einführung. Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, den vermeintlichen Gegensatz zwischen Wirtschaft und Klimaschutz anhand konkreter Beispiele aus der Praxis aufzulösen. „Und wir müssen den Fokus wieder stärker auf dieses zentrale Zukunftsthema lenken.“
Dass Nicht-Handeln die deutlich teurere Option ist, betonte Christiane Brunner, Vorständin von CEOs for Future und Unternehmerin, in ihrer Keynote. „Es gibt nichts Unwirtschaftlicheres als Nicht-Klimaschutz“, so Brunner. Klimaschutz sei längst keine freiwillige Zusatzmaßnahme mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Unternehmen seien vielerorts bereit zu investieren, entscheidend seien jedoch verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen. „Die Frage ist längst nicht mehr, ob Unternehmen investieren müssen, sondern ob die Rahmenbedingungen so verlässlich sind, dass sie in Österreich investieren“, sagte Brunner.
Wie konkret sich Klimaschutz in der Praxis rechnet, zeigte Ulrike Rabmer-Koller, Unternehmerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Rabmer Gruppe, Initiatorin von „Energie & Wasser sparen jetzt" sowie Climate Pact Ambassador. Durch einfache Maßnahmen und eine genaue Analyse der eigenen Verbräuche – mit beratender Unterstützung des Klimabündnis – habe ihr Unternehmen den Energieverbrauch um 30 Prozent reduziert und zusätzlich auf Photovoltaik gesetzt. Auch der frühzeitige Ausstieg aus Gas habe sich im Rückblick klar bezahlt gemacht. „Energieeffizienz ist für Unternehmen der naheliegendste Einstieg: Sie ist rasch umsetzbar, spart Kosten und macht unabhängiger“, sagte Rabmer-Koller. Investitionen dürften nicht nur nach der aktuellen Marktsituation bewertet werden, sondern müssten langfristig gedacht werden, das seit gerade in Zeiten volatiler Energiepreise und geopolitischer Unsicherheit unabdingbar.
Einen weiteren zentralen Hebel sieht Rabmer-Koller im Warmwassersparen, etwa in Hotels, Wohnbauten oder öffentlichen Einrichtungen. Gerade dort ließen sich mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz rasch Betriebskosten, Energieverbrauch und Wasserverbrauch reduzieren. Klimaschutz sei daher vielfach nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch betriebswirtschaftlich unmittelbar nachvollziehbar.
Dass Dekarbonisierung längst Teil wirtschaftlicher Realität ist, unterstrich Vera Matisovits, CEO und Gründerin des Climate-Tech-Unternehmens GLOBEZERO.AI, das eine Entscheidungsplattform für die Dekarbonisierung industrieller Produkte entwickelt, sowie ebenfalls Climate Pact Ambassador. Gerade in Industrie und Lieferketten gehe es nicht mehr um symbolische Einzelmaßnahmen, sondern um harte Standort- und Marktfaktoren. „Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft sind längst Teil der wirtschaftlichen Realität – nicht wegen Symbolik, sondern wegen Märkten, Lieferketten und Regulierung“, sagte Matisovits. Unternehmen müssten heute „fundierte Entscheidungen treffen, um morgen wettbewerbsfähig zu bleiben“. Der europäische Green Deal sei in seinem Kern daher auch als wirtschafts- und industriepolitisches Programm zu verstehen.
Wie Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Lebensqualität zusammenwirken können, zeigte Heinz Fuchsig, Umweltmediziner, Mitglied im Club of Rome, stellvertretender Obmann von Health for Future und Climate Pact Ambassador, anhand eines langjährig sanierten Wohnprojekts in Innsbruck. „Gebäude sind ein zentraler Hebel für Klimaschutz – und zugleich für geringere Betriebskosten, mehr Lebensqualität und langfristige Versorgungssicherheit“, so Fuchsig. Sein Beispiel machte deutlich, dass Investitionen in Sanierung, Wärmepumpe und gemeinschaftliche Nutzung nicht nur Emissionen senken, sondern auch soziale und wirtschaftliche Resilienz stärken. „Aktuell erfolgt die Energiegewinnung noch über rund 30 Jahre alte thermische Kollektoren, mit deren Erneuerung ist jedoch der nächste Schritt geplant: der Umstieg auf Photovoltaik bzw. PVT-Systeme.“
Ein weiterer roter Faden der Diskussion war die Bedeutung von Planungssicherheit. Die Runde verwies darauf, dass Unternehmen und Investoren klare, verlässliche Rahmenbedingungen benötigen, um langfristige Entscheidungen treffen zu können. Rückzieher oder Unsicherheit bei Zielsetzungen bremsen Investitionen – selbst dort, wo Lösungen längst vorhanden sind.
Der Roundtable des European Climate Pact machte damit deutlich: Klimaschutz ist kein abstraktes Zukunftsthema, sondern gerade vor dem Hintergrund aktueller Krisen eine unmittelbare wirtschaftliche Notwendigkeit: für Unternehmen, für den Gebäudesektor, für Innovation und für den Wirtschaftsstandort Europa. Der Iran-Konflikt würde uns gerade in Echtzeit die – nach wie vor – große Abhängigkeit von Öl und Gas vor Augen führen. Das erhöht den Handlungsdruck für Unternehmen und Politik gleichermaßen. Wer frühzeitig investiert, profitiert durch geringere laufende Kosten, geringere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, mehr Resilienz und bessere Zukunftschancen im Wettbewerb.