Kernbrennstoff aus Lingen: Deutschland genehmigt Produktion mit russischer Rosatom-Technologie
Trotz des Krieges in der Ukraine und der politischen Bemühungen, Europas Abhängigkeit von Russland zu reduzieren, darf im niedersächsischen Lingen künftig Kernbrennstoff für russische Reaktoren hergestellt werden. Die Genehmigung sorgt für heftige Kritik, auch weil EU-Sanktionen gegen die russische Atomindustrie bislang fehlen.
Die deutschen Behörden haben grünes Licht für die umstrittene Erweiterung der Kernbrennstoffproduktion im niedersächsischen Lingen gegeben. Die zum französischen Konzern Framatome gehörende Tochtergesellschaft Advanced Nuclear Fuels (ANF) darf künftig Brennelemente für Reaktoren des russischen Typs WWER (VVER) herstellen. Zum Einsatz kommen dabei Lizenzen, Know-how und Komponenten des russischen Staatskonzerns Rosatom beziehungsweise dessen Tochter TVEL.
Die Genehmigung stößt angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf heftige Kritik. Das niedersächsische Umweltministerium und das deutsche Bundesumweltministerium räumen zwar politische und sicherheitspolitische Bedenken gegen die Kooperation mit Russland ein. Rechtlich habe es jedoch keine ausreichende Grundlage gegeben, die Genehmigung zu verweigern, sofern alle technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen erfüllt seien.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer bezeichnete die Entscheidung als politisch falsch, aber rechtlich nicht vermeidbar. Ihm seien die Hände gebunden. Das Bundesumweltministerium sieht vor allem die EU in der Verantwortung: Nur europaweite Sanktionen gegen die russische Atomindustrie könnten vergleichbare Projekte künftig verhindern. Dafür fehlt innerhalb der EU allerdings weiterhin die notwendige Mehrheit.
Strenge Sicherheitsauflagen
Für die Produktion gelten umfangreiche Sicherheitsvorgaben. Mitarbeiter von Rosatom und TVEL sollen das Werk in Lingen grundsätzlich nicht betreten dürfen. Aus Russland gelieferte Maschinen, Hardware und Komponenten müssen unabhängig auf mögliche Sicherheitsrisiken überprüft werden. Außerdem soll die russische Technologie vollständig von den übrigen Produktions- und IT-Systemen des Werks getrennt werden. Damit sollen unter anderem Spionage, Sabotage und Cyberangriffe verhindert werden.
Framatome argumentiert hingegen, die Produktion in Deutschland sei ein notwendiger Schritt, um die Abhängigkeit europäischer Atomkraftwerke von direkten Brennstofflieferungen aus Russland zu verringern. Mehrere Länder mit WWER-Reaktoren, darunter Tschechien, die Slowakei und Bulgarien, suchen nach Alternativen zu russischen Brennelementen. Die Produktion in Lingen soll dabei als Übergangslösung dienen, bis unabhängige europäische oder US-amerikanische Brennstoffalternativen vollständig entwickelt und zugelassen sind.
Kritiker halten dem entgegen, dass die Kooperation mit Rosatom die Abhängigkeit von Russland nicht beendet, sondern technologisch fortschreibt. Außerdem könne die Zusammenarbeit dem russischen Staatskonzern weiterhin Einnahmen und Einfluss sichern.
Die Debatte zeigt damit ein grundlegendes Dilemma der europäischen Atomenergie: Während Europa seine Energieabhängigkeit von Russland reduzieren will, bleibt die Atomindustrie in Teilen weiterhin auf russisches Know-how und Technologien angewiesen - und Sanktionen gibt es hier nicht.
Die deutschen Behörden haben grünes Licht für die umstrittene Erweiterung der Kernbrennstoffproduktion im niedersächsischen Lingen gegeben. Die zum französischen Konzern Framatome gehörende Tochtergesellschaft Advanced Nuclear Fuels (ANF) darf künftig Brennelemente für Reaktoren des russischen Typs WWER (VVER) herstellen. Zum Einsatz kommen dabei Lizenzen, Know-how und Komponenten des russischen Staatskonzerns Rosatom beziehungsweise dessen Tochter TVEL.
Die Genehmigung stößt angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf heftige Kritik. Das niedersächsische Umweltministerium und das deutsche Bundesumweltministerium räumen zwar politische und sicherheitspolitische Bedenken gegen die Kooperation mit Russland ein. Rechtlich habe es jedoch keine ausreichende Grundlage gegeben, die Genehmigung zu verweigern, sofern alle technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen erfüllt seien.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer bezeichnete die Entscheidung als politisch falsch, aber rechtlich nicht vermeidbar. Ihm seien die Hände gebunden. Das Bundesumweltministerium sieht vor allem die EU in der Verantwortung: Nur europaweite Sanktionen gegen die russische Atomindustrie könnten vergleichbare Projekte künftig verhindern. Dafür fehlt innerhalb der EU allerdings weiterhin die notwendige Mehrheit.
Strenge Sicherheitsauflagen
Für die Produktion gelten umfangreiche Sicherheitsvorgaben. Mitarbeiter von Rosatom und TVEL sollen das Werk in Lingen grundsätzlich nicht betreten dürfen. Aus Russland gelieferte Maschinen, Hardware und Komponenten müssen unabhängig auf mögliche Sicherheitsrisiken überprüft werden. Außerdem soll die russische Technologie vollständig von den übrigen Produktions- und IT-Systemen des Werks getrennt werden. Damit sollen unter anderem Spionage, Sabotage und Cyberangriffe verhindert werden.
Framatome argumentiert hingegen, die Produktion in Deutschland sei ein notwendiger Schritt, um die Abhängigkeit europäischer Atomkraftwerke von direkten Brennstofflieferungen aus Russland zu verringern. Mehrere Länder mit WWER-Reaktoren, darunter Tschechien, die Slowakei und Bulgarien, suchen nach Alternativen zu russischen Brennelementen. Die Produktion in Lingen soll dabei als Übergangslösung dienen, bis unabhängige europäische oder US-amerikanische Brennstoffalternativen vollständig entwickelt und zugelassen sind.
Kritiker halten dem entgegen, dass die Kooperation mit Rosatom die Abhängigkeit von Russland nicht beendet, sondern technologisch fortschreibt. Außerdem könne die Zusammenarbeit dem russischen Staatskonzern weiterhin Einnahmen und Einfluss sichern.
Die Debatte zeigt damit ein grundlegendes Dilemma der europäischen Atomenergie: Während Europa seine Energieabhängigkeit von Russland reduzieren will, bleibt die Atomindustrie in Teilen weiterhin auf russisches Know-how und Technologien angewiesen - und Sanktionen gibt es hier nicht.