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Industrieabwärme könnte fast ein Drittel großer deutscher Wärmenetze versorgen

28.09.2026

Untersuchung von Danfoss zeigt immenses Potenzial: Rund um 178 große Fernwärmenetze fallen große Mengen bereits erzeugter Wärme an. Genutzt wird davon nur ein Teil. Drei Wege könnten helfen, fossile Energieträger in der Wärmeversorgung zu ersetzen.

DanfossWärmetauscher.jpg
Wärmetauscher erschließen Abwärme für die weitere Nutzung © Danfoss
Nordborg/Dänemark  - In deutschen Industrieanlagen, Rechenzentren, Supermärkten und anderen Betrieben entsteht laufend Wärme, die vielfach ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Eine neue Analyse von Danfoss zeigt, wie groß das Potenzial insbesondere für die Fernwärme sein könnte: Die erfasste industrielle Abwärme im Umfeld von 178 großen deutschen Wärmenetzen entspricht rechnerisch 30,4 Prozent ihres gemeinsamen jährlichen Wärmebedarfs.

Für die Untersuchung wurden Wärmenetze in allen 16 Bundesländern Deutschlands betrachtet. Die 178 Netze versorgen zusammen rund 4,6 Millionen Haushalte. Berücksichtigt wurden industrielle Abwärmequellen, die höchstens einen Kilometer von einem der untersuchten Wärmenetze entfernt liegen.
 

Die Zahl von 30,4 Prozent beschreibt allerdings kein tatsächlich nutzbares Wärmepotenzial. Sie zeigt, wie viel registrierte Abwärme räumlich in der Nähe der untersuchten Wärmenetze vorhanden ist. Ob diese Wärme tatsächlich genutzt werden kann, hängt unter anderem von Temperatur, zeitlicher Verfügbarkeit, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit ab.
 

Relevant für die Wärmewende

Die Größenordnung ist auch mit Blick auf die gesetzlichen Anforderungen ab 2030 interessant. Dann müssen Wärmenetze mindestens 30 Prozent ihrer jährlichen Nettowärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien, unvermeidbarer Abwärme oder einer Kombination aus beidem beziehen.
 

Die Analyse zeigt damit mögliche Ansatzpunkte für die Wärmewende. Sie belegt jedoch nicht, dass die untersuchten Wärmenetze ihre gesetzlichen Vorgaben allein mit der erfassten Industrieabwärme erfüllen könnten.
 

„Deutschland hat mit seinem Abwärmeregister die nötige Transparenz geschaffen. Unsere Analyse zeigt, dass rund um große Wärmenetze erhebliche Mengen ungenutzter Wärme anfallen“, sagt Andrea Voigt, Vizepräsidentin für Public & Industry Affairs und ESG bei Danfoss Climate Solutions. Nun müsse es darum gehen, aus diesen Potenzialen konkrete Projekte zu entwickeln.
 

Drei Wege für die Nutzung

Danfoss identifiziert drei zentrale Möglichkeiten, Abwärme sinnvoll einzusetzen:

1. Nutzung direkt im Unternehmen:
Abwärme kann dort eingesetzt werden, wo sie entsteht – etwa für Warmwasser, Raumwärme oder weitere Produktionsprozesse. In einer Brauerei könnte beispielsweise Wärme aus Kühlprozessen für Reinigungsprozesse oder andere Produktionsschritte genutzt werden.

2. Versorgung benachbarter Gebäude:
Wird die Wärme am Entstehungsort nicht vollständig benötigt, kann sie an benachbarte Betriebe oder Gebäude geliefert werden. Ein Beispiel sind Rechenzentren, deren Abwärme über lokale Energienetze für Wohngebäude, Gewerbebetriebe oder Pflegeeinrichtungen genutzt werden könnte.

3. Einspeisung in Wärmenetze:
Befinden sich Industrie und Fernwärmenetz nahe beieinander, kann industrielle Abwärme direkt einen Teil der Wärmeerzeugung ersetzen. Ist das Temperaturniveau zu niedrig, können Wärmepumpen die Abwärme auf das benötigte Niveau anheben.

 

Rechenzentren könnten Potenzial noch vergrößern

In der Analyse sind zudem wichtige Wärmequellen noch nicht vollständig enthalten. So wurde die Abwärme von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nicht berücksichtigt. Auch die Wärme aus Rechenzentren ist in den verwendeten Registerdaten bislang nicht vollständig erfasst.

Das könnte künftig relevant werden: Deutschland verfügt über mehr als 3.000 Rechenzentren und damit über eine große Zahl potenzieller Niedertemperatur-Wärmequellen.
 

Weltweit geht laut Danfoss ein erheblicher Teil der eingesetzten Energie letztlich als Wärme verloren. Die Wiederverwendung bereits erzeugter Wärme könnte daher gleichzeitig Energieverbrauch, fossile Brennstoffe und CO₂-Emissionen reduzieren.
 

Vom Register zum konkreten Projekt

Die Analyse macht vor allem sichtbar, wo genauer hingeschaut werden sollte. Danfoss hat dafür die Daten des öffentlichen deutschen Abwärmeregisters mit den Standorten und dem Wärmebedarf großer Fernwärmenetze abgeglichen.

Für die konkrete Umsetzung sind anschließend detaillierte Untersuchungen notwendig. Entscheidend sind unter anderem die Entfernung zwischen Wärmequelle und Abnehmer, das Temperaturniveau, die zeitliche Verfügbarkeit der Abwärme sowie die Kosten für Wärmepumpen, Leitungen und Übergabestationen.

Andrea Voigt sieht deshalb auch die kommunale Wärmeplanung und die Entwicklung neuer Industrie- und Energiestandorte in der Pflicht: Abwärme müsse bereits bei der Planung systematisch berücksichtigt werden.
 

Die Analyse zeigt  vor allem eines: Ein Teil der benötigten Wärme ist bereits vorhanden.  Sie muss gar nicht  neu erzeugt werden. Die Herausforderung ist nun, diese bisher vielfach ungenutzte Energie technisch, wirtschaftlich und organisatorisch dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.



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