Hundertwassers Schiff „Regentag“ öffnet wieder seine Türen
Das Schiff „Regentag“ des Künstlers Friedensreich Hundertwasser wird im Gästehafen Tulln erstmals nach umfassender Sanierung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Am 11.Juli von 14.00 bis 17.00 Uhr haben Besucherinnen und Besucher die seltene Gelegenheit, das außergewöhnliche Wasserfahrzeug in Kleingruppen mit maximal fünf Personen zu besichtigen. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl empfiehlt die Stadtgemeinde Tulln am besten Online-Tickets im Vorfeld zu kaufen.
Die „Regentag“ war weit mehr als nur ein Schiff. Für Friedensreich Hundertwasser war sie über zehn Jahre lang Wohnhaus, Atelier und Rückzugsort zugleich. Der Künstler hatte das 1910 gebaute Transportschiff, das ursprünglich den Namen „San Giuseppe T“ trug, Ende der 1960er-Jahre in Palermo gekauft und nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Der Name „Regentag“ war zugleich Hundertwassers dritter Künstlername – eine enge Verbindung zwischen Künstler und Schiff, die sich auch in zahlreichen seiner Werke widerspiegelt.
Schiffe faszinierten Hundertwasser schon seit seiner Kindheit. Motive wie Dampfer, Bullaugen oder Schornsteine tauchten immer wieder in seinen Gemälden auf. Mit der „Regentag“ verwirklichte er schließlich seine Vision eines bewohnbaren Kunstwerks.
Ein Kunstwerk auf ReisenNach sieben Jahren Umbau wurde das Schiff zu Hundertwassers ganz persönlicher Architektur- und Kunstvision. Es unternahm Reisen im Mittelmeer, in der Karibik und bis nach Neuseeland sowie in den Südpazifik. Teilweise steuerte Hundertwasser die „Regentag“ selbst, auf anderen Fahrten übernahmen erfahrene Kapitäne das Kommando.
2004 kehrte das Schiff per Frachtschiff nach Europa zurück und wurde anlässlich der Ausstellung „Hundertwasser. Kunst – Mensch – Natur“ nach Tulln gebracht, wo es bis heute seinen Liegeplatz hat. Das Schiff ist unter der Nummer 703 auch im offiziellen Werkverzeichnis des Künstlers verzeichnet.
Umfangreiche RestaurierungSeit 2015 steht die „Regentag“ unter Denkmalschutz. Zwischen 2018 und 2024 wurde sie im Auftrag der Hundertwasser Gemeinnützigen Privatstiftung umfassend restauriert. Dabei wurden die von Hundertwasser geschaffenen charakteristischen Umbauten sorgfältig erhalten. Der Künstler hatte das Schiff von ursprünglich zwölf auf über 16 Meter verlängert, Bug und Heck neu gestaltet, zwei Masten ergänzt und die Aufbauten bewusst asymmetrisch ausgeführt. Später erhielt der Rumpf eine Ummantelung aus Ferro-Zement sowie die für Hundertwasser typischen Fliesenverzierungen.
Mit der Wiedereröffnung der „Regentag“ bietet sich Kunstinteressierten die seltene Gelegenheit, ein einzigartiges Gesamtkunstwerk zu entdecken – jenes Schiff, das Friedensreich Hundertwasser einst selbst als sein „Herz und seine Seele“ bezeichnete.