Historisches Rittergut wird zum Vorbild für nachhaltiges Wohnen
Historische Gebäude und Klimaschutz müssen kein Widerspruch sein. Das soll ein Sanierungsprojekt im sachsen-anhaltischen Gröningen beweisen. Das seit den 1990er-Jahren leerstehende Rittergut Edelhof wird umfassend modernisiert und soll künftig wieder Wohnraum bieten.
Dabei geht es nicht nur darum, ein historisches Gebäude zu erhalten. Das Projekt soll vielmehr zeigen, wie Denkmalschutz, erneuerbare Energie, niedrige Betriebskosten und modernes Wohnen miteinander verbunden werden können.
„Es ist ein Symbol dafür, dass die DBU in Sachsen-Anhalt und anderswo lebenswerte Innenstädte fördern will“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Gerade die Sanierung historischer Gebäude biete die Chance, Innenstädte aufzuwerten und gleichzeitig klimafreundlichen und leistbaren Wohnraum zu schaffen.
Heizen mit Sonne und Eis
Besonders innovativ ist das geplante Wärmekonzept. Im Rittergut soll einer der ersten Wasser-Eisspeicher in einem historischen Gebäude in Deutschland zum Einsatz kommen.
Das Prinzip: Eine Wärmepumpe entzieht dem Wasser Energie, bis es gefriert. Die dabei gewonnene Wärme wird zum Heizen des Gebäudes genutzt. Ergänzt wird der Eisspeicher durch ein Wärmeversorgungssystem im Dach, das bei Plusgraden Umweltwärme nutzt.
Nach Angaben des wissenschaftlichen Projektleiters Prof. Harald Garrecht kann das Zusammenspiel der beiden Systeme den Energiebedarf für die Beheizung um bis zu 50 Prozent reduzieren.
Auch bei der Gebäudehülle kommt eine innovative Lösung zum Einsatz. Ein neu entwickelter Dämmputz aus Lehm und Aerogel soll die Wärmeverluste deutlich reduzieren. Die nur drei bis vier Zentimeter starke Dämmschicht kann laut Projektangaben die abgegebene Wärme ebenfalls um bis zu 50 Prozent verringern.
Photovoltaik, die wie ein historisches Dach aussieht
Auch Strom soll künftig direkt am Rittergut erzeugt werden. Photovoltaik wird dabei in die historischen Dachflächen integriert. Zum Einsatz kommen speziell entwickelte PV-Dachsteine, die optisch kaum von herkömmlichen Dachziegeln zu unterscheiden sind.
Damit soll das historische Erscheinungsbild erhalten bleiben, während gleichzeitig erneuerbarer Strom erzeugt wird. In Sachsen-Anhalt kommen traditionell unter anderem sogenannte Linkskremper zum Einsatz – historische Tondachziegel mit einer charakteristischen Auswölbung.
Das Konzept verbindet damit zwei Ziele, die bei der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude häufig schwer zusammenzubringen sind: Der historische Charakter bleibt erhalten, gleichzeitig wird das Gebäude energetisch zukunftsfähig.
Nachhaltige Sanierung statt Neubau
Für die DBU ist das Projekt auch deshalb interessant, weil viele historische Gebäude in kleineren Städten leer stehen. Ihre Sanierung kann zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne neue Flächen für große Neubauprojekte zu verbrauchen.
„Günstiges, modernes Wohnen wertet die Stadtzentren auf und wird durch erneuerbare Energien und intelligente, nachhaltige Konzepte möglich“, erklärt Garrecht.
Gleichzeitig spart die Nutzung bestehender Bausubstanz Ressourcen, die bei einem Abriss und Neubau erforderlich wären. Damit kann die Sanierung auch einen Beitrag zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen des Bausektors leisten.
Modell für andere historische Gebäude
Das Projekt in Gröningen soll deshalb über das konkrete Gebäude hinaus Wirkung entfalten. Bis voraussichtlich April 2028 sollen die verschiedenen technischen und baulichen Lösungen entwickelt und erprobt werden. Anschließend soll daraus ein Leitfaden für die nachhaltige Sanierung historischer Gebäude, insbesondere in Kleinstädten, entstehen.
Unterstützt wird das Vorhaben unter anderem vom Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg sowie mehreren kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Für DBU-Referentin Constanze Fuhrmann zeigt das Projekt, dass Kultur- und Umweltschutz gemeinsam gedacht werden können. Energetische Sanierung müsse nicht zwangsläufig bedeuten, historische Bausubstanz und Erscheinungsbild aufzugeben.
Das Rittergut Edelhof könnte als Beispiel dafür werden, wie aus leerstehenden historischen Gebäuden wieder lebendige, energieeffiziente und leistbare Wohnorte entstehen und wie Klimaschutz gleichzeitig zur Belebung von Ortszentren beitragen kann.