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Heizen mit Öl: Klimaproblem wird zur Kostenfalle

07.10.2017

IWO Positionspapier täuscht WärmekundInnen

© 15299 / pixabay.com
© 15299 / pixabay.com
Mit dem "HEIZEN MIT ÖL - Positionspapier für die Nationalratswahl 2017" täuschen das IWO und die Fachverbände Mineralölindustrie und Energiehandel der Wirtschaftskammer Österreich die WärmekundInnen in Österreich mehrfach
Es ist ein gefährliches Spiel, das das IWO, das "Institut für Wärme und Oeltechnik" und die Fachverbände Mineralölindustrie und Energiehandel der Wirtschaftskammer Österreich in Zeiten von "alternativen Fakten" betreiben. In einem Positionspapier für die Nationalratswahl 2017 wird die Ölheizung als modernes, zukunftsfähiges Heizsystem dargestellt, das den heutigen und kommenden Klimaschutz- und Emissionsgesetzen entspricht. Bedauerlicherweise stimmen angeführte Zahlen, "Fakten", Annahmen und Quellen nicht.
So täuscht das Positionspapier des IWO und der Wirtschaftskammer Österreich die WärmekundInnen mehrfach:
* Es wird die "Entwicklung treibhausgasreduzierter Brennstoffe" propagiert, "die Heizungen langfristig eine klimaneutrale Perspektive" geben. In welchen Zeiträumen bzw. -epochen und mit welchen Heizsystemen das erfolgen soll, wird leider nicht genannt. * Sowohl bei den Schwefeldioxid- (SO2) als auch Kohlendioxid (CO2)-Emissionen sind die angeführten Werte im Vergleich der verschiedenen Heizvarianten Erdgas, Heizöl, Holz-Pellets, Fernwärme-Biomasse und Wärmepumpe teilweise um einen Faktor 1.000 bis 10.000 (zehntausend!) falsch dargestellt- natürlich zu Gunsten von Heizöl. * Auch die Quellenangaben variieren, je nach Ausgabe. So wird einmal als Quelle der Zahlen "UBA factsheet 2014" also das Umweltbundesamt angegeben, dann, bei einer ausgebesserten Version, nachdem das Umweltbundesamt die Zahlen als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet hat, der BMWFW-Energiebericht aus 2003, Anhang 3. * Wie da der Vergleich der Emissionsfaktoren von "modernen" Ölbrennwert-, Pellets- und Biomassekesseln stimmen kann, ist rätselhaft, außer man lässt die Entwicklung der letzten 14 Jahre außer Acht. * Wenn Ölheizungen im Positionspapier mit "praktisch keinen Feinstaub, CO und NOx geringer als bei anderen Energieformen" beworben werden, wird man unweigerlich an die irreführenden Angaben der Automobilindustrie zu CO2- und NOx-Emissionen von Dieselmotoren erinnert.
Das Heizen mit Öl wird in den nächsten Jahren in Österreich zum Auslaufmodell. Die KonsumentInnen sollten da nicht länger in die Irre geführt werden. Laut Österreichischer Energie Agentur, 2017, drehen die Ölimporte in Höhe von 3 bis 9 Milliarden EUR pro Jahr, seit 2002 die österreichische Handelsbilanz ins Negative, d.h. ohne Ölimporte hätten wir eine positive Handelsbilanz und höhere heimische Wertschöpfung. Das Land NÖ hat im Mai dieses Jahres in einem Landtagsbeschluss jedenfalls den Einbau von Ölheizungen im Neubau ab dem Jahr 2019 verboten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich andere Bundesländer dem Ölheizungsverbot im Neubau anschließen werden.
Die Vertreter der Erneuerbaren Wärmewende in Österreich fordern das IWO und die Wirtschaftskammer Österreich deshalb auf, falsche und irreführende Informationen bei den Emissionsfaktoren der verschiedenen Heizsystemen zu unterlassen. Gleichzeitig unterstützen sie die kommende Bundesregierung beim Abbau des "Heizölprivilegs", d.h. bei der schrittweisen Angleichung der Steuern auf Heizöl von 9,8 ct/l auf den technisch gleichwertigen Diesel mit derzeit 39,7 ct/l und den Austausch der derzeit noch bestehenden rd. 600.000 Ölheizungen durch heimische Solar-, Bio- und Umweltwärme bis 2030.
Heizen mit Öl wird aus Sicherheits-, Klimaschutz- und Emissionsreduktionsgründen in den nächsten Jahren schrittweise auslaufen müssen, und da ist jede Falschinformation besonders ärgerlich. Es ist bezeichnend, wenn der Leiter der umweltpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich, Stephan Schwarzer, angesprochen auf die derzeit laufende Klage beim Verfassungsgerichtshof von 26 Firmen aus der Ölbranche, die Ölheizungen weiterhin als Klimaschutzinstrument bewertet sehen wollen, sagt: "Wir vertreten alle Energieträger, wir bevorzugen weder Öl noch etwas anderes" (siehe "Altes Öl in neuen Kesseln", FALTER 39/17). - In Zeiten des menschgemachten Klimawandels sollte die Wirtschaftskammer allerdings nur mehr heimische, erneuerbare Energien und Energietechnologien vertreten, und nicht mehr fossile Ölhändler und Öllobbyisten.

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07.10.2017 | Autor*in: pawek
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