Greenpeace fordert Kurswechsel bei OMV unter neuer CEO Emma Delaney
Aus Sicht von Greenpeace zeigt sich die Problematik der fossilen Abhängigkeit derzeit besonders deutlich: Hohe und volatile Energiepreise treffen Haushalte und Unternehmen, während die Klimakrise mit zunehmenden Hitzewellen und Dürren immer spürbarer wird.
„Fossile Energiekonzerne haben ein Ablaufdatum. Je schneller Emma Delaney das erkennt und die OMV in eine nachhaltige Zukunft mit Fokus auf erneuerbare Energien lenkt, desto besser“, sagt Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace Österreich. Die neue OMV-Chefin müsse „die Zukunftsfähigkeit unserer Lebensgrundlage über fossile Kurzzeitgewinne stellen“.
Greenpeace fordert von Delaney unter anderem, die Erschließung weiterer Öl- und Gasfelder zu stoppen. Internationale Analysen, unter anderem von den Vereinten Nationen und der Internationalen Energieagentur (IEA), zeigen laut Greenpeace, dass die derzeit geplanten fossilen Projekte nicht mit einem Emissionspfad vereinbar sind, der die Erderhitzung auf möglichst 1,5 Grad Celsius begrenzt.
Neue Förderinfrastruktur birgt dabei ein langfristiges Problem: Investitionen in Öl und Gas können Anlagen und Geschäftsmodelle über Jahrzehnte festschreiben und damit den Umstieg auf klimafreundliche Energiesysteme erschweren.
Für Greenpeace sollte die OMV deshalb ihre Investitionen und ihre strategische Ausrichtung konsequent auf erneuerbare Energien konzentrieren.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Kunststoffgeschäft der OMV. Der Konzern hält 50 Prozent an Borouge International, einem großen Hersteller von Polyolefinen und weiteren Kunststoffprodukten.
Greenpeace sieht in der Ausweitung der Plastikproduktion keinen nachhaltigen Ausweg aus dem fossilen Geschäftsmodell. Die Herstellung von Kunststoffen verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen, gleichzeitig wächst weltweit die Belastung durch Plastikabfälle.
„Der Umstieg auf Plastikproduktion ist keine nachhaltige Alternative zu Öl und Gas“, kritisiert Duregger. Die OMV müsse das grundlegende Problem ihres Geschäftsmodells erkennen und stattdessen den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben.
Neben der strategischen Neuausrichtung des Konzerns fordert Greenpeace von der neuen OMV-Chefin auch Antworten auf die PFAS-Problematik rund um den OMV-Standort Schwechat. Bei den sogenannten PFAS handelt es sich um eine große Gruppe langlebiger per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen, die sich in der Umwelt nur sehr schwer abbauen und deshalb häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden.
Greenpeace verlangt vollständige Transparenz über bisherige Messungen und das Ausmaß möglicher Belastungen. Zudem fordert die Organisation unabhängige Untersuchungen in den betroffenen Gebieten.
„Es darf nicht von privaten Wasserproben und Zufallsfunden abhängen, ob Menschen erfahren, dass ihr Wasser mit Ewigkeitsgiften belastet ist“, sagt Duregger. Delaney müsse dafür sorgen, dass die PFAS-Belastung rund um die OMV lückenlos aufgeklärt werde. Die Bevölkerung in Mannswörth habe ein Recht darauf zu erfahren, welche Stoffe über Jahrzehnte in die Umwelt gelangt sein könnten.
Mit dem Führungswechsel steht die OMV aus Sicht von Greenpeace vor einer Richtungsentscheidung: Soll der Konzern sein fossiles und petrochemisches Geschäftsmodell weiterentwickeln – oder den Umbau hin zu erneuerbaren Energien beschleunigen? Greenpeace erwartet von der neuen CEO einen klaren Kurswechsel.