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Greenpeace-Berechnung: Grundwasserabgabe für Industrie könnte Staatshaushalt mehr als 30 Millionen Euro einbringen

30.08.2026

Konzerne zahlen nichts für Grundwasser, während jährlich 50 Millionen Euro Förderung für Trinkwassernetz fehlen - Greenpeace fordert Grundwasserabgabe von Bundesregierung

(c) Greenpeace   Mitja Kobal  Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei vor OMV (1) (1).jpg
Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei vor OMV © Greenpeace Mitja Kobal
Wien – Eine aktuelle Berechnung  der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt, dass eine Grundwasserabgabe für die Industrie in Anlehnung an Bayern mehr als 30 Millionen Euro jährlich einbringen würde. Bei einem Abgabensatz wie in Berlin wären es sogar über 100 Millionen Euro. Während die österreichische Industrie unser Grundwasser gratis für private Gewinne nutzt, ist eine Wasserabgabe in Frankreich und fast allen deutschen Bundesländern längst selbstverständlich. Greenpeace fordert von der Bundesregierung die Einführung einer Grundwasserabgabe für die Industrie, um die Finanzierungslücke beim Ausbau und Erhalt unseres Trinkwassernetzes endlich zu schließen.


Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace Österreich: “Die aktuelle Dürre führt uns allen drastisch vor Augen, wovor Fachleute seit langem warnen: Wir haben in Österreich immer öfter zu wenig Wasser und unsere Wasserversorgung kommt vermehrt an ihre Grenzen. Deswegen darf unser Grundwasser nicht länger ein Selbstbedienungsladen für die österreichische Industrie sein. Wer mit unserer gemeinsamen Ressource riesige Gewinne macht, muss sich auch an den Kosten für unser Trinkwassernetz beteiligen.”


Wasserabgabe in Frankreich und Deutschland längst Standard
Industriebetriebe machen  in Österreich rund ein Drittel des gesamten Grundwasserverbrauchs aus, nämlich 330 Milliarden Liter Grundwasser pro Jahr. Derzeit zahlen Industrieunternehmen nichts dafür. Das ist keinesfalls selbstverständlich, wie ein Blick nach Frankreich und Deutschland zeigt, wo Industriebetriebe meistens für ihren Wasserverbrauch eine Abgabe zahlen. 


Frankreich berechnet je nach Region und Nutzung zwischen weniger als einem Cent und rund 12 Cent pro Kubikmeter Grundwasser. In Deutschland hebt Berlin mit 31 Cent pro Kubikmeter Grundwasser den höchsten Satz ein. Nordrhein-Westfalen erhebt zum Beispiel 5 Cent, Bayern 10 Cent pro Kubikmeter Grundwasser. Würde man die bayerische Grundwasserabgabe auf die österreichische Industrie umlegen, dann würde das jährlich bereits rund 33 Millionen Euro in die Staatskasse spülen - mit der Berliner Grundwasserabgabe sogar 102 Millionen Euro jährlich.


Grundwasserabgabe soll Förderungsloch für Trinkwassernetz stopfen
Derzeit erleben wir in Österreich eine Rekorddürre. Mitte August zeigten besorgniserregende 93 Prozent aller Messstellen im ganzen Land niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände. Um unsere Trinkwasserversorgung dürrefit zu machen sind in den nächsten Jahren enorme Investitionen in unser Trinkwassernetz notwendig. Dafür fehlen laut Dachverband der Trinkwasserversorger (ÖVGW) jährlich 50 Millionen Euro an öffentlichen Förderungen. Dieses Förderloch könnte mit einer Wasserabgabe in Anlehnung an die bayerischen 10 Cent pro Kubikmeter Grundwasser zu mehr als der Hälfte gestopft werden.


Greenpeace fordert eine Abgabe von 10 Cent pro Kubikmeter auf den industriellen Grundwasserverbrauch. Die Einnahmen davon sollten zweckgewidmet dafür genutzt werden, den Ausbau und die Instandhaltung unserer Trinkwasserinfrastruktur in Zeiten der Klimakrise stärker zu fördern. 
 

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Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei vor OMV © Greenpeace Mitja Kobal