Graz-Reininghaus: Mobilitätsstudie zeigt Potenzial für autofreie Wege
.
Besonders deutlich zeigt sich der Stellenwert nachhaltiger Verkehrsmittel beim Arbeits- und Ausbildungsweg: 71 Prozent nutzen dafür umweltfreundliche Mobilitätsformen. 44 Prozent fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 22 Prozent mit dem Fahrrad und fünf Prozent gehen zu Fuß. Das Auto kommt auf 27 Prozent.
Damit liegt der öffentliche Verkehr in Reininghaus deutlich über dem Niveau vieler vergleichbarer Stadtgebiete. Auch das Fahrrad wird ähnlich häufig genutzt wie das Auto.
Die Befragung zeigt auch die hohe Zustimmung zu einer nachhaltigen Verkehrsplanung: Zwei Drittel der Befragten stehen einem verkehrsberuhigten Stadtteil positiv gegenüber.
Gleichzeitig zeigt die Studie, wo noch Verbesserungen notwendig sind. Viele Befragte wünschen sich etwa eine bessere Orientierung bei Besucherparkplätzen und Möglichkeiten für kurzfristige Erledigungen. Derzeit wird deshalb an einem kommunikativen Leitsystem sowie an einem Mobilitätsfolder gearbeitet, der künftig einen Überblick über öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradangebote und Parkmöglichkeiten geben soll.
Reininghaus wird zum Forschungsfeld
Ob Mobilitätsverträge und begleitende Maßnahmen tatsächlich dauerhaft das Verkehrsverhalten verändern, soll nun wissenschaftlich untersucht werden. Seit Anfang August 2026 ist Reininghaus Teil des vom FFG geförderten Forschungsprojekts EVA.MOB, das von regionalis gemeinsam mit der TU Wien durchgeführt wird.
Dabei werden Quartiere mit und ohne Mobilitätsverträge miteinander verglichen. Reininghaus soll als Untersuchungsgebiet Erkenntnisse darüber liefern, welche Maßnahmen besonders wirksam sind und wie Mobilitätsmanagement in neuen Stadtteilen langfristig funktionieren kann.
„Mit der Mobilitätsstudie konnten wir fundiert nachweisen, wie Mobilität in einem neuen Stadtteil tatsächlich gelebt wird. Die Teilnahme an EVA.MOB ermöglicht nun den nächsten Schritt“, sagt Alexander Daum vom Verein Stadtteil Graz Reininghaus.
Auch international wird der Grazer Stadtteil als Fallbeispiel untersucht. Reininghaus ist unter anderem Teil eines Forschungsprojekts der TU Graz zu Sharing, Parken und generationenübergreifender Mobilität und wird zudem als Best-Practice-Beispiel für klimaaktiv herangezogen.
Für den Verein Stadtteil Graz Reininghaus ist die Mobilitätsstudie daher kein Abschluss, sondern ein weiterer Schritt in der Entwicklung des neuen Stadtteils. Neben Verkehr und Mobilität sollen auch Kultur und Beteiligung das Quartier prägen.
So entsteht aktuell gemeinsam mit dem Graz Museum eine partizipative Ausstellung zur Geschichte und Entwicklung von Reininghaus, die am 7. Oktober 2026 eröffnet werden soll. Bewohner:innen können dafür Erinnerungen, Objekte, Geschichten und Ideen zur Zukunft des Stadtteils einbringen.
Reininghaus zeigt damit, dass nachhaltige Mobilität nicht erst nachträglich organisiert werden muss. Wenn Stadtplanung, Mobilitätsangebote und Beteiligung von Beginn an zusammengedacht werden, kann sich ein anderer Mobilitätsmix tatsächlich im Alltag etablieren. Die nun gestartete wissenschaftliche Begleitung soll zeigen, welche dieser Ansätze auch wirklich langfristig funktionieren.