Gemeinsam statt einsam: Treffpunkte in der Nachbarschaft könnten Demenzrisiko senken
Gemeinschaftliche Treffpunkte könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, die geistige und körperliche Gesundheit älterer Menschen zu erhalten. Das legt eine Studie der Osaka Metropolitan University nahe. Besonders profitieren demnach jene Seniorinnen und Senioren, die sich im Alltag sonst nur wenig regelmäßig bewegen.
In Japan werden sogenannte „Community Gathering Places“ seit Jahren im Rahmen der Pflegevorsorge gefördert. Dabei organisieren Bewohnerinnen und Bewohner gemeinschaftliche Aktivitäten, die häufig Bewegung, soziale Kontakte und gemeinsames Miteinander verbinden. Ziel ist es, die gesunde Lebenserwartung zu verlängern und dem altersbedingten Abbau körperlicher und geistiger Fähigkeiten entgegenzuwirken.
Wie stark solche Angebote tatsächlich vor kognitiven Einschränkungen schützen können, war bislang allerdings nicht eindeutig geklärt. Ein Forschungsteam um den außerordentlichen Professor Kazuki Uemura von der Graduate School of Rehabilitation Science der Osaka Metropolitan University hat deshalb den Zusammenhang genauer untersucht.
Für die Studie wurden Daten von 3.511 älteren Menschen aus Habikino in der japanischen Präfektur Osaka ausgewertet, die zu Beginn noch keine Leistungen der Langzeitpflege benötigten. Nach dem Ausschluss ungültiger Antworten flossen 2.578 Personen in die Hauptanalyse ein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet. Dabei wurde untersucht, ob die regelmäßige Teilnahme an wöchentlichen, von der Stadt unterstützten Bewegungsgruppen mit einem geringeren Risiko für kognitive Einschränkungen verbunden war.
Das Ergebnis ist besonders für Menschen interessant, die bisher wenig Sport treiben: Ältere Menschen ohne regelmäßige Bewegung, die an gemeinschaftlichen Treffpunkten teilnahmen, hatten etwa ein halb so hohes Risiko, eine kognitive Einschränkung zu entwickeln, wie jene, die solche Angebote nicht nutzten.
Bei älteren Menschen, die ohnehin regelmäßig körperlich aktiv waren, zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter zusätzlicher Zusammenhang.
Die Forschenden vermuten, dass gemeinschaftliche Aktivitäten gerade für jene Menschen einen wichtigen Ausgleich schaffen können, die Schwierigkeiten haben, an klassischen Sport- oder Bewegungsangeboten teilzunehmen. Die niedrigschwelligen Treffpunkte verbinden körperliche Aktivität mit sozialen Kontakten und können dadurch mehrere positive Effekte gleichzeitig entfalten.
Auch bei der Untersuchung des körperlichen Funktionsverlusts zeigten sich ähnliche Vorteile. Da die Angebote ausdrücklich auch für ältere und körperlich weniger belastbare Menschen geeignet sind, könnten sie insbesondere für diese Gruppe eine wichtige Unterstützung darstellen.
„Diese Ergebnisse unterstützen eine wachsende Entwicklung in der Politik zur Pflegeprävention, die Möglichkeiten zur Teilhabe schafft, die auch für ältere Menschen zugänglich sind, denen regelmäßige Bewegung schwerfällt“, erklärt Studienleiter Kazuki Uemura.
Die Ergebnisse liefern damit einen weiteren Hinweis darauf, dass Gesundheitsförderung im Alter nicht ausschließlich über individuelle Fitnessprogramme funktionieren muss. Auch soziale Begegnungsorte, gemeinsames Aktivsein und Teilhabe können ein wichtiger Baustein für ein gesundes Altern sein. Nach Ansicht der Forschenden könnten entsprechende Angebote dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern und möglichst vielen älteren Menschen den Zugang zu Bewegung, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen.