Gehen: Österreichs unterschätzte Mobilitätsform
Wien - Gehen ist und bleibt die häufigste Form der Fortbewegung in Österreich. Laut einer aktuellen Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) auf Basis von Daten der Statistik Austria sind 68 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren täglich zu Fuß unterwegs. Damit ist das Gehen deutlich verbreiteter als das Autofahren (28 Prozent täglich), die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (14 Prozent) oder das Radfahren (9 Prozent).
Am höchsten ist der Anteil der täglichen Fußgängerinnen und Fußgänger in Wien: 73 Prozent der Wienerinnen und Wiener legen jeden Tag Wege zu Fuß zurück, gefolgt von Salzburg und Kärnten mit jeweils 70 Prozent sowie Tirol mit 69 Prozent. Selbst im Burgenland – dem Schlusslicht im Bundesländervergleich – sind es immer noch 62 Prozent.
„Gehen ist die am meisten unterschätzte Mobilitätsform und wird vielerorts von der Verkehrsplanung vernachlässigt. Dabei ist es die häufigste und zugleich gesündeste Form der Fortbewegung“, betont VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky. Rund 5,2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher legen täglich Strecken zu Fuß zurück, die länger als 250 Meter sind – weitere 1,4 Millionen tun dies mehrmals pro Woche. Hinzu kommen viele Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zu Fuß unterwegs sind.
Im Alltag summiert sich das zu beeindruckenden Distanzen: Pro Werktag legen die Österreicherinnen und Österreicher bei Alltagswegen, die ausschließlich zu Fuß zurückgelegt werden, mehr als sieben Millionen Kilometer zurück – das entspricht 175 Erdumrundungen. Nicht berücksichtigt sind dabei jene Wege, bei denen das Gehen als Zubringer zu anderen Verkehrsmitteln dient, etwa zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof.
Jaschinsky erinnert daran, dass jede zehnte Autofahrt in Österreich in Gehdistanz liegt: „Wer zu Fuß geht, verursacht keine Abgase und keinen Lärm, stärkt seine Gesundheit und trägt zur Verkehrssicherheit bei.“ Studien zeigen, dass regelmäßiges Gehen den Bewegungsapparat stärkt, chronischen Erkrankungen vorbeugt und sogar die Lebenserwartung erhöht. Auch wirtschaftlich lohnt sich der Fußverkehr: Straßen mit hoher Fußgängerfrequenz profitieren durch mehr Kundschaft im Einzelhandel und bei Nahversorgern.
Damit Gehen für alle attraktiver wird, fordert der VCÖ eine konsequent fußgängerfreundliche Verkehrsplanung in Städten und Gemeinden. Dazu gehören verkehrsberuhigte Bereiche, Tempo 30 in Wohngebieten und im Umfeld von Schulen, ein durchgängiges Netz sicherer und ausreichend breiter Gehwege, übersichtliche Übergänge sowie Ampelschaltungen mit längeren Grünphasen für Fußgängerinnen und Fußgänger.
Ebenso entscheidend ist laut Jaschinsky die Raumplanung: „Kompakte Siedlungsstrukturen und lebendige Ortskerne mit Geschäften und sozialer Infrastruktur ermöglichen kurze Wege. Zersiedelung und Supermärkte auf der grünen Wiese hingegen machen vom Auto abhängig.“
Anteil der Bevölkerung (ab 16 Jahren), die täglich zu Fuß unterwegs ist (2023):
Kärnten, Salzburg: 70 %
Tirol: 69 %
Österreich gesamt: 68 %
Oberösterreich: 67 %
Steiermark: 66 %
Niederösterreich, Vorarlberg: 65 %
Burgenland: 62 %
Quelle: Statistik Austria / VCÖ 2025