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Geheimniskrämerei um Atommüll-Transporte: Kritik an „konzeptloser Verschieberei“ wächst

24.06.2026

Nach dem jüngsten Transport von Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll aus Großbritannien ins Zwischenlager Brokdorf verschärft sich die Kritik am Umgang mit radioaktiven Abfällen in Deutschland.

Foto Gronau Uranzug Abfahrt (UB).jpg
Uranzug Abfahrt in Gronau © BBU

Brokdorf, Bonn, Düsseldorf - Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) mit Sitz in Bonn spricht von einer „konzeptlosen Verschieberei“ und warnt vor anhaltenden Risiken durch Atomtransporte und Zwischenlagerung ohne Endlagerperspektive.

„Es ist nicht absehbar, wo der Atommüll letztlich dauerhaft gelagert werden soll. Fest steht aber, dass kein weiterer Atommüll mehr produziert werden darf – weder in Atomkraftwerken noch in sonstigen Atomanlagen“, erklärt BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz. Der Verband fordert daher einen sofortigen Stopp der Atomproduktion sowie umfassendere Sicherheitskonzepte für bestehende Abfälle.
 

Kritik an Zwischenlagern und Uranfabriken 

Aus Sicht des BBU zeigt der Castor-Transport nach Brokdorf einmal mehr die strukturellen Probleme im deutschen Atommüll-Management: Zwischenlager seien nur kurzfristige Lösungen, ein Endlager existiere weiterhin nicht. Gleichzeitig wachse die Menge an radioaktiven Abfällen kontinuierlich weiter.
 

Besonders im Fokus stehen dabei die Uranfabriken in Gronau (Nordrhein-Westfalen) und Lingen (Niedersachsen). Der BBU fordert deren sofortige Stilllegung. Beide Anlagen verfügen weiterhin über unbefristete Betriebsgenehmigungen – trotz des beschlossenen Atomausstiegs in Deutschland.
 

Internationale Atomtransporte im Fokus 

Der Verband kritisiert zudem die Vielzahl internationaler Atomtransporte, die nur selten öffentlich wahrgenommen würden. So sei Uran aus der Urananreicherungsanlage in Gronau regelmäßig nach Frankreich transportiert worden, wo es aufbereitet werde. Das dabei entstehende Uranoxid solle anschließend wieder nach Deutschland zurückgeführt werden – in ein neu errichtetes, bislang ungenutztes Zwischenlager in Gronau.
 

Nach Angaben aus der Region soll dieses Lager bis zu 60.000 Tonnen Uranoxid aufnehmen können. Ein konkreter Zeitpunkt für die Rücktransporte sei jedoch nicht bekannt. Betreiber Urenco und die zuständigen Behörden in Nordrhein-Westfalen äußerten sich dazu bislang nicht transparent. 
 

Proteste und regelmäßige Aktionen 

Neben den geplanten Rücktransporten aus Frankreich werden auch weitere Uran- und Atomtransporte durch Deutschland kritisiert, etwa im Zusammenhang mit der Brennelementefabrik in Lingen oder der Urananreicherung in Gronau. Häufig seien Zeitpunkt und Routen solcher Transporte für die Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar.
 

Seit Jahrzehnten formiert sich dagegen Protest: Bürgerinitiativen treffen sich regelmäßig zu Sonntagsspaziergängen an der Anlage in Gronau, um auf Urantransporte und Risiken aufmerksam zu machen. Der nächste Termin ist für den 5. Juli 2026 angekündigt.
 

Parallel ruft die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, ebenfalls im BBU organisiert, zu einer Protestaktion in Berlin auf: Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg
 

Streit um langfristige Verantwortung 

Im Zentrum der Kritik steht ein grundsätzliches Problem: Während die Produktion und der Transport von Atommüll weiterlaufen, fehlt nach Ansicht der Umweltinitiativen ein glaubwürdiges und transparentes Gesamtkonzept für die Endlagerung. Solange dies nicht geklärt sei, bleibe die Zwischenlagerung ein riskantes Provisorium – und die gesellschaftliche Debatte um Atomenergie und ihre Hinterlassenschaften ungelöst.

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Uranzug Abfahrt in Gronau © BBU