Forstbasierte Bioökonomie als Schlüssel für Klima-, Ressourcen- und Gesellschaftsfragen
Klimawandel, Verlust der Biodiversität, knapper werdende Ressourcen und soziale Ungleichheiten stellen Politik und Wirtschaft weltweit vor große Herausforderungen. Eine aktuelle wissenschaftliche Publikation sieht in der forstbasierten Bioökonomie einen zentralen Ansatz, um diese Krisen gleichzeitig anzugehen.
Die forstbasierte Bioökonomie setzt auf Holz und andere biobasierte Rohstoffe als Alternative zu kohlenstoff- und energieintensiven Materialien. Sie reicht von langlebigen Holzprodukten über innovative Werkstoffe bis hin zu einer kreislauforientierten Nutzung von Biomasse. Ziel ist es, fossile Rohstoffe schrittweise zu ersetzen und gleichzeitig Wälder nachhaltig zu bewirtschaften.
Eine neue Publikation des Science-Policy-Programms (SciPol) des Internationalen Waldforschungsverbandes IUFRO mit Sitz in Wien zeigt politische Handlungsoptionen auf, um dieses Potenzial zu nutzen. Der umfassende Policy Brief „Advancing Forest-Based Bioeconomy Approaches“ wurde im Rahmen der 21. Tagung des UN-Waldforums in New York vorgestellt. 34 Expertinnen und Experten aus 13 Ländern haben daran mitgearbeitet.
Der globale Materialverbrauch hat sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als verdreifacht und könnte bis 2060 um weitere rund 60 Prozent steigen. Bereits heute stammt etwa ein Viertel des weltweiten Materialeinsatzes aus Biomasse. Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und der Umstieg von fossilen Rohstoffen erhöhen den Druck auf Wälder und Ressourcen zusätzlich.
Um diesen Bedarf nachhaltig zu decken, brauche es laut Studie ein Bündel an Maßnahmen: höhere Produktivität in Wäldern, effizientere Verarbeitung von Holz sowie klare politische Rahmenbedingungen, die ökologische Grenzen respektieren.
Gleichzeitig wächst mit der Klimakrise auch das Interesse an bioökonomischen Lösungen. Holz und andere nachwachsende Rohstoffe gelten zunehmend als zentrale Bausteine für Klimaschutz, CO₂-Reduktion und eine widerstandsfähige Industrie. Die forstbasierte Bioökonomie verbindet dabei wirtschaftliche Nutzung mit regenerativer Waldbewirtschaftung und kann so sowohl Klimaziele als auch die Entwicklung ländlicher Regionen unterstützen.
Auch in Architektur und Bauwesen gewinnt Holz zunehmend an Bedeutung. Von Massivholzgebäuden in Städten wie Amsterdam oder Singapur bis zu nationalen Förderprogrammen in Europa wird Holz als klimafreundliche Alternative verstärkt eingesetzt. Öffentliche Beschaffung und soziale Wohnbauprojekte könnten diesen Trend weiter beschleunigen.
In Österreich unterstützt etwa die Holzinitiative mit Mitteln aus dem Waldfonds den Holzbau, Produktinnovationen sowie Qualifizierungsmaßnahmen. Damit soll Holz als zentrale Säule einer klimafreundlichen Bau- und Wirtschaftspolitik gestärkt werden.
Die Expertinnen und Experten betonen jedoch, dass der Ausbau der Bioökonomie klare ökologische Leitplanken braucht. Eine steigende Holznachfrage dürfe nicht zulasten der Biodiversität oder der Waldökosysteme gehen. Gefordert werden daher transparente Nachhaltigkeitsstandards, Folgenabschätzungen sowie effiziente Kreislaufsysteme für Materialien am Ende ihres Lebenszyklus.
Dr. Nelson Grima, Koordinator des SciPol-Programms von IUFRO, betont den politischen Anspruch der Studie: Ziel sei es, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen so aufzubereiten, dass sie konkrete und umsetzbare politische Entscheidungen für eine nachhaltige, inklusive und kreislauforientierte Bioökonomie ermöglichen.
Damit positioniert sich die forstbasierte Bioökonomie als Ansatz, der ökologische Grenzen berücksichtigt und gleichzeitig Antworten auf zentrale wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfragen liefert.