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FiBL- Konferenz: Lösungen für mehr Biosaatgut

01.06.2026

Wie kann die Versorgung mit ökologischem Saat- und Pflanzgut gesichert werden, bevor die Bio-Branche in eine Versorgungskrise gerät?

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© Bild von Pezibear auf Pixabay

Diese Frage steht im Mittelpunkt der FiBL-Saatgut-Konferenz am 7. und 8. Juli 2026 im Biohotel LindenGut bei Fulda. Vertreter*innen aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Politik, Handel und Verbänden diskutieren dort Strategien gegen drohende Versorgungsengpässe.

 

 Frankfurt  -  Die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung stellen den ökologischen Landbau regelmäßig vor große Herausforderungen. So auch beim Saat- und Pflanzgut: ab 2037 müssen alle pflanzlichen Bioprodukte vollständig auf ökologisch vermehrtem Saat- und Pflanzgut basieren. Doch bei vielen Kulturen fehlt bislang ausreichend biologisches Vermehrungsmaterial. „In Deutschland stammt beispielsweise nur jede zehnte Biomöhre aus Biosaatgut – und bei vielen weiteren Gemüsesorten sieht die Lage ähnlich aus. Am schwierigsten ist die Versorgung im Raps-, Wein- und Obstbau: Hier steht aktuell nur sehr wenig bis gar kein ökologisches Pflanzenvermehrungsmaterial zur Verfügung“, sagt Dr. Freya Schäfer, Projektkoordinatorin am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Bisher dürfen Landwirt*innen bei Engpässen konventionelles Saat- und Pflanzgut verwenden. Doch 2037 läuft diese Regelung aus.
 

Züchtung und Saatgutproduktion brauchen Zeit

 

Für viele liegt das Jahr 2037 noch in weiter Zukunft. Doch die Züchtung neuer Sorten dauert im Schnitt fünf bis zehn Jahre, die Hochskalierung der Saat- und Pflanzgutproduktion für bestehende Sorten mindestens zwei bis vier Jahre. „Wir können es uns nicht leisten, das Thema auf die lange Bank zu schieben – nicht nur mit Blick auf die Frist in elf Jahren. Schon heute ist klar: Der ökologische Landbau braucht eine starke und verlässliche Versorgung mit ökologischem Saat- und Pflanzgut. Bio ist und bleibt gentechnikfrei. Auch vor dem Hintergrund, dass möglicherweise schon innerhalb der nächsten zehn Jahre neue gentechnische Verfahren in der konventionellen Züchtung verwendet werden könnten, müssen wir jetzt die Verfügbarkeit von Biosaat- und Pflanzgut entschlossen ausbauen. Damit sichern wir die Versorgung des Ökolandbaus langfristig“, betont Jan Plagge, Präsident des Bioland Verbandes.
 

Koordinierte Maßnahmen können Engpässe vermeiden

 

Bei der FiBL-Saatgut-Konferenz am 7. und 8. Juli im Biohotel LindenGut bei Fulda diskutieren Vertreter*innen aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Politik, Handel und Verbänden Strategien, um Versorgungsengpässe zu verhindern und Angebot und Nachfrage nach Biosaat- und Pflanzgut entlang der gesamten Wertschöpfungskette gezielt auszubauen. „Es ist eine enorme Herausforderung, die Deadline 2037 zu halten. Man muss umgehend jetzt aktiv den Weg gestalten und tragfähige Lösungen entwickeln. Ohne koordinierte Maßnahmen drohen erhebliche Engpässe bei Bio – vom Acker bis ins Supermarktregal“, warnt auch Steffen Reese. Der ehemalige Naturland-Geschäftsführer ist seit dem 1. April 2026 Co-Geschäftsführer des FiBL in Brüssel und wird die Veranstaltung eröffnen.

Veranstalterin setzt auf Engagement der gesamten Wertschöpfungskette

Neben Impulsvorträgen und Diskussionen mit Expert*innen aus Praxis und Forschung sowie Workshops zu Züchtung, Gentechnik und Lieferkettentransparenz bietet die Veranstaltung Raum für Austausch und Vernetzung. Dr. Freya Schäfer, Koordinatorin der Veranstaltung, hofft, dass neben Akteur*innen aus Landwirtschaft, Züchtung, Politik und Verbänden auch Vertreter*innen aus Handel und Verarbeitung zur Konferenz kommen. Sie sagt: „Das Thema Saatgut wird von der nachgelagerten Wertschöpfungskette selten mitgedacht. Dabei können wir die Zukunft des Ökolandbaus nur gemeinsam gestalten.“

 

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des RoadmapsOekoPVM-Projekts des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und der Bioland Praxisforschung GmbH statt. Das Projekt zielt darauf ab, die Versorgung mit ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut bis 2036 zu verbessern und wird gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.



Dr. Freya Schäfer

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