Experte der Ärztekammer: Sicheres Silvester ohne Böller
Feuerwerke und Böller bergen gleich mehrere Gefahren, erklärt der Umweltmediziner. Offensichtlich sei das hohe Risiko von Augenverletzungen, Verbrennungen, Gesichts- und Ohrverletzungen, Gehörschäden, oder posttraumatische Belastungsstörungen, es komme aber auch zu Sehnen -, Gefäß- und Nervenverletzungen bis hin zur Zerstörung der gesamten Extremität, was eine Amputation erforderlich machen könne. „Im Extremfall sind die Verletzungen tödlich“, warnt Lercher. Neben der Gefahr von Sachschäden oder Bränden, sowie der negativen Auswirkungen auf Haus- und Wildtiere seien auch die Umweltbelastungen durch Feinstaub erheblich. „Feinstaub führt zu einer erhöhten Sterblichkeit. Bereits eine kurzfristige, Stunden oder Tage andauernde, hohe Feinstaubbelastung kann zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen sowie Krankenhauseinweisungen führen“, erklärt der Experte. Zusätzlich würden Schwefeldioxid, Metalle und Plastikreste Luft, Boden und Gewässer belasten.
Medizinisches Personal und Einsatzkräfte am Limit
Lercher betont auch die zusätzliche Belastung für das medizinische Personal durch Böller-bedingte Notfälle: „Während Millionen Menschen in Silvesterlaune sind und feiern, arbeitet das Personal in den Krankenhäusern, Polizeieinsatzzentralen, bei den Feuerwehren und Rettungsdiensten am Limit und darüber hinaus. Ein Umstand der vielen nicht bewusst ist“, mahnt Lercher.
„Wenn schon ein Feuerwerk, dann sollte auf die CE-Zertifizierung der Produkte geachtet werden“, sagt Lercher, der eindringlich davor warnt, unerlaubte Pyrotechnik im Ausland zu besorgen, selbst wenn diese dort legal sein sollte. Auch von selbstgebauten Böllern sei dringend abzuraten. Zu Feuerwerkskörpern und Raketen sollte ausreichend Sicherheitsabstand eingehalten werden, beim Hantieren mit Feuerwerk sollte riskantes Verhalten vermieden, stattdessen größte Vorsicht und Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt werden. Sehr wichtig: „Nicht explodiertes Feuerwerk muss unbedingt weggeräumt und entsorgt werden, damit es nicht versehentlich in Kinderhände gelangt“, warnt Lercher. Von Blindgängern und unvollständig explodierten Feuerwerkskörpern, die zu Neujahr und in den ersten Folgetagen gefunden werden, gehe besondere Gefahr aus.
Der Experte empfiehlt als risikoarme und umweltfreundliche Alternativen zum alljährlichen Krachen Lichtshows oder sogenannte „Stille Silvester“: „In der Stille liegt die Kraft. Es gibt viele neue kreative Ideen, die letztendlich eine gute Balance zwischen Lebensfreude, Feierlaune, Sicherheit für Mensch und Tier sowie Nachhaltigkeit garantieren“, so Lercher.