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Europa Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit – oder Teil des Problems?

08.06.2007

Diskussionsforum auf der „Woche der Umwelt"

ja © www.agendax.at
ja © www.agendax.at
Berlin– Auch in Deutschland und Europa seien wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand nicht mit Rauchgasentschwefelung entstanden, mahnte der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Prof. Dr. Klaus Töpfer, mit Blick auf aufstrebende Industrienationen wie China an. „Europa als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit?" lautete heute die Leitfrage einer Diskussionsrunde zur „Woche der Umwelt". „Druck von außen – das bringt in diesen Ländern nichts", lautete Töpfers Fazit. Ebenso wie Töpfer forderte Dr. Thomas de Maizière, Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben, auf „Anklagen" zu verzichten. Auch die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten in den vergangenen Tagen zur Klimapolitik begrüßte de Maizière. Man dürfe dies als Fortschritt bezeichnen, „und nicht sagen: Dies reicht uns nicht!".
Ob Europa tatsächlich eine Vorbildfunktion in Sachen Nachhaltigkeit zufalle, dies stellte Dr. Martin Rocholl, Vorsitzender von Friends of the Earth Europe, grundsätzlich in Frage: So würden etwa Lateinamerikaner oder Afrikaner seiner Einschätzung nach darauf verweisen, dass Europäer Teil des Problems seien, zum Beispiel mit Blick auf die Ressourcenverschwendung. Und auch aus seiner Sicht gäbe es nach wie vor viele Bereiche, in denen in Europa noch nicht nachhaltig vorgegangen werde, etwa in der Verkehrs– oder Landwirtschaftspolitik. „Was wir brauchen, ist eine integrierte Nachhaltigkeitspolitik", forderte Rocholl.
Ingrid Matthäus–Maier, Sprecherin der KfW–Bankengruppe, verwies dagegen auf die Chancen, innerhalb Europas anhand von so gelungenen Beispielen voneinander zu lernen. Sie unterstrich die grundsätzliche Pilotfunktion Europas in Nachhaltigkeitsfragen, auch gegen Sozial– und Umweltdumping: Ob 450 Millionen Menschen diese Haltung unterstützten, „das hat eine ganz andere Bedeutung, als wenn dies nur 80 Millionen Menschen sagen." Ernst Schwanhold, Leiter des Kompetenzzentrums Umwelt, Sicherheit und Energie der BASF AG, stellte den Abwägungsprozess zwischen Sozialem, Ökologischem und Ökonomischen in das Zentrum seiner Überlegungen. Es könne sein, dass mit der oftmals vorherrschenden Betonung des Ökologischen die falschen Prioritäten gesetzt würden, so Schwanhold: „Ich glaube, dass wir nur mit Verzichtsmodellen nicht weiter kommen. Ich glaube, dass wir innovative Umweltpolitik betreiben müssen." Dem widersprach unter anderem Töpfer, der sowohl die Notwendigkeit von technischen Innovationen wie auch von Suffizienz – also einem möglichst geringen Material– und Energieverbrauch – einforderte.
Quelle: DBU
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08.06.2007 | Autor*in: holler
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