EU startet neue Akademie für die Menschen hinter der Energiewende
Die Energiewende entscheidet sich nicht nur auf europäischer Ebene. Ob neue Regeln für erneuerbare Energien, Strommärkte, Netze oder Flexibilität tatsächlich Wirkung entfalten, hängt wesentlich davon ab, wie sie in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Genau hier setzt die neue Energy Regulation Academy (EnRA) an, die heute von der Europäischen Kommission und dem European University Institute (EUI) gestartet wird.
Die von der Florence School of Regulation am EUI umgesetzte und von der EU finanzierte Akademie soll Fachleute aus Ministerien, Regulierungsbehörden und anderen öffentlichen Einrichtungen dabei unterstützen, komplexe Reformen in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.
Der europäische Stromsektor befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Neue Regelungen betreffen unter anderem die Gestaltung der Strommärkte, Investitionen in erneuerbare Energien, den Ausbau der Netze, Flexibilität, Digitalisierung und den Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Damit diese Reformen funktionieren, braucht es allerdings nicht nur gute Gesetze, sondern auch Behörden, die sie kompetent umsetzen können. Die EnRA will deshalb gezielt Wissen vermitteln, praktische Erfahrungen austauschen und nationale sowie grenzüberschreitende Herausforderungen gemeinsam bearbeiten.
Über einen Zeitraum von drei Jahren bietet die Akademie ein umfassendes Programm an. Dazu gehören spezialisierte Trainings mit Online-Vorbereitung, interaktiven Präsenzveranstaltungen und digitalen Nachbereitungen. Ergänzt wird das Angebot durch regionale Workshops, individuelle Beratung für konkrete Reformvorhaben sowie praxisorientierte technische Briefings.
Auch neue Technologien und Herausforderungen werden berücksichtigt. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Strommarktdesign, Contracts for Difference (CfD), Power Purchase Agreements (PPA), Flexibilitäts- und Kapazitätsmechanismen, die Integration erneuerbarer Energien, Netzinvestitionen, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Die Akademie soll dabei mehr sein als eine klassische Weiterbildung. Fachleute aus allen EU-Mitgliedstaaten sollen eine dauerhafte europäische „Community of Practice“ bilden. Erfahrungen aus einem Land können dadurch anderen Ländern zugutekommen und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen stärken.
„Die Energiewende Europas hängt nicht nur von ambitionierten Reformen auf EU-Ebene ab, sondern auch von ihrer Umsetzung auf nationaler Ebene“, betont Declan Costello, Generaldirektor der Europäischen Kommission. Die EnRA sei deshalb eine Investition in die Kompetenz jener Menschen und Institutionen, die für die Umsetzung verantwortlich sind.
Auch Leonardo Meeus, Direktor der Florence School of Regulation, sieht den Austausch zwischen Praktikerinnen und Praktikern als zentral: Es gehe nicht nur darum, Wissen weiterzugeben, sondern eine vertrauensvolle europäische Gemeinschaft aufzubauen, die gemeinsam Probleme löst und voneinander lernt.
Die offizielle Vorstellung der Energy Regulation Academy findet hetue in Florenz statt.
Der erste Präsenzkurs folgt vom 16. bis 18. September und beschäftigt sich mit Contracts for Difference und Power Purchase Agreements.
Die EnRA wird über das Technical Support Instrument der Europäischen Union finanziert und gemeinsam mit der Reform and Investment Task Force der Europäischen Kommission umgesetzt.