EU-Rechnungshof: Milliarden für Gebäudesanierung bringen oft zu wenig Energieeinsparung
Luxemburg/Brüssel – Die Europäische Union stellte im Rahmen des Corona-Aufbaufonds rund 43 Milliarden Euro für die energieeffiziente Sanierung von Wohngebäuden bereit. Doch nach einem aktuellen Bericht des Europäischen Rechnungshofs bleibt die Wirkung vieler geförderter Projekte deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Prüfer kritisieren, dass häufig einfache und rasch umsetzbare Maßnahmen gefördert werden, anstatt umfassende Sanierungen mit langfristig hohem Einsparpotenzial.
Klimaziele ohne tiefgreifende Sanierungen kaum erreichbar
Gebäude gehören zu den größten Energieverbrauchern Europas: Rund 25 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfallen auf Wohngebäude. Gleichzeitig stammen noch immer etwa zwei Drittel der Energie zum Heizen und Kühlen aus fossilen Quellen, und fast drei Viertel aller Gebäude gelten als energetisch ineffizient.
Nach Einschätzung des Rechnungshofs sind deshalb vor allem sogenannte umfassende Sanierungen notwendig, die den Energieverbrauch eines Gebäudes um mehr als 60 Prozent senken. Nur so könne die EU ihre Klima- und Energieziele erreichen.
Geld fließt dorthin, wo es leicht ausgegeben werden kann
Die Prüfer kommen jedoch zu einem ernüchternden Ergebnis: In vielen Mitgliedstaaten werden Projekte bevorzugt, die sich schnell und unkompliziert umsetzen lassen. Dadurch erhalten nicht unbedingt jene Gebäude oder Haushalte Unterstützung, bei denen die größten Energieeinsparungen möglich wären.
Nikolaos Milionis, das für den Bericht zuständige Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, bringt die Kritik auf den Punkt:
„Die EU-Förderung sollte vorrangig in Projekte mit dem größten Energiesparpotenzial fließen. Stattdessen gingen die Mittel aus dem Corona-Aufbaufonds häufig dorthin, wo sie am einfachsten ausgegeben werden konnten.“
Gefahr teurer Nachbesserungen
Besonders problematisch sei, dass viele Förderungen lediglich einzelne Maßnahmen wie den Fenstertausch oder die Installation von Photovoltaikanlagen unterstützen. Solche Maßnahmen seien zwar sinnvoll, führten aber oft nicht dazu, dass Gebäude dauerhaft in eine deutlich bessere Energieeffizienzklasse aufsteigen.
Der Rechnungshof warnt vor einem sogenannten Lock-in-Effekt: Werden nur Teilmaßnahmen umgesetzt, könnten umfassende Sanierungen später wesentlich schwieriger und teurer werden. Dadurch würden langfristig Chancen für eine deutliche Reduktion der CO₂-Emissionen verloren gehen.
Erfolg wird kaum an tatsächlichen Energieeinsparungen gemessen
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Erfolgskontrolle der Förderprogramme. Die meisten Projekte werden danach bewertet, wie viele Wohnungen saniert oder wie viele Quadratmeter renoviert wurden – nicht danach, ob tatsächlich Energie eingespart wird.
Von 111 untersuchten Fördermaßnahmen enthielten lediglich drei konkrete Ziele zur Energieeinsparung.
Energieausweise als Messinstrument unzuverlässig
Zur Ermittlung der Einsparungen empfehlen die EU-Regeln den Einsatz von Energieausweisen. Nach Ansicht der Prüfer eignen sich diese jedoch nur eingeschränkt als Kontrollinstrument.
Zum einen spiegeln sie häufig nicht den tatsächlichen Energieverbrauch wider, der stark vom Verhalten der Bewohner abhängt. Zum anderen seien Energieausweise oft fehlerhaft oder zwischen den Mitgliedstaaten nur schwer vergleichbar. Dadurch könnten Einsparungen sowohl über- als auch unterschätzt werden.
Italienischer „Superbonus“ besonders kritisch bewertet
Auch die Wirtschaftlichkeit der Förderprogramme lässt nach Ansicht des Rechnungshofs zu wünschen übrig. Die Kosten für die eingesparte Energie unterscheiden sich zwischen den Mitgliedstaaten erheblich.
Als besonders problematisch nennen die Prüfer den italienischen „Superbonus“. Das Programm dürfte rund 14 Milliarden Euro aus der Aufbau- und Resilienzfazilität erhalten – fast ein Drittel der gesamten Mittel für Gebäudesanierungen.
Die Kosten je eingesparter Energieeinheit liegen laut Bericht fast viermal höher als ursprünglich erwartet. Hinzu kommt, dass der Staat zeitweise bis zu 110 Prozent der Sanierungskosten übernahm. Damit überstieg die öffentliche Förderung in einzelnen Fällen sogar die tatsächlichen Investitionskosten. Aus Sicht des Rechnungshofs ist das keine wirtschaftliche Verwendung von EU-Geldern.
Rechnungshof fordert stärkere Ausrichtung auf Wirkung
Der Bericht macht deutlich, dass die EU ihre Förderpolitik stärker auf tatsächliche Energieeinsparungen und Kosteneffizienz ausrichten muss. Statt möglichst viele Projekte rasch umzusetzen, sollten künftig jene Sanierungen Vorrang erhalten, die dauerhaft den größten Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Angesichts der geplanten Fortsetzung der Gebäudeförderung im nächsten EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 sehen die Prüfer dringenden Handlungsbedarf. Nur mit einer gezielteren Auswahl der Projekte und einer besseren Erfolgskontrolle könne sichergestellt werden, dass die Milliardeninvestitionen tatsächlich zur Senkung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen beitragen.