EU-Klimaziel 2040: Wichtiger Fortschritt - aber Kritik an massiver Abschwächung
Brüssel - Die Einigung im Trilog zum EU-Klimaziel für 2040 ist ein bedeutender Schritt für den europäischen Klimaschutz - doch sie kommt nicht ohne scharfe Kritik von Umwelt-NGOs.
Laut der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 bekräftigen EU-Kommission, Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament zwar klar ihre gemeinsame Richtung: Energiewende, Klimaneutralität und das Ende fossiler Energien. Gleichzeitig schwächen neu eingefügte Ausnahmen aber die Wirkung zentraler Maßnahmen ab.
„Mit dem Beschluss machen die EU-Institutionen unmissverständlich klar, dass der Ausstieg aus fossilen Energien näher rückt“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000. „Umso unverständlicher sind die Abschwächungen, wie der Zukauf von CO₂-Zertifikaten. Sie sind teuer, bringen für die Energiewende praktisch nichts und könnten die Steuerzahler:innen massiv belasten.“
Die EU-Kommission hatte bereits im Vorjahr vorgeschlagen, die Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 Prozent zu reduzieren. Nach monatelangen Verhandlungen fiel die Einigung nun deutlich weniger ambitioniert aus:
Bis zu 5 Prozent der Zielerreichung dürfen durch den Zukauf von CO₂-Zertifikaten aus anderen Ländern erfolgen. Das bedeutet, dass Europa seine Emissionen real nur noch um 85 Prozent senken müsste – vorausgesetzt, diese Option wird genutzt.
GLOBAL 2000 sieht darin einen gefährlichen Fehlanreiz. Zwar wurden im Paket gewisse Qualitätsstandards für CO₂-Zertifikate festgelegt, doch deren Kontrolle sei „in der Praxis schwer umsetzbar“, warnt Wahlmüller. Vor allem aber lenkten solche Zertifikate vom eigentlichen Ziel ab: dem Umbau des europäischen Energiesystems.
„Der Zertifikatezukauf ist nur eines: teuer. Er löst keine strukturellen Probleme und treibt die Energiewende kein Stück voran“, kritisiert Wahlmüller.
Bevor das Paket in Kraft treten kann, müssen Rat und Europäisches Parlament die Einigung formal bestätigen. GLOBAL 2000 mahnt jedoch bereits jetzt, die darauf folgenden Klimapfade konsequent ohne Rückgriff auf CO₂-Zertifikate zu gestalten.
Der Grund: Die Klimakrise eskaliert weiter. 2025 wird voraussichtlich eines der drei heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen, und Europa gilt als jener Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt.
„Gerade jetzt müssen wir unsere Klimaziele verstärken, nicht abschwächen“, fordert Wahlmüller. „Europa hat jedes Interesse, selbst voranzugehen und die Emissionen im eigenen Land zu reduzieren, statt CO₂-Zertifikate teuer zuzukaufen.“
Die Einigung zum EU-Klimaziel sendet ein wichtiges Signal: Die EU hält am Kurs in Richtung Klimaneutralität fest, und fossile Energien werden zunehmend zum Auslaufmodell. Doch ob Europa tatsächlich seine Führungsrolle im Klimaschutz behält, hängt nun von der Umsetzung ab und davon, ob der eingeschlagene Pfad mutig genug bleibt, um die Herausforderungen der Klimakrise zu meistern.