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EU droht Engpass bei Rohstoffen für die Energiewende

09.02.2026

Lithium für Batterien, seltene Erden für Windräder, Kupfer für Stromnetze: Die Energiewende steht und fällt mit der Verfügbarkeit bestimmter Rohstoffe.

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© Raimond Spekking

Genau hier gerät die Europäische Union zunehmend unter Druck. Ein aktueller Bericht des Europäischen Rechnungshofs warnt davor, dass die EU ihre Versorgung mit kritischen Rohstoffen nicht ausreichend absichert – und zentrale Klima- und Energieziele dadurch in Gefahr geraten.

 

Zwar hat die EU in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen gestartet, um ihre Abhängigkeit von Drittstaaten zu verringern. Doch nach Einschätzung der Prüfer bleiben die Ergebnisse bislang überschaubar. Weder die Diversifizierung der Importe noch der Ausbau der heimischen Produktion oder des Recyclings kommen in dem nötigen Tempo voran. Viele der von der EU geförderten Projekte könnten daher nicht rechtzeitig umgesetzt werden.
 

Hohe Abhängigkeit von wenigen Lieferländern 

Für Technologien wie Batterien, Windturbinen und Solaranlagen benötigt die EU Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer oder seltene Erden. Die Förderung dieser Materialien ist jedoch stark konzentriert: Oft stammen sie aus nur einem oder wenigen Nicht-EU-Ländern – darunter China, Chile oder die Türkei. Diese Abhängigkeit macht die EU geopolitisch verwundbar und anfällig für Lieferunterbrechungen.

Um gegenzusteuern, verabschiedete die EU 2024 eine Verordnung über kritische Rohstoffe. Sie soll die Versorgung mit 26 für die Energiewende unverzichtbaren Materialien langfristig sichern. Doch laut Rechnungshof fehlt es dieser Strategie an Verbindlichkeit und Klarheit.

„Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben“, warnt Rechnungshofmitglied Keit Pentus-Rosimannus. Derzeit sei die EU in gefährlichem Ausmaß von einer Handvoll externer Lieferländer abhängig. Um diese Verwundbarkeit zu verringern, müsse deutlich mehr getan werden.
 

Unverbindliche Ziele, unklarer Weg 

Die Verordnung sieht vor, die Versorgung durch drei Hebel zu sichern: diversifizierte Einfuhren, mehr Förderung und Verarbeitung innerhalb der EU sowie verstärktes Recycling. Die dafür gesetzten Ziele bis 2030 sind jedoch unverbindlich und gelten nur für einen Teil der als besonders wichtig eingestuften „strategischen“ Rohstoffe. Zudem bleibt unklar, auf welcher Grundlage diese Zielwerte festgelegt wurden.

Nach Ansicht der Prüfer wird es für die EU ohnehin schwierig, bis zum Ende des Jahrzehnts eine stabile Versorgung mit strategischen Rohstoffen sicherzustellen. Die Frist sei kurz, die strukturellen Probleme jedoch tiefgreifend.
 

Diversifizierung bleibt Stückwerk 

Ein Kernziel der EU ist es, die Importabhängigkeit von einzelnen Ländern zu verringern. Zwar wurden in den vergangenen fünf Jahren 14 strategische Rohstoffpartnerschaften abgeschlossen, doch sieben davon betreffen Staaten mit politisch instabilen oder als wenig verlässlich geltenden Regierungen. Zudem zeigen die Zahlen ein ernüchterndes Bild: Zwischen 2020 und 2024 gingen die Einfuhren aus diesen Partnerländern bei rund der Hälfte der untersuchten Rohstoffe zurück.

Andere Vorhaben stocken. Die Verhandlungen mit den USA wurden 2024 ausgesetzt, das Abkommen mit dem rohstoffreichen Mercosur-Raum ist noch nicht ratifiziert. Eine rasche Entlastung ist daher nicht in Sicht.
 

Recycling: große Hoffnungen,  noch geringe Quoten

Bis 2030 sollen mindestens 25 Prozent der strategischen Rohstoffe aus Recyclingquellen stammen. Doch davon ist die EU weit entfernt. Bei sieben der 26 für die Energiewende benötigten Rohstoffe liegen die Recyclingquoten derzeit bei lediglich ein bis fünf Prozent, zehn Materialien werden überhaupt nicht wiederaufbereitet.

Ein weiteres Problem: Die meisten Recyclingziele sind nicht rohstoffspezifisch. Dadurch fehlen gezielte Anreize, gerade schwer rückgewinnbare Materialien wie seltene Erden aus Elektromotoren oder Palladium aus Elektronikgeräten zu recyceln. Gleichzeitig kämpfen europäische Recyclingunternehmen mit hohen Kosten, geringen Materialmengen sowie technologischen und regulatorischen Hürden, was ihre Wettbewerbsfähigkeit schwächt.
 

Eigenförderung kaum rechtzeitig realisierbar 

Auch die heimische Förderung soll künftig eine größere Rolle spielen: Zehn Prozent des EU-Verbrauchs strategischer Rohstoffe sollen aus europäischem Bergbau stammen. Doch die Realität sieht anders aus. Die Rohstofferkundung ist laut Rechnungshof unterentwickelt, und selbst bei neuen Funden kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis ein Bergbauprojekt den Betrieb aufnimmt. Ein nennenswerter Beitrag bis 2030 erscheint daher unrealistisch.

Hinzu kommt, dass trotz des Ziels, 40 Prozent der strategischen Rohstoffe innerhalb der EU zu verarbeiten, entsprechende Anlagen stillgelegt werden. Hauptgrund sind hohe Energiekosten, die die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie untergraben. Die Prüfer warnen vor einem Teufelskreis: Fehlende Rohstoffe bremsen den Ausbau der Verarbeitung, was wiederum Investitionen und Versorgungssicherheit weiter schwächt.
 

Energiewende braucht Rohstoffstrategie 

Angesichts der ambitionierten Klimaziele – mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050 – kommt kritischen Rohstoffen eine Schlüsselrolle zu. Der Rechnungshof zieht jedoch ein ernüchterndes Fazit: Ohne eine kohärente, realistische und verbindliche Strategie droht der EU ein Rohstoffengpass, der den Umbau des Energiesystems erheblich verzögern könnte.

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