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Erster Fund der Landplanarie Obama nungara in Österreich – bedroht sie unsere Böden?

19.11.2025

Ein eingeschleppter Plattwurm aus Südamerika könnte als Räuber von Regenwürmern und Schnecken das heimische Bodenökosystem beeinträchtigen.

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In Österreich gefundenes Exemplar der Plattwurmart Obama nungara. Vorderende rechts. © Matthäus Greilhuber
Forschende des Naturhistorischen Museums Wien und der Universität Innsbruck melden erstmals den gesicherten Nachweis der eingeschleppten und potenziell invasiven Landplanarienart Obama nungara in Österreich. Zwischen November 2022 und August 2024 wurden vier Exemplare in einer Gärtnerei bei Tulln (Niederösterreich) entdeckt. 

Die vom Erstautor der Studie, Matthäus Greilhuber, am Naturhistorischen Museum Wien durchgeführte genetische Analyse ergab, dass es sich eindeutig um Obama nungara handelt – eine aus Südamerika stammende Art, die sich aktuell rasant in Europa ausbreitet. Der Gattungsname Obama hat nichts mit dem ehemaligen US-Präsidenten zu tun, sondern leitet sich aus der Sprache Tupi (eine indigene Sprache Brasiliens) ab. Wörtlich bedeutet Obama „Blatt-Tier“, in Anspielung auf die abgeflachte, blattförmige Körperform der Tiere.

Obama nungara zählt zu den Landplanarien, einer Gruppe terrestrischer Plattwürmer mit weltweit etwa 900 bekannten Arten. Sie leben bevorzugt in feuchten Bodenschichten, unter Steinen, Holz oder Laub und sind überwiegend nachtaktive Räuber. Zu ihrer Beute zählen unter anderem Regenwürmer, Nacktschnecken, Insektenlarven und Asseln. Kaum ein anderes Tier scheint die Planarien zu fressen – was ihnen eine dominante Rolle als Bodenprädatoren ermöglicht.

Exotische Landplanarien wie Obama nungara erregen auch wegen ihrer für Plattwürmer spektakulären Größe und oft knalligen Farben Aufmerksamkeit – die gefundenen Tiere maßen über 5 cm Körperlänge. Ihr Erscheinungsbild ist von einem getigerten Muster aus undeutlichen Längsstreifen und dem Vorhandensein einer Vielzahl von kleinen Augen geprägt. „Trotz ihres Status als bei uns nicht heimische Art handelt es sich um wunderschöne, faszinierende Tiere – wie Plattwürmer generell“, ist Greilhuber überzeugt.

Während es auch einheimische Landplanarien in Mitteleuropa gibt, stammt Obama nungara ursprünglich aus Südamerika. „Ihre Ausbreitung in Europa – insbesondere über den Handel mit Zierpflanzen – wurde in den letzten Jahren mehrfach dokumentiert, u. a. in Frankreich und Italien, wo jeweils zahlreiche eingeführte Arten nachgewiesen wurden“, erklärt Greilhuber. „Durch unsere genetische Analyse konnten wir feststellen, dass die gefundenen Tiere einer Abstammungslinie zugehörig sind, die aus Argentinien stammt und sich momentan weit über Europa ausbreitet – somit halten wir es für wahrscheinlich, dass die Tiere über den Pflanzenhandel mit anderen europäischen Ländern nach Österreich gelangt sind“, erklärt Ko-Autorin Elisabeth Haring, ehemalige Direktorin der Zentralen Forschungslaboratorien des NHM Wien und dem Museum weiterhin als Gastwissenschafterin verbunden.

Eingeschleppte Arten – sogenannte Neobiota – sind Organismen, die durch menschliche Aktivitäten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets auftauchen. Als „invasiv“ gelten solche eingeschleppten Arten, die nachweislich negative Auswirkungen auf heimische Ökosysteme und Artenvielfalt haben. Laut dem Weltbiodiversitätsrat IPBES (2023) zählen invasive Arten heute zu den größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt, das Funktionieren von Ökosystemen und damit letztlich auch für das menschliche Wohlergehen.

Da Obama nungara als besonders anpassungsfähig gilt und wegen der Gefahr eines Einflusses auf Regenwurmpopulationen in Europa als problematisch eingestuft wird, ist der erste Nachweis in Österreich von großer Bedeutung. Die Art könnte langfristig die Bodenqualität beeinträchtigen, da Regenwürmer eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf und der Bodenstruktur spielen. Forscher*innen in Frankreich sammelten innerhalb eines Monats über 1.500 Individuen von Obama nungara aus einem einzigen Garten ab. Dies belegt, dass die Art mitunter hohe Dichten in ihren neuen Habitaten erreichen kann. „Bei so hohen Dichten liegt es nahe, dass es einen erheblichen Einfluss auf die Populationen der Beutetiere geben wird“, meint Greilhuber. „Dass Regenwürmer – die für die Bodenqualität essentiell sind – unter den bevorzugten Beutetieren sind, gibt Anlass zur Sorge. Ökologische Studien, die den Einfluss auf die Populationen der Beutetiere direkt untersuchen, sind allerdings noch ausständig“, so Ko-Autor Bernhard Egger vom Institut für Zoologie der Universität Innsbruck.

Laut Verbreitungsmodellen befindet sich Österreich am östlichen Rand des für die Art geeigneten Gebiets. Es wird sich erweisen, ob Obama nungara mit dem kontinentaleren Klima Österreichs im Vergleich zu westeuropäischen Ländern, wo momentan der europäische Verbreitungsschwerpunkt liegt, gut zurechtkommt und sich in Österreich erfolgreich ausbreiten wird. Verbreitungsmodelle unter Klimawandelszenarien sagen jedoch vorher, dass mit der Klimaerwärmung auch in Österreich vermehrt geeignete Habitate für Obama nungara vorhanden sein werden.

Der Fund unterstreicht die Notwendigkeit eines gezielten Monitorings und frühzeitiger Maßnahmen gegen invasive Arten – insbesondere im Kontext des zunehmenden globalen Handels mit Pflanzen und anderen Gütern. Sichtungen sollten auf jeden Fall fotografisch dokumentiert und auf Naturbeobachtungs-Plattformen oder an Expert*innen gemeldet werden.

 

Link zur Studie: https://www.reabic.net/journals/bir/2025/4/BIR_2025_Greilhuber_etal.pdf

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