Energiewende verliert an Tempo: Erneuerbaren-Ausbau deutlich unter den Zielen!
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) sieht vor, bis 2030 bilanziell eine vollständige Versorgung des österreichischen Stromverbrauchs mit erneuerbarem Strom zu erreichen. Der aktuelle Monitoringbericht zeigt jedoch, dass Österreich dafür beim jährlichen Ausbau wieder deutlich zulegen müsste.
„Wir können uns kein Schneckentempo beim Erneuerbaren-Ausbau leisten“, sagt Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin von Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ). Gerade angesichts geopolitischer Krisen und schwankender Energiepreise sei der Ausbau heimischer Energieerzeugung auch eine Frage der Versorgungssicherheit.
Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Anteil erneuerbaren Stroms am Inlandsstromverbrauch. Dieser lag 2024 noch bei rund 90 Prozent, sank 2025 jedoch auf 73 Prozen, das ist ein Rückgang um 16,7 Prozent.
Dabei spielen zwar auch Faktoren wie die Wasserführung der Flüsse eine Rolle. Der EEÖ sieht darin jedoch nicht die eigentliche Ursache der Entwicklung. Entscheidend sei, dass Österreich kontinuierlich neue erneuerbare Erzeugungskapazitäten errichtet.
„Sich auf dem Wasserkraftausbau der 1970er Jahre auszuruhen, bringt uns beim Erneuerbaren-Anteil nicht weiter. Wer nichts sät, wird nichts ernten“, so Prechtl-Grundnig.
Windkraft bleibt weit hinter dem Soll
Besonders groß ist die Lücke bei der Windenergie. Nach den Berechnungen des EAG wären durchschnittlich rund 400 MW zusätzliche Windkraftleistung pro Jahr notwendig, um das Ausbauziel zu erreichen. 2025 kamen allerdings lediglich 129 MW hinzu – rund ein Drittel des erforderlichen jährlichen Zubaus.
Aus Sicht des EEÖ liegt ein wesentliches Problem bei langwierigen Genehmigungsverfahren und fehlenden geeigneten Flächen. Projekte müssten schneller genehmigt und umgesetzt werden können.
Kleinwasserkraft und Bioenergie unter Druck
Auch bei der Wasserkraft bleibt Österreich deutlich hinter den Ausbauzielen zurück. Der jährliche Sollwert liegt bei rund 125 MW, 2025 wurde davon nur etwas mehr als ein Zehntel erreicht. Der EEÖ kritisiert dabei insbesondere zunehmend komplexe und aus seiner Sicht überschießende Auflagen.
Bei der festen Biomasse ist die Entwicklung ebenfalls problematisch: Die installierte Leistung ging 2025 sogar um rund 3 MW zurück. Laut EEÖ setzen die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zahlreiche Anlagen unter Druck. Insbesondere die Marktprämiengutachten der vergangenen beiden Jahre hätten die tatsächliche Entwicklung von Markt- und Betriebskosten nicht ausreichend berücksichtigt.
Auch die Photovoltaik, lange Zeit der Wachstumsmotor der österreichischen Energiewende, zeigt inzwischen eine deutliche Abschwächung. 2025 wurden laut Monitoringbericht 1.603 MW neu installiert. Das entspricht einem Rückgang von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
„Die PV hat in den vergangenen Jahren gezeigt, was möglich ist. Aber auch hier geht der Zubau inzwischen deutlich zurück. Das ist ein Warnsignal“, sagt Prechtl-Grundnig. Gleichzeitig würden die im Österreichischen Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) ausgewiesenen Anforderungen an den künftigen Ausbau weiter steigen.
Besonders groß ist die Lücke auch bei erneuerbarem Gas. 2025 wurden lediglich 0,16 TWh Biomethan in das öffentliche Gasnetz eingespeist. Das EAG sieht bis 2030 ein Ziel von 5 TWh vor.
Auch die E-Control stellt im Monitoring fest, dass bei erneuerbaren Gasen bislang wenig Dynamik zu beobachten ist. Potenzielle Betreiber und neue Projekte würden teilweise auf klarere gesetzliche Rahmenbedingungen warten.
Für den EEÖ zeigt der Monitoringbericht vor allem eines: Österreich muss beim Ausbau wieder deutlich schneller werden. Gefordert werden ausreichend geeignete Flächen, wirksame Beschleunigungsgebiete und effizientere Genehmigungsverfahren.
Dabei kommt den Bundesländern eine zentrale Rolle zu, da zahlreiche Genehmigungskompetenzen bei ihnen liegen. Mit dem inzwischen beschlossenen Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) wurde ein neuer Rahmen geschaffen, der Bund und Länder stärker in die Verantwortung nehmen soll. Ob die neuen Regelungen tatsächlich zu schnelleren Verfahren führen, wird sich nun in der Praxis zeigen.
„Entscheidend für ein stabiles und leistbares Energiesystem ist ein breiter Erneuerbaren-Mix – dafür müssen wir bei allen Technologien wieder schneller werden“, betont Prechtl-Grundnig. Sonne, Wind, Wasser und Bioenergie sollen gemeinsam dazu beitragen, Österreich weniger abhängig von fossilen Energieträgern und internationalen Energiepreisschwankungen zu machen.