Energiewende konkret: Von der Vergangenheit bis in die Zukunft
Ganz im Sinne des Projekts „Zeitzeugen und Zukunftsmacher“ luden Powerful People gemeinsam mit oekonews kürzlich zu einem E-Salon ins Kurzentrum Ludwigstorff in Bad Deutsch-Altenburg. Der Abend spannte einen weiten Bogen – von der Aubesetzung Hainburg 1984 bis zu aktuellen Fragen der Energiewende.
Den Auftakt bildete ein Blick zurück: Die Wanderausstellung zur Aubesetzung Hainburg erinnerte an jene bewegten Tage im Winter 1984, als tausende Menschen in den Donauauen ein kraftvolles Zeichen für den Naturschutz setzten.
Mit persönlichen Erinnerungen gaben Paul Pagacs und Günter Schobesberger, beide damals aktiv in der Umweltbewegung, Einblicke in diese Zeit des Umbruchs. Sie schilderten, wie der unerwartet breite zivilgesellschaftliche Widerstand nicht nur den Erhalt der Auen sicherte, sondern auch ein neues demokratisches Selbstverständnis prägte.
Auch aus dem Publikum kamen Beiträge, die unterstrichen, wie prägend dieses Engagement bis heute wirkt. „Die Dynamik von damals hat bei vielen Menschen das gesamte Zukunftsbild verändert – von der Berufswahl bis hin zum Blick auf Energiefragen“, betonte Doris Holler-Bruckner.
Während die Umweltbewegung einst grundlegende Veränderungen anstieß, ist die Energiewende heute längst in der Gesellschaft angekommen – wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen den Sektoren.
In der anschließenden Diskussionsrunde mit Expert:innen aus Politik und Praxis wurde klar: Im Strombereich wurden bereits große Fortschritte erzielt, während insbesondere im Wärmebereich und in der Mobilität noch erheblicher Aufholbedarf besteht.
Doris Holler-Bruckner, Herausgeberin OEKONEWS, diskutierte gemeinsam mit Tina Rigler von der KEM Carnuntum, Heiko Hill von der Energiegemeinschaft Hainburg und dem Bad Deutsch-Altenburger Vizebürgermeister Markus Keprt über konkrete Umsetzungsschritte. Moderiert wurde der Abend von Karin Neckamm von Powerful People.
Ein zentrales Thema war die Rolle der Gemeinden. Markus Keprt betonte, dass kommunale Handlungsspielräume stark von bundespolitischen Rahmenbedingungen abhängen. Gleichzeitig könne vor Ort viel bewegt werden: Bad Deutsch-Altenburg setzt seit Jahren auf Windenergie und versucht dabei, die Balance zwischen Energiegewinnung, Natur und dem Charakter als Kurort zu wahren. Die vorhandenen Lösungen wurden im Konsens getroffen, das sei wichtig, um die Menschen an Bord zu haben.
Angesichts steigender Temperaturen – die Region zählt zu den heißesten in Österreich – rückt auch die Ortsgestaltung stärker in den Fokus. Gezielte Begrünung soll für Abkühlung sorgen, wobei aus früheren Fehlern gelernt wird, etwa bei der Auswahl geeigneter Pflanzen.
Wie Energiewende konkret funktionieren kann, zeigt Heiko Hill mit der von ihm gegründeten Energiegemeinschaft in Hainburg. Was bei ihm mit einem selbstgebauten Balkonkraftwerk begann, und der Erkenntnis, dass seine Schwiegereltern genug Strom produzieren um nicht nur ihr Haus, sondern auch seine Wohnung mitzuversorgen, entwickelte sich zu einem erfolgreichen lokalen Modell.
Geprägt von der Haltung, „aus allem etwas zu machen“, was daher kommt, dass er ursprünglich in der DDR geboren wurde, gründete Hill nach Einführung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes 2022 eine Energiegemeinschaft, die seit Herbst 2024 aktiv ist. Mittlerweile zählt sie über 260 Mitglieder – Tendenz weiterhin steigend.
Das Prinzip: Mitglieder mit Photovoltaikanlagen speisen Strom ein, andere nutzen ihn zu fairen, gemeinschaftlich festgelegten Preisen. Festgelegt wird der Tarif von den Mitgliedern. Aktuell liegt dieser bei etwa 8 Cent für Einspeisende und 10 Cent für Verbrauchende. Die Gemeinschaft setzt bewusst auf regionale Verankerung – mit Perspektiven in Richtung Windkraft und Speicherlösungen.
Tina Rigler stellte die Aktivitäten der Klima- und Energie-Modellregion Carnuntum vor. Diese ist mit de Gemeinden Scharndorf, Hundsheim und Petronell-Carnuntum eine der kleinsten Modellregionen Österreichs. Seit 2026 läuft ein dreijähriges Förderprojekt des Bundes, das gezielt Bewusstsein für erneuerbare Energien schaffen soll.
Ein Schwerpunkt liegt auf Bildungsarbeit – von Kinder- und Jugendprojekten bis hin zu Informationsangeboten für Haushalte. Gleichzeitig werden die Gemeinden bei konkreten Maßnahmen unterstützt, etwa bei der Modernisierung von Heizsystemen oder dem Ausbau von Photovoltaik. Ein immens wichtiger Beitrag, um die Menschen dort abzuholen, wo sie jeweils stehen.
Dass die Energiewende auch im Mobilitätsbereich neue Möglichkeiten eröffnet, zeigte Doris Holler-Bruckner anhand eines eindrucksvollen Beispiels: Sie hat erst vor kurzem einen Reise mit dem Elektroauto von Wien bis nach Dakar zurückgelegt. Ihr Erfahrungsbericht machte deutlich, dass selbst große Distanzen heute technisch bewältigbar sind und es in Europa genügend Ladeinfrastruktur gibt. In den 3 besuchten afrikanischen Ländern stand vor allem Bewusstseinbildung im Mittelpunkt: Das Interesse an erneuerbaren Energien und Elektrofahrzeugen ist auch hier groß.
Gleichzeitig wurde in der Diskussion ein entscheidender Punkt angesprochen: Die Transformation betrifft nicht nur individuelle Mobilität oder Haushalte. Gemeinden, Gewerbebetriebe und die Industrie stehen ebenso vor der Herausforderung, ihren Energiebedarf nachhaltig zu decken – sie sind auch ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende insgesamt.
Zum Abschluss brachte Moderatorin Karin Nekamm die Diskussion auf den Punkt: „Was die Energiewende betrifft, sind wir noch nicht am Ziel. Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, gemeinsam ist es möglich, mehr zu erreichen. "
Genau hier setzt das Format der E-Salons an. In Anlehnung an die Tradition der Wiener Salons schaffen sie Räume für Austausch, Vernetzung und neue Ideen. Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kommen zusammen, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten – pragmatisch, kritisch und zukunftsorientiert.
Der Abend in Bad Deutsch-Altenburg zeigte eindrucksvoll: Die Energiewende ist keine abstrakte Vision, sondern findet bereits konkret vor Ort statt. Doch ihr Erfolg hängt weiterhin vom Engagement vieler ab – aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen.
Unterstützt wurde der Abend im Rahmen eines Leaderprojekts der Regionen Marchfeld & Carnuntum durch die Europäische Union, Bund und das Land Niederösterreich.
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