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Energiegemeinschaften: Warum Aufklärung auch nach fast fünf Jahren der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt

28.02.2026

Europäisches Forschungsprojekt bestätigt Praxiserfahrung aus Österreich: Finanzielle Vorteile allein überzeugen nicht

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© Michael_Pointner pixabay.com
  • Qualitative Workshops in fünf europäischen Regionen zeigen: Viele potenzielle Teilnehmer:innen scheitern nicht an fehlendem Interesse, sondern an Unklarheit über Abläufe und Nutzen
  • Zentrale Erkenntnis aus Forschung und Praxis: Verständlichkeit, Transparenz und Vertrauen sind für die Teilnahme wichtiger als finanzielle Vorteile allein
  • Bei den Anforderungen ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen Privatpersonen, Gemeinden und Unternehmen
  • Unterrepräsentierte Gruppen: Bewohner:innen von Mehrparteienhäusern, ältere Menschen und Personen mit eingeschränktem Zugang zu digitalen Angeboten werden bislang kaum erreicht
  • Der Schlüssel für breite Beteiligung: Digitale Werkzeuge


Energiegemeinschaften gelten als wichtiger Baustein der Energiewende – dennoch bleibt ihre Beteiligung vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Neue Erkenntnisse aus dem europäischen Forschungsprojekt RENvolveIT zeigen: Nicht fehlende wirtschaftliche Anreize, sondern mangelnde Verständlichkeit, fehlende Transparenz und Unsicherheit über Abläufe sind die größten Hürden für eine Teilnahme.

Praxisfazit aus Österreich: Interesse entsteht erst, wenn das Konzept von Energiegemeinschaften verstanden wird
 

Die PowerSolution Energieberatung GmbH begleitet den Aufbau und Betrieb von mehr als 35 Energiegemeinschaften in Österreich und ist nationaler Umsetzungspartner von RENvolveIT. Geschäftsführer Roland Kuras beobachtet in der täglichen Praxis einen klaren Engpass: „Viele Menschen stehen Energiegemeinschaften grundsätzlich positiv gegenüber. Gleichzeitig merken wir in Gesprächen immer wieder, dass unklar ist, was eine Energiegemeinschaft konkret ist, wie sie funktioniert und was sie im Alltag tatsächlich verändert“, so Kuras. „Oft müssen wir ganz grundlegende Fragen klären – etwa, dass bestehende Stromlieferverträge nicht gekündigt werden müssen oder dass Energieteilung kein technisches Projekt, sondern ein organisatorisches Modell ist.“
 

Sein Fazit aus fast fünf Jahren praktischer Umsetzung: „Aufklärung ist kein Begleitfaktor, sondern die zentrale Voraussetzung dafür, dass aus Interesse auch Teilnahme wird.“


Europäisches Forschungsprojekt: Verständlichkeit, Kontrolle und Vertrauen sind entscheidend

Diese Praxiserfahrungen werden nun erstmals auf europäischer Ebene bestätigt. Im Rahmen von RENvolveIT wurden in Workshops in fünf Regionen – Wien, Prag, Köln, Mainkofen (Bayern) und Heeten (Niederlande) – mehr als 35 Vertreter:innen aus Haushalten, Kleinunternehmen, Gemeinden und dem Energiesektor eingebunden.

Das zentrale Ergebnis: Finanzielle Einsparungen sind für alle Zielgruppen relevant, reichen allein jedoch nicht aus.
Menschen möchten zusätzlich:

  • verstehen, wie Energieteilung konkret funktioniert
  • den organisatorischen Aufwand realistisch einschätzen
  • Kontrolle über ihre Energiezukunft behalten
  • darauf vertrauen, dass Abrechnung und Prozesse zuverlässig funktionieren.

 

Unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Erwartungen

 

Private Haushalte wünschen sich vor allem einfache, schrittweise Erklärungen und greifbare Praxisbeispiele. Sie möchten wissen, was Energieteilung im Alltag bedeutet, welche Einsparungen realistisch sind – idealerweise in Euro statt in technischen Kennzahlen – und welche Schritte notwendig sind, um mitzumachen. Zu viele Informationen auf einmal oder komplexe rechtliche Details wirken abschreckend.
 

Kleinunternehmen zeigen grundsätzlich großes Interesse, gehen das Thema jedoch vorsichtig an. Für sie stehen Wirtschaftlichkeit, Amortisationsdauer und transparente Abrechnungsmodelle im Vordergrund. Sie bevorzugen erprobte Modelle statt Experimente und reagieren sensibel auf bürokratische Hürden oder zusätzlichen administrativen Aufwand.
 

Gemeinden stehen vor der Aufgabe, energiepolitische Zielsetzungen in konkrete lokale Projekte zu übersetzen. Sie suchen nach bewährten Umsetzungsmodellen, Vergleichsbeispielen aus anderen Regionen sowie Werkzeugen zur verständlichen Information und Einbindung von Bürger:innen. Vernetzung und Erfahrungsaustausch spielen dabei eine zentrale Rolle.

 

Gefahr der Exklusion: Bestimmte Gruppen werden bislang kaum erreicht

 

Die Erkenntnisse aus den Workshops zeigen zudem, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen bislang nur unzureichend angesprochen werden – darunter Bewohner:innen von Mehrparteienhäusern, ältere Menschen, junge Alleinerziehende oder Personen mit eingeschränktem Zugang zu digitalen Angeboten. Ohne gezielte Unterstützungs- und Informationsformate besteht die Gefahr, dass diese Gruppen von den Beteiligungsmöglichkeiten der Energiewende ausgeschlossen bleiben.

 

Digitale Werkzeuge als Schlüssel

 

Ein zentraler Hebel zur Überwindung dieser Hürden sind digitale Lösungen. Auf Basis der Projektergebnisse entwickelt RENvolveIT derzeit eine modulare Software-Lösung, die den Einstieg in Energiegemeinschaften erleichtern soll. Ziel ist es, nur jene Informationen bereitzustellen, die für die jeweilige Nutzer:in relevant sind, Prozesse zu vereinfachen und gleichzeitig Transparenz und Kontrolle sicherzustellen – auch für Menschen mit wenig digitaler Erfahrung.

Für power solution ist dabei klar: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss Komplexität reduzieren – nicht erhöhen. Digitale Werkzeuge funktionieren nur dann, wenn sie auf realen Betriebserfahrungen aufbauen und Menschen dort abholen, wo sie stehen“, so Kuras.

 

Relevanz für Österreich und Europa

Mit Blick auf die vollständige Umsetzung des Rechts auf Energy Sharing in allen EU-Mitgliedsstaaten bis Juli 2026 liefern die Ergebnisse von RENvolveIT wichtige Hinweise darauf, welche Rahmenbedingungen verbessert werden müssen.

Gerade in Österreich ist das Thema hochaktuell: Energiegemeinschaften – von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen (GEA) über Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) bis hin zu Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) – haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnet.Ende 2025 waren bereits mehr als 6.500 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und Bürgerenergiegemeinschaften in Betrieb.

Die zentrale Erkenntnis bleibt dabei eindeutig: Energy Sharing scheitert selten am Willen der Menschen – sondern an fehlender Klarheit, zu hoher Komplexität und mangelnder Einbindung. Wer Energiegemeinschaften erfolgreich weiterentwickeln will, muss Aufklärung, einfache Prozesse und zielgruppenspezifische Unterstützung ins Zentrum stellen.

 

Über RENvolveIT:

RENvolveIT ist ein europäisches Forschungs- und Innovationsprojekt, das erneuerbare Energiegemeinschaften in europäischen Regionen unterstützt und den Einstieg für Haushalte, Gemeinden und Unternehmen erleichtern soll. Das Projekt wird von einem internationalen Konsortium aus Forschungseinrichtungen, Energiedienstleistern und regionalen Partnern getragen; power solution ist als österreichischer Umsetzungspartner beteiligt.

Im Mittelpunkt steht eine modulare, interaktive Toolbox, die Werkzeuge für Vernetzung, Projektplanung, Beteiligungsmanagement und Energieplanung umfasst und in unterschiedlichen regionalen und rechtlichen Kontexten eingesetzt werden kann. Die im Projekt durchgeführten Workshops bilden dabei die Grundlage für die Entwicklung dieser Toolbox. RENvolveIT verbindet sozialwissenschaftliche Forschung, Energiewirtschaft, Informatik und Ingenieurwesen, um Beteiligungsprozesse zu vereinfachen und die Energiewende in Europa praxisnah voranzutreiben.

Das Projekt wurde durch die  Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)   und durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe der Europäischen Union  gefördert:  

 

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