Elektroautos beschleunigen Europas Verkehrswende
Zusammen mit Plug-in-Hybriden und klassischen Hybriden kamen elektrifizierte Antriebe damit erstmals auf mehr als die Hälfte des europäischen Neuwagenmarktes.
Die Zahlen stammen von Dataforce und umfassen die EU, Großbritannien, Island, Norwegen und die Schweiz. Auch die EAFO-Daten der EU mit akuellen Daten zu Fahrzeugen mit alternativen Kraftstoffen zeigen eine ähnliche Entwicklung auf.
Während Elektroautos kräftig zulegen, geht es für Benzin und Diesel weiter bergab. Die Benzinzulassungen sanken im August um 14 Prozent, Diesel verlor sogar 20 Prozent. Auch Plug-in-Hybride legten zu: Ihre Zulassungen stiegen um 13 Prozent auf 94.664 Fahrzeuge. Vollhybride kamen auf 108.507 Neuzulassungen – ein Plus von 8,4 Prozent.
Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits im ersten Halbjahr sichtbar war. In der EU erreichten batterieelektrische Fahrzeuge bis Ende Juni einen Marktanteil von 20,7 Prozent, nach 15,6 Prozent im Vorjahr. Hybridfahrzeuge kamen auf 37,3 Prozent. Der gemeinsame Anteil von Benzin und Diesel fiel dagegen auf 29,7 Prozent.
Auch die kumulierten Zahlen von Jänner bis August zeigen eine deutliche Verschiebung. Der gesamte europäische Neuwagenmarkt wuchs um 5,6 Prozent auf 9,22 Millionen Fahrzeuge.
Die Zahl der Elektroautos stieg jedoch wesentlich stärker: +38 Prozent auf 2,14 Millionen Fahrzeuge. Ihr Marktanteil erhöhte sich damit von 18 auf 23 Prozent.
Plug-in-Hybride legten um 22 Prozent auf knapp 967.000 Fahrzeuge zu, Vollhybride um 13 Prozent auf 1,27 Millionen. Der Anteil von Fahrzeugen ohne elektrifizierten Antrieb, Benziner und Diesel zusammen, sank dagegen innerhalb eines Jahres von 58 auf 50 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelt sich gleichzeitig der Wettbewerb auf dem europäischen Automarkt. Chinesische Hersteller steigerten ihre Verkäufe im August um 111 Prozent auf 97.639 Fahrzeuge. Ihr Marktanteil erreichte mit 11,7 Prozent einen neuen Höchststand.
Besonders stark wächst Chery: Die Gruppe steigerte ihre Verkäufe um 210 Prozent auf 24.332 Fahrzeuge. BYD kam auf 26.103 Zulassungen, das ist ein Plus von 131 Prozent.
SAIC, zu dem unter anderem MG gehört, lag mit 21.132 Fahrzeugen und einem Wachstum von 32 Prozent auf Platz drei unter den chinesischen Herstellern.
Damit verändert sich auch die Wettbewerbssituation für Europas etablierte Autobauer. Der starke Zuwachs chinesischer Marken fällt zeitlich mit der beschleunigten Elektrifizierung des europäischen Marktes zusammen.
Bei den großen europäischen Herstellern zeigt sich ein gemischtes Bild.
Der Volkswagen-Konzern bleibt mit 210.376 Zulassungen Marktführer, musste im August allerdings ein Minus von 3,5 Prozent hinnehmen. Die Marke Volkswagen verlor 3,8 Prozent, Audi sogar 11 Prozent. Škoda konnte dagegen um 5,5 Prozent zulegen, unter anderem dank der Elektro-SUVs Enyaq und Elroq.
Stellantis kam mit 110.697 Fahrzeugen nahezu auf das Vorjahresniveau (-0,7 Prozent). Renault verlor 4,6 Prozent, wobei die Marke selbst von neuen Elektromodellen wie Renault 5 E-Tech, Renault 4 E-Tech und Twingo E-Tech profitierte.
Bei den Premiumherstellern legte Mercedes-Benz um 5,4 Prozent zu, Volvo steigerte seinen Anteil ebenfalls leicht, während BMW knapp unter dem Vorjahresniveau blieb.
Auch Tesla konnte im August wieder zulegen. Die Zulassungen stiegen um knapp zehn Prozent, wobei insbesondere das Model Y zum Wachstum beitrug.
Noch deutlich stärker wächst allerdings BYD. Der chinesische Hersteller baut damit seine Präsenz in Europa weiter aus. Gleichzeitig kommen zahlreiche weitere chinesische Marken auf den Markt.
Für Europas Autoindustrie bedeutet das: Der Wandel zum Elektroauto findet nicht nur bei den Antrieben statt. Auch die Kräfteverhältnisse unter den Herstellern verschieben sich.
Die August-Zahlen bestätigen damit einen Trend, der sich bereits im ersten Halbjahr abgezeichnet hat: Der europäische Neuwagenmarkt wächst moderat, aber der Antriebsmix verändert sich extrem schnell.
Während vor allem Batterieautos, aber auch Plug-in-Hybride und Vollhybride zulegen, verlieren Benzin und Diesel weiter an Bedeutung. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller.
Die entscheidende Entwicklung ist damit nicht mehr, ob sich der europäische Automarkt elektrifiziert, sondern wie schnell, und welche Hersteller von diesem Wandel profitieren.