Elektroauto als Hausbatterie und Netzspeicher: Kalifornien baut Vehicle-to-Grid-Angebot aus
Neu hinzu kommen die Technologiepartner Bidirectional Energy und PowerFlex. Gleichzeitig wird die Liste kompatibler Elektroautos erweitert. Dazu gehören unter anderem der Nissan Leaf, Volvo EX90, Polestar 3, Kia EV9 und Kia EV6. Auch neue Modelle von General Motors, darunter der Chevrolet Bolt und mehrere Cadillac-Modelle, sollen teilnehmen können.
Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Ein kompatibles Elektroauto kann über ein bidirektionales Ladegerät nicht nur Strom aufnehmen, sondern ihn auch wieder abgeben. Bei einem Stromausfall kann die Fahrzeugbatterie das Haus mit Energie versorgen. In Zeiten hoher Strompreise kann gespeicherter Strom genutzt werden, um die Energiekosten zu reduzieren.
Noch interessanter wird es für das Stromnetz: Wenn besonders viel Strom benötigt wird, können Elektroautos einen Teil ihrer gespeicherten Energie zurück ins Netz liefern. Damit werden Millionen von Fahrzeugbatterien perspektivisch zu einem verteilten Großspeicher, der zur Stabilisierung des Stromsystems beitragen kann.
PG&E will den Einstieg in die Technologie mit finanziellen Anreizen beschleunigen. Für private Kund:innen gibt es unter anderem 2.500 US-Dollar als Basisförderung, in bestimmten benachteiligten Gemeinden 3.000 Dollar. Zusätzlich ist ein Frühbucherbonus von 1.500 Dollar für die ersten 250 Teilnehmer:innen vorgesehen.
Für bestimmte neue Fahrzeug-Ladegerät-Kombinationen können über Fördermittel der California Energy Commission insgesamt bis zu 13.000 US-Dollar an zusätzlichen Anreizen möglich sein. Die Teilnahme ist nach Angaben von PG&E bis 30. Juni 2027 möglich.
Das Programm beschränkt sich nicht auf Privathaushalte. PG&E arbeitet bereits mit Schulbezirken in Fremont, Oakland und San Francisco an bidirektionalen Elektro-Schulbussen. Die großen Batterien der Busse können dabei nicht nur emissionsfreien Transport ermöglichen, sondern künftig ebenfalls als Energiespeicher dienen.
Die Entwicklung zeigt, wohin sich Elektromobilität bewegen kann: Das Auto steht künftig nicht mehr nur auf dem Parkplatz und wartet auf die nächste Fahrt. Es kann Strom speichern, ein Haus versorgen und bei Bedarf sogar das Stromnetz unterstützen.
Damit bekommt die ohnehin große Batterie eines Elektroautos eine zweite Funktion. Besonders in Kombination mit Photovoltaik kann daraus ein flexibles Energiesystem entstehen: Sonnenstrom laden, im Auto speichern, abends das Haus versorgen und bei Bedarf Energie ins Netz zurückgeben.
Für die Energiewende ist das ein wichtiger Schritt. Denn je mehr erneuerbare Energie ins Stromsystem kommt, desto wichtiger werden flexible Speicher. Das Elektroauto könnte dabei zu einem der größten dezentralen Speicher werden, ohne dass dafür zusätzliche Batterien installiert werden müssen.