Elektro-LKW lädt erstmals mit über 1 Megawatt
Die Tests fanden auf dem Werkhof des Nationalstrassen-Gebiets VI in Oberbüren (SG) statt. Damit gilt das Hauptziel des Projekts als erreicht: die Praxistauglichkeit von Mega Charging für Langstrecken-LKW nachzuweisen.
42 Minuten für 70 Prozent Batterieladung
Getestet wurde ein Prototyp mit 1.000 Kilowattstunden Batteriekapazität. In 42 Minuten wurde der Ladezustand von 10 auf 80 Prozent erhöht – das entspricht 625 Kilowattstunden Energiezufuhr bei einer durchschnittlichen Ladeleistung von 906 Kilowatt.
„Ein 40-Tonner lädt dank Mega Charging so schnell wie ein Elektroauto – nur mit ungleich höherer Leistung. Das ist der Schlüssel, um den Schwerlastverkehr zu elektrifizieren“, erklärt Niels Ross, Projektleiter Ladetechnik bei Designwerk.
Die Ladezeiten passen in die vorgeschriebenen Fahrerpausen und ermöglichen Tagesreichweiten von bis zu 1.000 Kilometern. Schon in den ersten fünf Minuten der Schnellladung wurden 81 Kilowattstunden übertragen – genug Energie, um ein gängiges Elektroauto komplett zu laden.
Containerlösung mit Pufferbatterien
Das von Designwerk entwickelte Megawatt-Ladesystem ist als mobile Containerlösung konzipiert. Integrierte Batteriepuffer speichern überschüssigen Strom, etwa aus Photovoltaikanlagen, und gleichen Lastspitzen aus. Dadurch lässt sich auch ohne Netzausbau Megawatt-Ladeinfrastruktur bereitstellen.
Zudem können Second-Life-Batterien aus ausgemusterten E-LKW genutzt werden, was sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile bringt.
Perspektiven für die Branche
Die Testergebnisse gelten als wichtiger Schritt zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs. Der Einsatz elektrischer LKW könnte künftig tausende Tonnen CO₂ jährlich einsparen. Auch die Marktdaten zeigen eine wachsende Dynamik: In der Schweiz stiegen die Neuzulassungen batterieelektrischer Trucks in den ersten beiden Quartalen 2025 um über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Designwerk arbeitet nun an der Integration zusätzlicher Steuerungsfunktionen sowie an der finalen Implementierung des Kommunikationsstandards für das Megawatt Charging System (MCS). Die Kleinserienproduktion der Ladegeräte läuft bereits.
Infobox
Testzeitraum und Ort
Wann: 28. – 31. Juli 2024
Wo: Nationalstrassen Gebiet VI (GEVI), Oberbüren SG
Testaufbau
- Fahrzeug: Designwerk-Prototypen-E-LKW, 800-Volt-Plattform, Gesamtkapazität von 1’000 kWh (aufgeteilt in 4 x 250 kWh Lithium-Ionen-Batterien)
- Ladeinfrastruktur: Megawatt Charging System (MCS) mit integriertem Batteriepuffer (Lithium-Ionen NMC)
Messwerte
- Maximale Ladeleistung: 1’140 kW (8 % über Zielwert)
- Dauerlast-Test: 625 kWh in 42 Minuten (10 – 80 % SoC)
- Durchschnittliche Ladeleistung: 906 kW
- Maximaler Ladestrom: 1’530 A
Projektziele und Ergebnisse
- Ziel: Nachweis des Megawatt-Ladens unter Realbedingungen
- Ergebnis: Technisches Ziel erreicht, Ladezeiten im Bereich gesetzlicher Fahrerpausen
Besonderheiten
- Einsatz von integrierten Pufferspeichern für netzunabhängiges Laden
- Nutzung von Second-Life-Batterien möglich
- Containerbasierte, mobil einsetzbare All-in-One-Lösung
Projektbeteiligte
- Projektleitung: Designwerk Technologies AG
- Unterstützung: Bundesamt für Energie (BFE)
- Pilotkunden: Galliker Transport AG, Nationalstrassen Gebiet VI (GEVI)
- Projektpartner: Berner Fachhochschule BFH, Ostschweizer Fachhochschule OST, Wyssmann LLC