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Ein offener Brief an die Bundesregierung: MEHR für Mentoring - MEHR für Österreich

06.12.2025

Eine gemeinsame Bitte: 1:1 Mentoring als gesellschaftliche Zukunftsinvestition

pexels-karola-g-mentoring-lernen.jpg
© pexels.com karola
 

Sehr geehrter Herr Vizekanzler Babler,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Schumann,
sehr geehrter Herr Bundesminister Hattmansdorfer,
sehr geehrter Herr Bundesminister Wiederkehr,

 

am heutigen Tag des Ehrenamts möchten wir – stellvertretend für alle freiwillig engagierten Mentorinnen und Mentoren in ganz Österreich – unseren Appell an Sie richten: Stärken Sie freiwilliges, soziales Mentoring als zentrale Zukunftsressource unseres Landes.
 

Österreich zählt zu den engagiertesten Ländern Europas. Jede zweite Person ab 15 Jahren engagiert sich freiwillig – viele davon für junge Menschen. Doch ein Bereich bleibt nach wie vor unterfinanziert, unterrepräsentiert und in seiner gesellschaftlichen Bedeutung unterschätzt: Mentoring auf Beziehungsbasis.
Eine erwachsene, erfahrenere Person, die einem jungen Menschen Zeit schenkt, zuhört, stärkt und begleitet – das ist weder ein Luxus noch ein "Nice-to-have". Es ist ein zutiefst wirksamer Bestandteil sozialer Infrastruktur.

Mit diesem offenen Brief richten wir uns daher an Sie alle – mit einem gemeinsamen Anliegen und spezifischen Erwartungen an Ihre Ressorts. 

 

An Vizekanzler Andreas Babler – Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport

Ehrenamt als Teil unserer gelebten Kultur

Freiwilliges Engagement ist ein kulturelles Gut. Es verbindet Menschen generationenübergreifend, schafft Räume der Zugehörigkeit und macht unsere Gesellschaft resilient.
Mentoring verkörpert genau dieses kulturelle Versprechen: Beziehungen, die tragen, Werte, die verbinden, und gemeinsames Lernen, das unsere Gesellschaft stärkt.

Wir ersuchen Sie, ziviles Engagement – insbesondere im Kinder- und Jugendbereich – im kulturpolitischen Rahmen sichtbarer zu verankern und in der Förderlandschaft eine klare Linie zu schaffen, die das soziale Ehrenamt, dem sportlichen gleich, als Kulturpraxis anerkennt und stärkt. 
 

An Bundesministerin Korinna Schumann – Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

Mentoring als sozialer Schutzfaktor

Junge Menschen stehen vor wachsenden Belastungen: Einsamkeit, psychische Herausforderungen, fehlende Unterstützungssysteme.
Mentoring wirkt hier präventiv – durch persönliche, stabile Beziehungen, in denen Vertrauen wachsen kann. Es ergänzt systemische Angebote, entlastet Fachkräfte und stärkt Kinder und Jugendliche nachhaltig dort, wo Hilfe selten ankommt: im individuellen Alltag.

Wir fordern, dass soziale Mentoringprogramme als ergänzende psychosoziale Maßnahme anerkannt und strukturell gefördert werden, um Prävention statt Reparaturarbeit möglich zu machen. 

 

An Bundesminister Wolfgang Hattmansdorfer – Wirtschaft, Energie und Tourismus

Chancengerecht in die Arbeitswelt starten

Viele junge Menschen scheitern nicht an fehlender Motivation, sondern an fehlenden Netzwerken und Orientierung.
Mentor*innen vermitteln Perspektiven, öffnen Türen zur Arbeitswelt und begleiten beim Übergang von der Schule ins Berufsleben – mit messbaren Erfolgen.

Wir bitten Sie daher, Mentoring als Arbeitsmarkt- und Fachkräftestrategie mitzudenken:
durch wirksame Förderung von Programmen und Verbänden, die Jugendlichen den Einstieg erleichtern und Unternehmen ermöglichen, sich gesellschaftlich wirksam einzubringen. 

 

An Bundesminister Christoph Wiederkehr – Bildung, Wissenschaft und Forschung

Eine starke Ergänzung für das Bildungssystem

Mentoring schafft, was Schulen allein nicht leisten können:
Zeit, individuelle Zuwendung und Unterstützung über den Unterricht hinaus.
Mentor*innen stärken Bildungswege, entlasten Lehrpersonen und fördern Lernmotivation und Resilienz.

Wir ersuchen Sie, soziales Mentoring als ressourcenstarke Ergänzung im Bildungssystem zu verankern – als anerkanntes Kooperationsformat, als sozialpädagogische Unterstützung und als Teil moderner Bildungsentwicklung. 

 

Unsere gemeinsame Bitte an die Regierung

Wir laden Sie ein, 1:1 Mentoring als gesellschaftliche Zukunftsinvestition zu verstehen – und folgende Schritte umzusetzen:

  1. Schaffung einer eigenen Förderlinie für Mentoringprogramme, die bundesweit gilt und Dachverbandsstrukturen inkludiert.
  2. Verankerung von Mentoring in relevanten Strategien (Bildung, Soziales, Jugend, Arbeitsmarkt).
  3. Sichtbare Anerkennung des Engagements der Mentor*innen, Pat*innen und Buddys, die österreichweit freiwillig Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene begleiten.
  4. Langfristige Absicherung von Programmen, die nachweislich Lebenswege positiv beeinflussen.   



Zum Tag des Ehrenamts sagen wir allen Mentor*innen DANKE.
Für Ihre Zeit. Ihre Beziehungen. Ihre Wirkung.

Und wir sagen der Politik:
Nutzen Sie dieses Potenzial. Stärken Sie es. Und lassen Sie uns gemeinsam Zukunft gestalten – Beziehung für Beziehung.

 

Mit freundlichen Grüßen,
Mentoring Austria
Dachverband für soziales Mentoring in Österreich

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