Diesel-Krise kostet Europa täglich 203 Millionen Euro!
Besonders stark trifft die Entwicklung den Straßenverkehr. Laut T&E sind 38 Prozent der Pkw auf EU-Straßen Diesel-Fahrzeuge. Damit ist Europa unter den großen Weltregionen besonders stark von steigenden Dieselpreisen betroffen. Für einen 50-Liter-Tank errechnet T&E aktuell einen zusätzlichen Aufwand von rund 30 Euro gegenüber dem Preisniveau vor der Krise. Bei Lkw summieren sich die Mehrkosten auf durchschnittlich 236 Euro pro Woche.
Hinter den hohen Preisen steht laut T&E nicht allein der Rohölpreis. Die Versorgung mit raffinierten Ölprodukten ist angespannt, wodurch die Preisdifferenz zwischen Rohöl und Diesel deutlich größer geworden ist. Davon profitieren die Eigentümer der Raffinerien.
T&E verweist zudem auf die Gewinne großer Ölkonzerne: Acht große Ölunternehmen erzielten im ersten Halbjahr 2026 in der EU zusammen 7,5 Milliarden Euro an Übergewinnen, so die Organisation.
Für Europa ist die Situation deshalb besonders relevant, weil Diesel nicht nur für Pkw, sondern in großem Umfang für den Gütertransport eingesetzt wird. Nach Angaben von T&E entfallen 77 Prozent des Diesel- und Gasölverbrauchs in der EU auf den Straßenverkehr. Steigende Kraftstoffkosten wirken damit auch auf die Preise von Waren und Dienstleistungen.
Ein weiterer Faktor ist das Alter des europäischen Dieselbestands. Rund 30 Prozent der Diesel-Pkw sind älter als 15 Jahre. T&E argumentiert, dass Abwrack- beziehungsweise Verschrottungsprogramme einen Teil dieser Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen und gleichzeitig den Umstieg auf Elektroautos beschleunigen könnten.
Die Dimension der aktuellen Mehrkosten macht die Rechnung der Umweltorganisation deutlich: Sollte der Diesel-Aufschlag bis Weihnachten anhalten, würde die EU laut T&E insgesamt ungefähr so viel zusätzlich ausgeben, wie ein 2.000-Euro-Verschrottungsbonus für jeden Diesel-Pkw über 15 Jahre kosten würde.
T&E fordert deshalb, einen Teil der Mittel gezielt für den Austausch alter Fahrzeuge und die Elektrifizierung des Verkehrs einzusetzen. Dabei handelt es sich um eine Forderung der Organisation, nicht um eine bereits beschlossene EU-Maßnahme.
Neben dem Umstieg auf Elektrofahrzeuge sieht T&E auch kurzfristige Möglichkeiten, den Dieselverbrauch zu senken. Eine Kombination aus 10 km/h niedrigeren Autobahngeschwindigkeiten, spritsparender Fahrweise und mehr Carsharing könnte den Dieselbedarf nach einer auf einem IEA-Szenario basierenden T&E-Analyse um bis zu 15 Prozent reduzieren.
Langfristig setzt die Organisation vor allem auf die Elektrifizierung von Pkw und Nutzfahrzeugen. T&E plädiert außerdem dafür, die bestehenden EU-Ziele für CO₂-Emissionen von Neuwagen beizubehalten und die Elektrifizierung von Firmenflotten und Lkw weiter voranzutreiben.
Die aktuelle Entwicklung zeigt damit eine grundsätzliche Schwachstelle des europäischen Verkehrssystems: Je mehr Öl ein Verkehrssystem benötigt, desto stärker wirken sich internationale Krisen unmittelbar auf Haushalte und Unternehmen aus.
T&E sieht in der Elektrifizierung deshalb nicht nur eine Klimaschutzmaßnahme, sondern auch eine Möglichkeit, Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu reduzieren. Weniger Ölverbrauch bedeutet weniger Preissensibilität gegenüber internationalen Öl- und Raffineriemärkten.
Für Autofahrer:innen und für Speditionen wird die geopolitische Krise derzeit direkt an der Tankstelle sichtbar – für Europas Wirtschaft zusätzlich über die gestiegenen Transportkosten.