Die große Frage hinter der Spritpreisbremse: VCÖ fordert Maßnahmen für weniger Verbrauch
Denn entscheidend für die tatsächlichen Kosten des Autofahrens sind sowohl der Preis pro Liter als auch der Verbrauch des Fahrzeugs. Wird der Verbrauch beispielsweise durch spritsparendes Fahren um 20 Prozent reduziert, entspricht das laut VCÖ rechnerisch einer Senkung des Spritpreises von 2,23 auf 1,78 Euro pro Liter.
Weniger verbrauchen statt nur billiger tanken
Der VCÖ fordert deshalb eine bundesweite Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren. Dazu gehören unter anderem vorausschauendes Fahren, geringere Geschwindigkeiten und das Vermeiden unnötiger Beschleunigungs- und Bremsvorgänge. Auch Fahrgemeinschaften sollen stärker unterstützt werden.
Eine weitere Möglichkeit sieht der VCÖ im Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Als konkreten finanziellen Anreiz schlägt die Organisation vor, regionale Klimatickets und das Klimaticket Österreich zeitlich befristet um 20 Prozent zu verbilligen.
Bereits Anfang September hatte der VCÖ angesichts der hohen Dieselpreise ähnliche Maßnahmen gefordert. Dabei verwies er unter anderem auf das Potenzial spritsparender Fahrweise: Wer auf der Autobahn statt 130 km/h mit 110 km/h fährt, kann den Verbrauch laut VCÖ im Durchschnitt um rund 17 Prozent reduzieren, bei Tempo 100 sind es rund 23 Prozent.
Tempo runter = Verbrauch runter
Auch bei den Tempolimits sieht der VCÖ ein großes Einsparpotenzial. Niedrigere Geschwindigkeiten reduzieren grundsätzlich Energieverbrauch und Emissionen. Das Umweltbundesamt weist beispielsweise für die österreichische Pkw-Flotte bei flüssigem Autobahnverkehr einen um rund 23 Prozent niedrigeren CO₂-Ausstoß bei Tempo 100 gegenüber Tempo 130 aus.
Nach Angaben des VCÖ würde ein österreichweites Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen und 90 km/h auf Freilandstraßen den Verbrauch von Benzin und Diesel um rund 110 Millionen Liter pro Jahr reduzieren. Bei Tempo 100 auf Autobahnen und 80 km/h auf Freilandstraßen wären es demnach sogar rund 270 Millionen Liter jährlich.
Das Umweltbundesamt bestätigt grundsätzlich den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Verbrauch: Mit sinkender Geschwindigkeit gehen bei flüssigem Verkehr auch Treibstoffverbrauch, Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen zurück.
Für den VCÖ geht es aber eigentlich um eine grundsätzliche Frage: Wie kann Österreich die Abhängigkeit vom teuren Treibstoff dauerhaft reduzieren? Eine reine Entlastung an der Zapfsäule verändert den Verbrauch nicht. Maßnahmen für weniger Autofahrten, effizienteres Fahren und einen leichteren Umstieg auf Bahn und Bus könnten dagegen gleichzeitig die Kosten für Haushalte und den Treibstoffbedarf Österreichs senken.
Österreich verfügt beim Bahnfahren bereits über eine vergleichsweise hohe Nutzung: Laut einer aktuellen VCÖ-Analyse auf Basis von EU-Daten wurden im Vorjahr pro Einwohner:in durchschnittlich 1.640 Bahnkilometer zurückgelegt. Der VCÖ sieht angesichts der hohen Spritpreise weiteres Potenzial für den Umstieg vom Auto auf die Bahn.