Deutschlands größtes Solar-Heizkraftwerk startet: Leipzig setzt Maßstäbe für die Wärmewende
Leipzig - Ein neues Kapitel der Energiewende wird in Sachsen geschrieben: In Leipzig ist Deutschlands größte Solarthermieanlage offiziell in Betrieb gegangen. Die Anlage, die von den Leipziger Stadtwerken gemeinsam mit dem Technologiepartner Ritter XL Solar errichtet wurde, speist künftig klimafreundliche Wärme direkt in das Fernwärmenetz der Stadt ein. Mit rund 13.000 Solarkollektoren zählt das Projekt nicht nur zu den größten seiner Art in Deutschland, sondern auch weltweit.
Nach rund anderthalb Jahren Bauzeit fließt nun die erste Sonnenwärme ins Leipziger Fernwärmesystem. Im Sommer soll die Anlage in den regulären Dauerbetrieb übergehen und einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Versorgung der Stadt leisten.
Das neue Solar-Heizkraftwerk erzeugt Wärme direkt aus Sonnenenergie. Das in den Kollektoren erhitzte Wasser erreicht Temperaturen von bis zu 110 Grad Celsius und wird über das bestehende Fernwärmenetz an Haushalte und Unternehmen verteilt.
Im Sommer kann die Anlage nach Angaben der Leipziger Stadtwerke bis zu 20 Prozent des täglichen Wärmebedarfs der Stadt decken. Über das gesamte Jahr gerechnet werden durchschnittlich rund zwei Prozent der Leipziger Fernwärmeversorgung durch Sonnenenergie bereitgestellt.
„Nachhaltigkeit heißt für uns, Versorgungssicherheit und Klimaschutz zusammenzudenken und voranzutreiben“, erklärt Karsten Rogall, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke. Mit der neuen Anlage werde der Anteil erneuerbarer Energien im Fernwärmesystem deutlich erhöht.
Für das Projekt investieren die Stadtwerke rund 40 Millionen Euro. Etwa 16 Millionen Euro stammen aus Fördermitteln.
Für die Solarbranche hat die Inbetriebnahme weit über Leipzig hinaus Bedeutung. Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht in dem Projekt einen wichtigen Meilenstein für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.
„Die Inbetriebnahme der größten Solarthermieanlage Deutschlands ist ein starkes Signal für die Wärmewende“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. „Das Leipziger Projekt zeigt, dass erneuerbare Wärme heute bereits im Kraftwerksmaßstab zur Versorgung von Städten eingesetzt werden kann.“
Auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter bezeichnete das Vorhaben als wegweisend. Leipzig setze mit dem Ausbau der Fernwärme, der Nutzung industrieller Abwärme und dem Einsatz von Solarthermie bundesweit beachtete Akzente und zeige, wie Versorgungssicherheit und Klimaschutz erfolgreich miteinander verbunden werden können.
Nach Angaben von Ritter XL Solar handelt es sich um die größte Solarthermieanlage Deutschlands und gleichzeitig um die viertgrößte Anlage weltweit, die Wärme direkt in ein Fernwärmenetz einspeist.
„Wir haben bereits mehrere Großprojekte realisiert – von Potsdam über Mühlhausen bis Greifswald. Doch Leipzig ist eine neue Dimension“, sagt Moritz Ritter, Beiratsvorsitzender von Ritter Solartechnik und Präsident des Bereichs Solarthermie im Bundesverband Solarwirtschaft. Das Konzept könne künftig als Vorbild für zahlreiche weitere Städte dienen.
Zum Einsatz kommt modernste Solarthermie-Technologie. Ein intelligentes Steuerungssystem analysiert kontinuierlich die Sonneneinstrahlung und passt die Fließgeschwindigkeit des Wassers automatisch an.
„Je geringer die Sonneneinstrahlung, desto langsamer fließt das Wasser durch die Kollektoren und kann sich stärker erwärmen“, erklärt Matthias Johler, Geschäftsführer von Ritter Solartechnik. Die verwendeten Vakuum-Kollektoren arbeiten ähnlich wie eine Thermoskanne und minimieren Wärmeverluste.
Neben der Energieerzeugung wurde auch auf ökologische Aspekte Wert gelegt. Große Teile des Geländes bleiben unversiegelt und werden künftig als Blühwiesen gestaltet. Obstbäume, Mischhecken und extensive Grünflächen sollen Lebensraum für zahlreiche Tierarten schaffen.
Zur Pflege der Flächen ist sogar eine Schafherde vorgesehen. Erfahrungen anderer Anlagen zeigen, dass sich auf solchen Arealen auch Hasen, Igel, Insekten und viele Vogelarten ansiedeln.
„Die neue Solarthermie Leipzig West zeigt, wie erneuerbare Energien und Artenschutz miteinander verbunden werden können“, betont Leipzigs Klimabürgermeister Heiko Rosenthal.
Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht in Leipzig erst den Anfang einer größeren Entwicklung. Zwar sind derzeit bundesweit rund 60 Solarthermie-Freiflächenanlagen in Betrieb, doch angesichts von rund 3.800 Wärmenetzen in Deutschland besteht noch erhebliches Ausbaupotenzial.
Nach Berechnungen der Prognos AG könnte netzgebundene Solarthermie künftig jährlich rund 4,5 Terawattstunden erneuerbare Wärme bereitstellen und damit einen wichtigen Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung leisten.
Mit der Inbetriebnahme des Leipziger Solar-Heizkraftwerks wird nun sichtbar, wie diese Zukunft aussehen kann: Sonnenenergie nicht nur für Strom, sondern auch als verlässliche Wärmequelle für ganze Städte. Leipzig setzt damit ein deutliches Zeichen für die Wärmewende und könnte zum Vorbild für viele andere Kommunen werden.