Für Browser < IE 11 nicht optimiert. Verwenden Sie bitte einen aktuelleren Browser.
Skip to main content
Ökonwes
  • Sonne
  • Wind
  • Biomasse
  • Mobilität
  • Nachhaltigkeit(current)1
    • Nachhaltigkeit
    • Vernetzung
    • Wasser
    • weitere Energien
    • Ersatz fossiler Energie
    • Umweltschutz
    • Bauen
    • offene Briefe
    • Ansichtssache
    • Buch-Tipp
    • Heroes for future
    • Jobs
    • Ernährung und Gesundheit(current)2
    • Ökologisch Investieren
  1. oekonews
  2. Nachhaltigkeit
  3. Ernährung und Gesundheit

Deutschland ist für Winter gebaut – nicht für Hitzewellen

27.07.2026

Hitze ist wie ein Erdbeben – nur dass ihr Zerstörungspotenzial weitgehend unsichtbar bleibt. Sie hinterlässt keine eingestürzten Häuser. Keine zerstörten Straßen. Keine Bilder, die am nächsten Tag um die Welt gehen.

pexels-wunderlich-AlterKlimawandel.jpg
© Perry Wunderlich pexels.com
Und doch forderte sie nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) allein bis Ende Juni dieses Jahres bereits mehr als 5.000 Menschenleben – mehr als in den beiden Sommern 2024 und 2025 zusammen. Besonders betroffen sind hochbetagte, gebrechliche und mehrfacherkrankte Menschen. Für die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) zeigen diese Zahlen: Deutschland muss Hitzeschutz neu denken – nicht erst in der Medizin, sondern schon bei der Planung von Pflegeheimen, Kliniken und Wohnraum.

„Wir haben unsere Gebäude jahrzehntelang vor allem darauf optimiert, im Winter möglichst wenig Wärme zu verlieren. Jetzt müssen wir den Wärmeschutz gleichrangig mitdenken und Räume so gestalten, dass sie sich im Sommer auch möglichst wenig aufheizen“, sagt Filippo Maria Verri vom Institut für Geriatrische Forschung der Universität Ulm. Der Altersmediziner mit Public-Health-Hintergrund beschäftigt sich mit einer Frage, die weit über die Geriatrie hinausgeht: Wie müssen Städte, Quartiere und Gebäude künftig gestaltet werden, damit ältere Menschen gesund durch heiße Sommer kommen? Im Forschungsprojekt KLEVER verbindet Verri gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP und der Technischen Hochschule Ulm physiologische Daten mit Raumklimadaten, um praxistaugliche Strategien für Bestands- und Neubauten zu entwickeln.
 

Nicht neu bauen – anders denken
 

Nicht jedes Pflegeheim und nicht jede Klinik können in den nächsten Jahren grundlegend umgebaut werden. Das sei nicht überall sofort notwendig, betont Verri. Viele Maßnahmen ließen sich bereits heute schrittweise umsetzen.
 

„Wir müssen nicht alles auf einmal machen. Zunächst sollten wir dort ansetzen, wo die Belastung am größten ist: in Zimmern auf der Süd- oder Westseite, unter dem Dach oder in Bereichen mit großen Fensterflächen“, so Verri. Der erste Schritt ist oft keine Großbaustelle, sondern eine systematische Erfassung der Raumtemperaturen: Welche Räume überhitzen wann und welche besonders vulnerablen Menschen halten sich dort auf? Außenliegende Verschattung, Sonnenschutzfolien oder Markisen könnten verhindern, dass sich Räume überhaupt stark aufheizen. Auch begrünte Außenbereiche, eine kluge Lüftungsstrategie oder die zeitweise Nutzung kühlerer Räume könnten die Belastung deutlich reduzieren.
 

„Besonders kritisch sind Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt“, weiß Verri aus der Forschung. „Wenn Außenluft und Gebäudehülle kaum abkühlen, kann gespeicherte Wärme nicht abgeführt werden, und älteren Menschen fehlt die physiologisch wichtige Erholungsphase. Wir müssen nicht jeden Quadratmeter klimatisieren. Aber in Hochrisikobereichen kann gezielte technische Kühlung Leben retten!“, ist ihm deshalb wichtig zu betonen. Langfristig müsse Hitzeschutz jedoch selbstverständlich Teil jeder Planung werden – genauso wie Energieeffizienz oder Barrierefreiheit.
 

Was Deutschland vom Süden lernen kann
 

Filippo Verri ist in Süditalien aufgewachsen. Dort gehört der Umgang mit extremer Sommerhitze seit Generationen zum Alltag. „In Süditalien erkennt man die Touristen sofort – sie laufen mittags in der Sonne herum.“
 

Fensterläden schließen, Gebäude verschatten, Aktivitäten in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen oder Aufenthaltsorte gezielt anpassen – Deutschland muss diese Lebensweise nicht kopieren. Von den Erfahrungen lässt sich trotzdem lernen. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, ist Verri überzeugt, „sondern lediglich Bekanntes auf unsere Bedingungen übertragen.“
 

Eine Aufgabe für eine alternde Gesellschaft
 

Für Prof. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), reichen kurzfristige Maßnahmen allein nicht aus. Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigten deutlich, wen Hitzewellen besonders treffen.
 

„Vor allem hochbetagte und mehrfacherkrankte Menschen tragen das größte gesundheitliche Risiko. Genau diese Menschen versorgen wir als Geriaterinnen und Geriater jeden Tag. Mit Blick auf eine alternde Gesellschaft müssen wir deshalb heute beginnen, Hitzeschutz selbstverständlich mitzudenken – in Pflegeheimen, Kliniken, Wohnungen und unseren Städten.“ Langfristige Investitionen und kurzfristige, pragmatische Maßnahmen seien dabei keine Gegensätze. „Wir brauchen beides!“, so der Altersmediziner.
 

Die Sommer werden heißer. Entscheidend wird deshalb nicht allein sein, wie hoch das Thermometer steigt – sondern wie  man in unseren Breitengraden  seine ältesten und verletzlichsten Menschen schützt.
 

  • Drucken
  • Empfehlen
27.07.2026
Zum vorigen Artikel voriger Artikel

Greenpeace-Berechnung: 300 Hitzetote in Österreich während Hitzewelle im Juni

Zum nächsten Artikel nächster Artikel

Ein neuer Schalter für das Immunsystem

oekonews

Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Samstag, 15. August 2026, 69.913 Artikel Online

Weitere Themen

  • Wochenlange Hitze belastet Menschen mit chronischen Schmerzen besonders
  • Danube Private University forscht zu Umweltfaktoren bei Parkinson
  • Greenpeace und IG Milch fordern von Minister Totschnig starkes Klimagesetz und RenaturierungGrün
  • Armut erhöht die Belastung durch Hitze
  • Live-Messungen zeigen Hitze-Falle in Wohnungen von armutsbetroffenen Senior:innen
  • Zwischenbilanz Hitzetelefon: Größte Sorgen gelten heißen Wohnungen und gesundheitlichen Risiken
  • Der Tod durch Hitze ist vermeidbar 
  • Hitzeschutz fördert Schulerfolg, ist aber nicht für alle Kinder gleich verfügbar
  • Wie unsere Straßenbilder unseren Schlaf beeinflussen
  • Pflanzlich essen und Sport? Die Leistung bleibt  auf Kurs
  • zum ersten Set
  • zurück zum vorigen Set
  • 1(current)
  • 2
  • 3
  • weiter zum nächsten Set
  • zum letzten Set
3.330 Artikel | Seite 1 von 333

Newsletter

zur Anmeldung

Termintipp

Termin-Tipp buchen

Oekotermine

Werben auf oekonews

Direkt an der Zielgruppe

Wichtiger Artikel

STUDIE: Ohne Energiewende mehr Rohstoffverbrauch
  • Suche
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Über oekonews
  • Haftung
  • RSS
© 2026 oekonews.at
pexels-wunderlich-AlterKlimawandel.jpg

© Perry Wunderlich pexels.com