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COP30: „Globale Ziele brauchen nationale Umsetzung“

10.11.2025

Interview mit der Innsbrucker Geographin und Co-Vorsitzenden des aktuellen Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel, Margreth Keiler, anlässlich der Weltklimakonferenz COP30   

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Margreth Keiler im Gespräch über die zentralen Erkenntnisse des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel AAR2 und deren Bedeutung im Kontext internationaler Klimakonferenzen. © Eva Fessler
Vom 10. bis 21. November 2025 beraten Vertreter:innen aus fast 200 Staaten bei der UN-Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, über neue Klimaziele, die Finanzierung des globalen Klimaschutzes und über Strategien zur Anpassung an die Folgen der Erderwärmung. Die Erwartungen sind eher gedämpft, zu groß scheinen aus den Erfahrungen der letzten Jahre die Lücken zwischen formalen Zusagen und der tatsächlichen Umsetzung. Margreth Keiler, Professorin am Institut für Geographie der Uni Innsbruck und Leiterin des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der ÖAW, ist Co-Vorsitzende des Zweiten Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel. Im Interview ordnet sie globale Klimapolitik im nationalen Kontext ein.


Frau Keiler, zum 30. Mal wird in Kürze auf internationalem Parkett über Wege aus der Klimakrise verhandelt. Welche Bedeutung hat die COP aus Ihrer Sicht?


Margreth Keiler: Die COP ist jedes Jahr ein wichtiger Moment, um Bilanz zu ziehen. Diese Konferenzen sind wesentlich für den globalen Austausch. Aber das eigentliche Ergebnis zeigt sich danach in der konkreten Umsetzung. Klimapolitik wird international verhandelt, aber sie entscheidet sich national. Jedes Land muss Wege finden, die globalen Ziele in den eigenen Strukturen wirksam zu machen. Genau hier liegt die Herausforderung, aber auch die Chance: zu zeigen, dass Veränderung möglich ist. Wir haben mit dem im Sommer veröffentlichten Sachstandsbericht eine fundierte Grundlage geschaffen, die Orientierung in der nationalen Umsetzung über alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg bietet. Die Handlungsoptionen sind da, ebenso wie der nationale und internationale wissenschaftliche Konsens, nun ginge es um eine möglichst rasche Umsetzung klimaschützender Maßnahmen.



Wie sehen Sie die Lage in Österreich derzeit?


Keiler: Die wissenschaftlichen Daten sind eindeutig: Österreich hat sich seit 1900 um rund 3,1 Grad Celsius erwärmt, das heißt doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. Diese Entwicklung ist nicht abstrakt, sie verändert das Land. Hitzewellen dauern länger, Starkniederschläge werden intensiver, Trockenperioden häufen sich. Das betrifft Städte, die unter zunehmender Hitze leiden, genauso wie alpine Regionen, wo Muren und Rutschungen zunehmen. Wir sehen, dass Anpassung und Emissionsreduktion Hand in Hand gehen müssen, wenn wir die Risiken begrenzen wollen. Dieser Zugang wird auch im Rahmen der COP wieder eine zentrale Rolle spielen, wie sich jetzt im Vorfeld schon abzeichnet.


Was sind Ihrer Ansicht nach die dringendsten Schritte, die jetzt gesetzt werden müssen?


Keiler: Wir wissen, welche Maßnahmen wirken, es geht jetzt um die konsequente Umsetzung. Das bedeutet: den Ausstieg aus fossilen Energieträgern beschleunigen, Stromnetze und erneuerbare Energien gezielt ausbauen, Gebäude besser sanieren und Mobilität klimafreundlich gestalten. Gleichzeitig müssen wir uns auf Veränderungen vorbereiten, die sich nicht mehr verhindern lassen, etwa durch Begrünung und Entsiegelung in Städten, um Hitze entgegen zu wirken, durch angepasste Raumplanung oder durch Schutzsysteme in gefährdeten Gebirgsregionen. Der Klimabericht zeigt klar: Vorsorgender Klimaschutz ist langfristig deutlich kostengünstiger als die Bewältigung klimabedingter Schäden.


Die soziale Dimension der Klimakrise ist in Belém ein zentrales Thema. Welche Bedeutung hat sie aus Ihrer Sicht, auch mit Blick auf Österreich?


Keiler: Die Klimakrise ist immer auch eine soziale Frage. Die Folgen treffen Menschen unterschiedlich stark – je nach Einkommen, Gesundheitszustand oder Lebensumfeld. Ältere Menschen, Menschen mit geringem Einkommen oder Personen in schlecht gedämmten Wohnungen sind besonders belastet. Die Klimakrise hat auch eine ausgeprägte Gender-Dimension: Strukturelle Ungleichheiten, wie etwa eine ungleiche Verteilung von Sorgearbeit, machen Frauen besonders vulnerabel. Gleichzeitig verursachen jene mit dem höchsten Konsumniveau die meisten Emissionen. Diese Ungleichgewichte sehen wir weltweit, aber auch hierzulande. In Österreich verursacht das einkommensstärkste Zehntel der Bevölkerung durchschnittlich mehr als das Vierfache der Emissionen des einkommensschwächsten Zehntels. Eine gerechte Transformation ist daher entscheidend: Klimaschutzmaßnahmen müssen sozial ausgewogen gestaltet werden, damit sie wirksam sind und akzeptiert werden. Wenn Klimapolitik Lebensqualität verbessert – etwa durch bessere Luft, kühlere Städte und geringere Abhängigkeit von fossilen Energien – dann wird sie auch als Gewinn verstanden.


Viele Menschen empfinden die Dimension des Problems als überwältigend und setzen daher auch wenig Hoffnung in große Klimakonferenzen. Was kann Zuversicht geben?


Keiler: Die Zahlen sind ernst, aber sie sind kein Grund für Resignation. Wir wissen, was zu tun ist, und wir haben die Werkzeuge dafür. Investitionen in Klimaschutz und Anpassung sind langfristig günstiger als Nichthandeln. Sie schaffen Innovationen, Arbeitsplätze und eine höhere Lebensqualität. Der aktuelle Bericht zeigt, dass Österreich das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erreichen kann, wenn entschlossen gehandelt wird. Es ist also durchaus machbar, und wichtig ist auch immer zu betonen, dass eine klimafreundliche Gesellschaft eine Gesellschaft ist, in der sich alle Menschen wohl fühlen können. Gerade bei einer Konferenz wie der COP30 zeigt sich, dass Fortschritt von konkreten Beispielen abhängt. Wenn Länder zeigen, dass Wandel möglich ist, entsteht Glaubwürdigkeit – und aus Glaubwürdigkeit entsteht Zuversicht. Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen und zur Anpassung an den Klimawandel stärken unsere Resilienz und Unabhängigkeit und erhöhen die Lebensqualität für alle.


Und was entgegnen Sie der oft gehörten Meinung, ein kleines Land könne ohnehin nichts verändern?


Margreth Keiler: Kein Land ist zu klein, um Teil der Lösung zu sein. Österreich ist wissenschaftlich gut aufgestellt, hat funktionierende Institutionen und ein breites Bewusstsein in der Bevölkerung. Gleichzeitig müssen wir aber sehen, dass unser Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen weiterhin hoch ist: Mit rund acht Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Jahr liegt er deutlich über dem globalen Durchschnitt von etwa 6,5 Tonnen und auch über dem EU-Mittelwert (EDGAR 2025). Das zeigt, dass wir selbst noch großen Handlungsbedarf haben. Wenn wir zeigen, dass ambitionierter Klimaschutz in einem hochentwickelten Land umsetzbar ist, senden wir ein starkes Signal. Verantwortung bemisst sich nicht an der Größe eines Landes, sondern an seiner Bereitschaft, zu handeln. Klimapolitik ist zwar selbstverständlich internationale Zusammenarbeit – aber sie beginnt zu Hause. Auch kleinere Länder können zeigen, dass Wandel möglich ist.

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