Britischer SMR-Plan: Hohe Risiken hinter der Mini-Atomoffensive
Der SMR soll auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Wylfa entstehen und vom Rüstungskonzern Rolls-Royce entwickelt werden. Die Regierung setzt darauf, dass SMR-Blöcke schneller gebaut werden können als klassische Atomkraftwerke, die oft Jahrzehnte Verzögerung aufweisen. Bis 2030 sollen die ersten Anlagen Strom liefern.
Doch genau diese Versprechungen gelten in der Fachwelt als höchst fragwürdig. Bisher existieren weltweit kaum realisierte SMR-Projekte und jene, die begonnen wurden, leiden unter massivsten Kostenexplosionen. Auch in Großbritannien gibt es keine marktreifen Designs, geschweige denn genehmigte Serienfertigungen. Die reale Bauzeit dürfte daher weit über den wahrscheinlich viel zu optimistischen Regierungsangaben liegen.
Die Entscheidung zugunsten eines britischen SMR hat außerdem diplomatische Spannungen mit den USA ausgelöst. Washington hatte den Bau eines großen Westinghouse-Reaktors favorisiert und wirft London vor, energiepolitische Risiken in Kauf zu nehmen. Hinter den Kulissen wächst die Sorge, dass die britische Strategie die Zusammenarbeit bei Sicherheits- und Geheimdienstfragen belasten könnte.
Trotz politischer Rückendeckung bleiben fundamentale Risiken ungelöst:
SMR produzieren denselben problematischen Atommüll wie große Reaktoren – nur in mehr, dezentral verteilten Anlagen.
Das Sicherheitsniveau kleiner Reaktoren ist umstritten, da Notfallsysteme im Kleinformat weniger Redundanz bieten.
Der Standort Wylfa gilt wegen Küstenerosion und Extremwetter als potenziell gefährdet, was den langfristigen Betrieb zusätzlich infrage stellt.
Rund 3.000 neue Arbeitsplätze verspricht die Regierung für Nordwales. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Labourparty hier zuletzt Stimmen verloren hat. Kritiker sehen darin ein politisch motiviertes Prestigeprojekt, das Risiken vollends ausblendet und falsche Hoffnungen schürt.
Während zwei große Atomkraftwerke im Land bereits im Bau sind (Hinkley Point C und Sizewell C), bleibt unklar, wie realistisch die SMR-Pläne tatsächlich sind und wer dann für Kostenüberschreitungen haften wird.
Für viele Energieexperten ist klar: Die britische SMR-Strategie ist eigentlich absolut kein Klimaschutzprogramm, sondern eine teure Hochrisikowette auf unbewiesene Technologie.
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