Biomasse soll Energiewende absichern: Branche begrüßt neue Verordnung
Wien - Die österreichische Biomassebranche sieht in der Novelle der Nachhaltigen forstwirtschaftlichen Biomasse-Verordnung (NFBioV) einen wichtigen Schritt für die Energieversorgung Österreichs. Mit der Anpassung der Verordnung setzt Österreich zentrale Vorgaben der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) um und schafft nach Einschätzung des Österreichischen Biomasse-Verbandes (ÖBMV) mehr Klarheit für Unternehmen und Investoren.
Im Mittelpunkt der Neuregelung stehen strengere Nachhaltigkeitskriterien, neue Rohstoffdefinitionen sowie Vorgaben für die sogenannte Kaskadennutzung von Holz. Ziel ist es, die Nutzung von Biomasse stärker an den Anforderungen von Klimaschutz und Versorgungssicherheit auszurichten.
„Die Verordnung ist ein wesentlicher Schritt hin zu mehr Rechtssicherheit für die betroffenen Unternehmen und für die Anerkennung der Leistungen der Holzenergie für die Energieversorgungssicherheit“, erklärt Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes. Die neuen Regeln seien eine wichtige Grundlage für den weiteren Ausbau von Fernwärmeanlagen, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Energieprojekten in der Holzindustrie.
Holz zuerst als Rohstoff, dann als Energiequelle
Ein zentraler Punkt der Novelle betrifft die Kaskadennutzung von Holz. Dahinter steht das Prinzip, Holz zunächst möglichst hochwertig stofflich, etwa in der Bau- oder Möbelindustrie, einzusetzen und erst danach energetisch zu verwerten.
Dieses Prinzip funktioniert bereits weitgehend über Marktmechanismen, wie der Biomasseverband feststellt. Hochwertiges Holz werde dort eingesetzt, wo es den größten wirtschaftlichen Nutzen bringe, während Reststoffe und minderwertige Sortimente in Heizwerken oder Biomasseanlagen genutzt würden.
Die Verordnung stellt nun klar, dass Holz dann energetisch verwertet werden kann, wenn es unter den jeweiligen Marktbedingungen keinen höheren wirtschaftlichen Wert für industrielle Anwendungen erzielt. Dabei sollen sowohl die Situation auf den Holzmärkten als auch die Entwicklungen auf den Energiemärkten berücksichtigt werden.
Aus Sicht der Branche ist diese flexible Regelung entscheidend, um Zielkonflikte zwischen Rohstoffversorgung und Energieversorgung zu vermeiden. Zu strenge Vorgaben könnten dazu führen, dass weniger Holz energetisch genutzt wird und dadurch fossile Energieträger länger im Einsatz bleiben.
Wichtiger Baustein beim Ausstieg aus Öl und Gas
Die Bedeutung der Biomasse für Österreichs Energiesystem ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Mit einem Waldanteil von knapp 48 Prozent verfügt Österreich über große Holzressourcen. Biomasse stellt bereits heute rund die Hälfte aller erneuerbaren Energieträger im Land.
Besonders im Wärmesektor spielt Holzenergie eine zentrale Rolle. Rund 40 Prozent der Raumwärme in Österreich werden laut Branchenangaben durch Biomasse bereitgestellt, etwa in Form von Pellets, Hackgut oder Brennholz. Darüber hinaus kommt Biomasse in Heizwerken, Kraftwerken und industriellen Anlagen zum Einsatz.
Der Biomasseverband sieht darin einen wesentlichen Beitrag zum Ersatz fossiler Energieträger. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und schwankender Energiepreise werde die Bedeutung heimischer Energieressourcen für die Versorgungssicherheit immer deutlicher.
Beitrag zu den Klimazielen
Die Novelle steht auch im Zusammenhang mit den österreichischen Klima- und Energiezielen. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch auf mindestens 57 Prozent steigen. Biomasse gilt dabei neben Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik als eine der tragenden Säulen der Energiewende.
Befürworter argumentieren, dass Holzenergie vor allem dort unverzichtbar sei, wo andere erneuerbare Technologien an Grenzen stoßen, etwa bei der Bereitstellung von Prozesswärme in der Industrie oder bei der Wärmeversorgung in den Wintermonaten.
Kritiker weisen hingegen regelmäßig darauf hin, dass die energetische Nutzung von Holz sorgfältig mit den Zielen des Wald- und Naturschutzes abgestimmt werden müsse.
Mit der nun beschlossenen Novelle versucht Österreich, diesen Spagat zwischen Klimaschutz, nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Energieversorgung zu bewältigen. Für die Biomassebranche ist die Richtung klar: Sie sieht sich weiterhin als unverzichtbaren Baustein auf dem Weg zu einem Energiesystem, das ohne Erdöl und Erdgas auskommen soll.