Ausgediente Windräder werden zu E-Autoteilen: EU-Projekt macht Rotorblätter zur wertvollen Ressource
Mehr als 20 Quadratmeter große ausgediente Rotorblattsegmente wurden bereits erfolgreich geborgen und für neue Anwendungen aufbereitet. Die wiederverwendeten Materialien kommen unter anderem in Laderäumen von Elektrofahrzeugen sowie bei der Herstellung von Wärme- und Schalldämmstoffen zum Einsatz.
Wichtiger Schritt für die Kreislaufwirtschaft
Die Ergebnisse kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der europäischen Windbranche ein freiwilliges Deponieverbot für ausgediente Rotorblätter. Die Initiative des Branchenverbandes WindEurope soll verhindern, dass die riesigen Verbundwerkstoffe auf Müllhalden landen.
Das von der EU geförderte Projekt zeigt, dass die Materialien nicht entsorgt werden müssen, sondern als hochwertige Sekundärrohstoffe weiter genutzt werden können. Dadurch werden Deponierung und Verbrennung reduziert und wertvolle Ressourcen im Wirtschaftskreislauf gehalten.
Materialmodell mit über 90 Prozent Genauigkeit
Ein weiterer Erfolg des Projekts ist die Entwicklung eines Computermodells, das die mechanischen Eigenschaften gebrauchter Rotorblattmaterialien mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent vorhersagen kann. Die Abweichung zwischen Simulation und tatsächlichen Materialtests liegt bei weniger als zehn Prozent.
Diese hohe Präzision erleichtert die Entscheidung, welche Rotorblattteile direkt wiederverwendet und welche recycelt werden können.
Rotorblätter werden zu Dämmstoffen und Fahrzeugteilen
Im Rahmen des Projekts entstehen bereits konkrete Anwendungen:
- Aus recycelten Glasfasern werden leistungsfähige Wärme- und Schalldämmstoffe entwickelt.
- Große Rotorblattsegmente werden zu Bauteilen für Elektrofahrzeuge umfunktioniert.
- Neue Gewebe aus recycelten Glasfasern sollen künftig wieder in hochwertigen Verbundwerkstoffen eingesetzt werden.
Gleichzeitig arbeiten die Projektpartner an innovativen Recyclingverfahren wie Pyrolyse und Solvolyse. Ziel ist es, sowohl die wertvollen Glasfasern als auch Kunstharze möglichst hochwertig zurückzugewinnen.
Europa bereitet sich auf wachsende Mengen vor
Mit dem Ausbau der Windenergie werden in den kommenden Jahren immer mehr Anlagen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Deshalb untersucht das Projekt auch, welche Mengen an Rotorblättern künftig in Europa anfallen werden und wie daraus wirtschaftlich nutzbare Rohstoffe gewonnen werden können.
Neben technischen Lösungen analysieren die Forschenden auch die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der verschiedenen Recycling- und Wiederverwendungsstrategien.
Breites europäisches Forschungsnetzwerk
Koordiniert wird REWIND vom spanischen Kunststofftechnologiezentrum AIMPLAS. Es arbeiten jedoch Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen aus mehreren europäischen Ländern zusammen, um Kreislaufwirtschaft in der Windenergie voranzubringen.
Nach den erfolgreichen ersten beiden Projektjahren sollen nun die entwickelten Technologien im industriellen Maßstab getestet und marktreif gemacht werden.
Mit den bisherigen Ergebnissen zeigt REWIND, dass ausgediente Windkraftanlagen nicht zwangsläufig zu problematischem Abfall werden müssen. Stattdessen könnten Rotorblätter künftig zu einem wichtigen Rohstoff für neue Produkte werden und damit einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Industrie leisten.