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Arbeitsweg als Gesundheitsprogramm: Warum Unternehmen Bewegung neu denken sollten

05.09.2026

VCÖ: Mobilitätsmanagement kann Gesundheit fördern, Kosten senken und den Umstieg auf Fahrrad und Öffis erleichtern

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© Free Photos pixabay,com / Radfahren
Der tägliche Weg zur Arbeit ist für Millionen Menschen in Österreich ein Teil des Alltags. Gleichzeitig könnte er zu einer wichtigen Gesundheitsressource werden. Bei einer Online-Fachkonferenz des VCÖ am 3. September wurde deutlich: Wer Arbeitswege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, integriert Bewegung ohne zusätzlichen Zeitaufwand in den Alltag. Unternehmen können diesen Wandel gezielt unterstützen und profitieren dabei selbst.

Mehr als die Hälfte der an Werktagen mit dem Auto zurückgelegten Kilometer in Österreich entfallen auf Arbeits- und Dienstwege. Gleichzeitig sind viele dieser Strecken vergleichsweise kurz. Mehr als die Hälfte der Arbeitswege ist kürzer als zehn Kilometer. Das ist eine Distanz, die laut VCÖ für viele Menschen mit Fahrrad oder E-Bike bewältigbar wäre, sofern sichere Radwege und verkehrsberuhigte Straßen vorhanden sind.
 

„Das ist für viele eine gut mit dem Fahrrad oder Elektrofahrrad bewältigbare Distanz, wenn es eine gute Radinfrastruktur gibt und verkehrsberuhigte Straßen“, sagt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
 

Millionen Arbeitswege als ungenutztes Bewegungspotenzial

 

Das Potenzial ist groß: Rund 1,7 Millionen Erwerbstätige arbeiten innerhalb ihrer Wohngemeinde. Von den rund 2,4 Millionen Pendlerinnen und Pendlern arbeiten etwa 820.000 in einer anderen Gemeinde desselben Bezirks. Bei vier von zehn dieser Beschäftigten beträgt der Arbeitsweg weniger als zehn Kilometer, bei zwei Dritteln weniger als 15 Kilometer.
 

Weitere rund 970.000 Menschen pendeln in einen anderen Bezirk desselben Bundeslandes. Auch hier sind die Wege teilweise kurz: Jeder Zehnte fährt weniger als zehn Kilometer, jeder Vierte weniger als 15 Kilometer.
 

Gerade diese Distanzen könnten stärker für aktive Mobilität genutzt werden,  zumindest teilweise. Wer beispielsweise mit dem Zug oder Bus zur Arbeit fährt und den Weg zum Bahnhof zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt, sammelt ebenso zusätzliche Bewegung wie Menschen, die kürzere Arbeitswege komplett mit dem Rad bewältigen.

„Der Arbeitsweg findet ohnedies statt. Bei 220 Arbeitstagen im Jahr sind das hin und retour mehr als 400 Wege“, betont Schenk. Darin liege eine große Chance, regelmäßig Bewegung in den Alltag zu integrieren.


Bewegungsmangel wird zum Gesundheitsproblem

Dass dieser Ansatz mehr ist als eine Klimaschutzmaßnahme, machte Brendon Stubbs, Professor an der Medizinischen Universität Wien, deutlich. Bewegungsmangel nimmt in Österreich zu und erhöht unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs. Regelmäßige Bewegung kann dagegen sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit stärken.
 

Auch wirtschaftlich ist das Thema relevant. Die Kosten krankheitsbedingter Fehlzeiten werden in Österreich auf bis zu 15,5 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Rund ein Drittel der Krankenstandstage entfällt auf Erkrankungen, bei denen Bewegung eine wichtige Rolle spielt,  etwa  bei Rücken- und Kreuzschmerzen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 

Stubbs sieht aktive Mobilität deshalb als besonders alltagstauglichen Gesundheitsfaktor: Bewegung könne auf dem Weg zur Arbeit stattfinden, ohne dass dafür zusätzlich Zeit für Sport eingeplant werden müsse. 


Mobilitätsmanagement spart Unternehmen Geld

Für Betriebe kann sich eine entsprechende Strategie auch finanziell auszahlen. Berechnungen des Energieinstituts Vorarlberg zufolge können Unternehmen im Schnitt rund 870 Euro pro Mitarbeiter und Jahr sparen, wenn Beschäftigte vom Auto auf das Fahrrad oder bei längeren Strecken auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Gründe sind unter anderem geringere Parkplatzkosten und potenziell weniger Krankenstandstage.
 

Auch Beschäftigte profitieren finanziell. Wer vom Auto auf das Fahrrad umsteigt, kann laut den vorgestellten Berechnungen durchschnittlich rund 900 Euro pro Jahr sparen.
 

Betriebliches Mobilitätsmanagement wird damit zu einer Schnittstelle zwischen Klimaschutz, Gesundheitsförderung und Kostenmanagement.


Vom Leasingrad bis zum Jobticket
 

Die Möglichkeiten für Unternehmen sind vielfältig. Bereits bei der Standortwahl lässt sich beeinflussen, wie gut ein Arbeitsplatz mit Bahn, Bus oder Fahrrad erreichbar ist. Im Betrieb selbst können steuerbegünstigte Leasingräder und Öffi-Jobtickets den Umstieg erleichtern.
 

Dazu kommen vergleichsweise einfache Maßnahmen: sichere und gut erreichbare Fahrradabstellplätze, Duschen und Umkleidemöglichkeiten oder Informations- und Bewusstseinskampagnen können die Bereitschaft zur aktiven Mobilität erhöhen.
 

Entscheidend sei, Mobilitätsmanagement und betriebliche Gesundheitsförderung nicht getrennt zu betrachten, so die Fachleute.



KMU zeigen, wie es funktionieren kann
 

Dass solche Maßnahmen nicht nur für Großunternehmen interessant sind, zeigte Wolfgang Voglauer, Geschäftsführer des Ziviltechnikbüros IKW ZT aus Amstetten. Von den 50 Beschäftigten verfügen dort 29 über ein Klimaticket als Öffi-Jobticket, 19 nutzen ein Leasingrad. Für Dienstfahrten stehen außerdem vier E-Fahrräder und zwei herkömmliche Fahrräder zur Verfügung.

„Gerade das Radfahren ist auch eine Form von betrieblicher Gesundheitsförderung“, so Voglauer.
 

Auch der Grazer Leuchten- und Lichtsystemhersteller XAL setzt gezielt auf das Fahrrad. Durch entsprechende Maßnahmen konnte der Anteil der Radfahrenden unter den Beschäftigten von 30 auf 38 Prozent gesteigert werden. XAL betrachtet Mobilitätsmanagement ausdrücklich als Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.
 

An der Universität für Bodenkultur Wien werden beide Bereiche im Projekt Mobility4Health miteinander verbunden. Ziel ist es unter anderem, das Radfahren auf dem Arbeitsweg zu fördern. 


Aktive Pendler sind fitter

Welche gesundheitlichen Effekte tatsächlich entstehen, wurde auch an der Paris Lodron Universität Salzburg untersucht. Petra Stutz präsentierte die Ergebnisse der GISMO-Studie. Demnach profitieren Menschen, die aktiv zur Arbeit pendeln, messbar bei Fitness und Lebensqualität.
 

„Betriebe, die aktive Mobilität gezielt fördern, investieren damit direkt in die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, lautet das Fazit der Studie.


Ein weiterer Hebel ist das steuerbegünstigte Dienstradleasing. Andreas Rath von Bikeleasing Österreich zeigte anhand des Technoparks Raaba in der Steiermark, wie solche Angebote wirken können. Entscheidend sei dabei, das Leasing mit weiteren Maßnahmen zu kombinieren und Radfahren im Unternehmen tatsächlich attraktiv und einfach zu machen.


Politik soll Rahmenbedingungen verbessern

Aus Sicht des VCÖ braucht es nun bessere politische Rahmenbedingungen, damit Mobilitätsmanagement stärker als Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung verankert wird.
 

Jette Schütz vom Mobilitätsministerium verwies auf das Programm klimaaktiv mobil, das Betriebe bei der Umsetzung entsprechender Maßnahmen mit Beratung und Informationen unterstützt.
 

Denn der Ansatz ist vergleichsweise simpel: Wenn Bewegung ohnehin auf dem Arbeitsweg stattfinden kann, muss dafür weder ein zusätzlicher Termin noch zusätzliche Zeit geschaffen werden. Ein Teil des Weges zum Bahnhof, der komplette Weg mit dem Fahrrad oder der Fußweg zur Bushaltestelle können aus Pendelzeit gesundheitsfördernde Zeit machen.
 

Damit wird der Arbeitsweg vom täglichen Stressfaktor zumindest teilweise zur Chance: für mehr Bewegung, weniger Autoverkehr, geringere Kosten  und gesündere Beschäftigte.

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05.09.2026 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
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